Tour de France: Houle gewinnt 16. Etappe - Geschke weiter im Bergtrikot
Kanadier Houle gewinnt Hitze-Etappe - Geschke erneut stark am Berg
19.07.2022 | 18:20 Uhr
Der kanadische Radprofi Hugo Houle hat die 16. Etappe der 109. Tour de France gewonnen.
Hugo Houle reckte seinen rechten Arm in den Himmel, blickte etwas ungläubig nach oben - und grüßte seinen verstorbenen Bruder. Der erste Tour-de-France-Etappensieg des Kanadiers, er war ein besonders emotionaler. Im anschließenden Siegerinterview ließ Houle, dessen Bruder vor rund zehn Jahren auf tragische Weise ums Leben gekommen war, seinen Gefühlen freien Lauf.
"Das ist für meinen Bruder", sagte er unter Tränen: "Ich habe noch nie gewonnen, ich denke, das ist der richtige Ort für meinen ersten Sieg. Ich hatte einen Traum: eine Etappe für meinen Bruder zu gewinnen, der gestorben ist, als ich Profi geworden bin."
Pierrik Houle - Bruder, Trainingspartner und bester Freund - war vor zehn Jahren von einem betrunkenen Autofahrer überfahren worden. Nun widmete Hugo (31) ihm seinen größten Erfolg. Es war der erste Tagessieg eines Kanadiers bei der Frankreich-Rundfahrt seit dem von Steve Bauer 1988 und erst der zweite überhaupt.
Simon Geschke, der als Teil einer anfangs 29-köpfigen Spitzengruppe gemeinsam mit Houle unterwegs gewesen war, verteidigte indes trotz Corona-Sorgen auf der ersten Pyrenäen-Etappe sein Bergtrikot. Nach dem Ausstieg seines Zimmerpartners Max Walscheid aufgrund eines positiven Tests baute der 36-Jährige seine Führung in der Bergwertung sogar aus.
"Das war ein wichtiger Tag für mich. Es war eigentlich gar nicht geplant, dass ich in eine Gruppe gehe, weil die nächsten Tage noch sehr schwer werden", sagte Geschke und äußerte sich auch zur Corona-Problematik: "Das liegt einfach nicht in meiner Macht, ich muss gucken. Wir werden testen, und ich hoffe einfach, dass ich das Trikot nicht über Nacht verliere."
Geschke hatte sich früh als Teil der Fluchtgruppe vom Feld abgesetzt. Auf den zwei großen Anstiegen des Tages kämpfte der Cofidis-Fahrer aufopferungsvoll, sammelte insgesamt zwölf Punkte und liegt mit nun 58 Zählern 19 Punkte vor Verfolger Louis Meintjes.
Im Gesamtklassement gab sich Jonas Vingegaard an der Spitze keine Blöße, die Angriffe des Titelverteidigers Tadej Pogacar liefen ins Leere. Der Däne Vingegaard fuhr einträchtig mit Pogacar (Slowenien) ins Ziel und verteidigte souverän sein Gelbes Trikot. "Ich werde weiterkämpfen und weiter alles probieren", gab sich Jäger Pogacar im Anschluss kämpferisch. Doch die Chancen werden weniger.
Der nächste heiße französische Sommer-Tag hatte mit einer schlechten Nachricht aus deutscher Sicht begonnen. Bora-hansgrohe-Fahrer Lennard Kämna musste aufgrund einer hartnäckigen Erkältung das Rennen aufgeben. Der 25 Jahre alte Hoffnungsträger hatte in den ersten beiden Tourwochen für einige Highlights gesorgt, verpasste aber sowohl den Sprung ins Gelbe Trikot als auch einen Etappensieg denkbar knapp.
Wenig später erreichte auch Geschke, dessen großes Ziel es ist, das Gepunktete Trikot als erster Deutscher nach Paris zu tragen, eine Hiobsbotschaft: Cofidis-Teamkollege Walscheid wurde am Montag positiv auf Corona getestet und musste wie Kämna aufgeben.
Kurz nach dem Start in Carcassonne hatte sich die große Spitzengruppe gebildet, in der Geschke als einziger Deutscher mit von der Partie war. Zudem mischten in Kapitän Alexander Wlassow und dem Österreicher Felix Großschartner auch zwei Fahrer des deutschen Rennstalls Bora-hansgrohe vorne mit. Den erhofften Etappensieg konnten sie aber nicht holen. Wlassow wurde am Ende nur Sechster, machte aber immerhin einige Zeit in der Gesamtwertung gut.