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Kretzschmar: Löwen können mit gutem Gefühl ins Rückspiel

Die Kolumne von Sky Experte Stefan Kretzschmar

Stefan Kretzschmar

24.03.2019 | 15:31 Uhr

Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs
Image: Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs © Sky

Sky Experte Stefan Kretzschmar beleuchtet in seiner Kolumne jede Woche die wichtigsten Themen aus der Welt des Handballs. Diesmal spricht er über das Achtelfinal-Hinspiel der Rhein-Neckar Löwen gegen Nantes und wirft einen Blick auf die anstehende Auswärtspartie der Flensburger in Brest.

Das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League zwischen den Rhein-Neckar Löwen und HBC Nantes war Werbung für den Handballsport. So etwas im Angriff habe ich in dieser Quantität der Genialität noch nie gesehen. Das, was Andy Schmid zusammen mit Jannik Kohlschreiber gezeigt hat, war für mich die Performance des Jahrhunderts. Alleine dafür hat sich das Eintrittsgeld schon gelohnt. Die offensive Leistung der Löwen war insgesamt einfach herausragend.

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Die Rhein-Neckar Löwen haben in der EHF Champions League das Achtelfinal-Hinspiel gegen den HBC Nantes mit 34:32 (18:16) gewonnen (Videolänge: 1:43 Min.).

Die Anfangsphase der Löwen hat mich aber schon etwas enttäuscht. Sie sind nicht richtig ins Spiel gekommen und hatten nicht die nötige Aggressivität - vor allem im Innenblock hat diese gefehlt. Dort ist mit Guardiola und Abutovic eigentlich das Prunkstück der Löwen. Genau auf dieser Position sind aber ganz viele Fehler passiert. Es war eine löchrige 6:0-Abwehr. Insgesamt haben die Mannheimer es verpasst, Nantes zu zeigen, wer der Herr im Haus ist. Die Franzosen sind viel zu oft zu leichten Toren gekommen. Das wurde erst mit der Umstellung von Coach Nicolaj Jacobsen auf eine 5:1-Verteidigung besser.

Das ist so ein bisschen der Wermutstropfen - neben dem Ergebnis, das sicherlich höher hätte ausfallen können. Aber das ist auch gleichzeitig die Hoffnung für das Rückspiel. Die Abwehr kann auf jeden Fall besser agieren - gar keine Frage.

Fäth kann wichtige Impulse geben

Das Gegentor in letzter Sekunde zum 34:32 schmerzt aus meiner Sicht gar nicht so sehr, denn die Löwen können auf jeden Fall auch in Nantes gewinnen. Dazu müssen sie sich wie bereits angesprochen in der Abwehr steigern. Das werden sie auch. Die Löwen können meiner Meinung nach mit einem guten Gefühl ins Rückspiel gehen.

Dort kann Steffen Fäth ein wichtiger Faktor für die Mannheimer werden. Im Hinspiel hat er sein Comeback nach langer Verletzungspause gegeben. Er hat sich ganz gut eingefunden, ist mit Selbstvertrauen gekommen und hat zwei blitzsaubere Tore gemacht. Auf den Halbpositionen ist er nun wieder eine Option. Er hat den besten Wurfarm bei den Löwen und kann dadurch wichtige Impulse geben.

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Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs

Ein absolutes 50:50-Spiel

Das einzig Beunruhigende aus meiner Sicht ist, dass Nicolas Claire auf Seiten von Nantes im Rückspiel wahrscheinlich nach seiner Bauchmuskelzerrung wieder zurückkehren wird. Dann ist es nochmal eine andere Qualität, die Nantes haben wird. Er ist ein ausgesprochen wichtiger Spieler für die Franzosen. Allerdings müssen die Löwen im Falle einer Rückkehr von Claire nicht nur auf ihn aufpassen. Die Qualität der anderen Spieler ist ebenfalls hoch. Romain Lagarde war wirklich stark. Kiril Lazarov hatte beim Hinspiel zwar nicht seinen besten Tag, wird sich sicherlich steigern. Dies ist auch bei Alix Nyokas der Fall.

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Es bleibt aber festzuhalten, dass beide Teams Steigerungspotential haben. Die entscheidende Frage ist, wer aggressiver ist. Da würde man im ersten Moment auf Nantes tippen, denn sie haben ein Heimspiel vor einer unglaublichen Kulisse. Und die zweite Frage ist: Wer behält mehr die Nerven? Für das Rückspiel ist alles möglich. Es ist ein absolutes 50:50-Spiel.

Flensburg wird sich keinen Aussetzer leisten

Am Samstag ist mit der SG Flensburg-Handewitt der zweite deutsche Vertreter in der Champions League aktiv. Für die Norddeutschen geht es zunächst nach Weißrussland, wo das Spiel gegen Brest ansteht. Der Gastgeber hatte sein letztes Spiel am 13. März und damit eine deutlich längere Regenerationszeit als die Flensburger. Das wird im Hinspiel aber meiner Meinung nach keine Rolle spielen.

Hand aufs Harz - der Handball-Podcast

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In der vierten Folge von "Hand aufs Harz - Der Handball-Podcast" gibt es ziemlich viel zu lachen. Zu Gast: Andy Schmid von den Rhein-Neckar Löwen.

Flensburg hat einen so großen Kader, dass es eher ein Vorteil ist, im Rhythmus zu bleiben. Es ist wichtig, dass sie nicht aus ihrem Flow kommen. Sie werden wohl auch eine Charter-Maschine und damit eine relativ angenehme Reise nach Brest haben. In diesem Duell sehe ich Flensburg favorisiert. Wenn die SGF mit der Qualität, die sie haben, den Fokus hochhalten und mit einer hundertprozentigen Einstellung antreten, werden sie das Spiel für sich entscheiden. Aussetzer wie in Celje und in Zaporozyhe werden sie sich in einem Champions-League-Achtelfinale nicht leisten. Sie werden topmotiviert, vorbereitet und fokussiert sein. Qualitativ sehe ich bei Brest keinen, der auf seiner Position individuell stärker ist, als sein Gegenüber auf Flensburger Seite.

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