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Kühnen: Wachablösung vertagt - aber Abstand ist geringer geworden

Die Kolumne von Sky Experte Patrik Kühnen

Patrik Kühnen

18.09.2019 | 15:23 Uhr

Patrik Kühnen analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Tennis-Welt.
Image: Patrik Kühnen analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Tennis-Welt. © Sky

Sky Experte Patrik Kühnen beleuchtet in seiner Kolumne die wichtigsten Themen aus der Tennis-Welt. Der ehemalige Davis-Cup-Kapitän blickt auf das epische US-Open-Finale der Herren zurück und erklärt, welches Problem Alexander Zverev schnellstmöglich in den Griff bekommen muss.

Was war das für ein herausragender Abschluss der US Open! Fast fünf Stunden lang haben sich Rafael Nadal und Daniil Medwedew einen außergewöhnlichen Schlagabtausch geliefert. Wie sich der junge Russe nach einem 0:2-Satzrückstand nochmal ins Match zurückgekämpft hat, war sehr beeindruckend.

Am Ende aber hielt Nadal die Siegertrophäe in den Händen. Die Wachablösung ist damit erstmal verschoben, doch das Finale hat gezeigt, dass der Abstand geringer geworden ist.

Bei Nadal hatte ich von Beginn an das Gefühl, dass er gesund, ausgeruht und topfit ins Turnier gegangen ist. Und er hat in diesem hochklassigen Endspiel erneut gezeigt, wie variabel er mittlerweile agiert.

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Natürlich baut er sein Spiel immer wieder mit seiner starken Vorhand auf, aber er hat auch seinen Rückhand-Slice oft gut eingesetzt und ist immer wieder auch mal ans Netz gestürmt, um dort den Punkt zu machen. Damit hat er Medwedew vor viele Aufgaben gestellt. Besonders entscheidend war aber, dass Nadal in den großen Momenten zur Stelle war.

Nadal reißt Momentum in Satz fünf an sich

Bei den "Big Points" sein bestes Tennis abzurufen, genau diese Stärke zeichnet die "Big Three" aus. Nach dem Verlust des vierten Satzes hatte sich Nadal zu Beginn des fünften Durchgangs das Break gesichert und damit ein Zeichen gesetzt. Von da an hatte er das Match und das Momentum auch wieder an sich gerissen.

Nach seinem 19. Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier liegt er nun nur noch einen Major-Titel hinter Roger Federer. Nach all den Erfolgen tritt Nadal immer noch mit einer Energie und Intensität auf, die ihresgleichen sucht. Er verbessert ständig sein Spiel und ist auf allen Belägen zuhause. Kurzum: Ein großer Champion!

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Medwedew kann einer der ganz Großen werden

Medwedew hat das Potenzial, ebenfalls einer zu werden. Finale in Washington, Finale in Montreal, Turniersieg in Cincinnati und Finale bei den US Open - der 23-Jährige hat zweifelsohne eine überragende Hardcourt-Saison gespielt und ist für mich der Spieler der vergangenen Monate.

Aufgrund der sehr erfolgreichen, aber auch anstrengen Wochen war vor dem Finale vielleicht seine körperliche Verfassung mit einem kleinen Fragezeichen versehen, aber er hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er nicht nur körperlich, sondern auch mental topfit ist. Als aktuelle Nummer 4 steht er, mit seinem bisher besten Ranking, völlig verdient direkt hinter den großen Drei.

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Der starke Sommer von Medwedew zeigt, was mit Selbstvertrauen alles möglich ist. Bei mir wurden Erinnerungen an Alexander Zverev von vor zwei Jahren wach. 2017 hatte er seinen Durchbruch, als es bei ihm ähnlich steil nach oben ging und er bis auf Platz drei der Weltrangliste stürmte.

Zverev von Nebengeräuschen abgelenkt

In dieser Saison beeinflussen unter anderem die Auseinandersetzung mit seinem Ex-Manager Patricio Apey und die Trennung von Ivan Lendl seine Leistungen. Solche Nebengeräusche lassen sich auf dem Tennisplatz nicht so leicht ausblenden, hinzu kamen ein paar spielerische Probleme.

Alexander hat sich bei den US Open mit viel Biss in die vierte Runde gekämpft, seinem bisher besten Ergebnis in New York. Bei der Achtelfinal-Niederlage gegen Diego Schwartzman standen dann aber 17 Doppelfehler zu Buche. Das sind natürlich zu viele und das registrieren auch die Gegner, die sich bei ihren Returns dann auch mehr trauen und mehr ausrechnen.

Dies abzustellen und zu seiner alten Aufschlagstärke zurückzufinden ist für mich der ausschlaggebende Faktor, um wieder offensiver zu spielen und damit auch wieder erfolgreicher zu werden. Mit dem Service hat er sich in der Vergangenheit immer wieder viele freie Punkte geholt, auch den zweiten Aufschlag hat er oft offensiv eingesetzt und damit seine Gegner unter Druck gesetzt.

Zverev muss Aufschlag in Griff kriegen

Dass nun die Indoor-Saison beginnt und damit die äußeren Einflüsse wegfallen, sollte für ihn ein Vorteil sein. Und mit den kommenden Turnieren beginnt nun auch der Endspurt für die Qualifikation zur ATP-WM. Auch wenn es aktuell knapp ist - Zverev steht momentan an zehnter Stelle im "Race to London" - so ist natürlich noch alles drin. In London würde er dann als Titelverteidiger an den Start gehen. Wenn er seinen Aufschlag wieder in den Griff bekommt und zu seiner Stärke zurückfindet, hat er alle Chancen.

Alle Chancen auf eine erfolgreiche Karriere hat auch Dominik Köpfer. Der Schwarzwälder mit dem unbändigen Kampfgeist hat mit seinem Achtelfinal-Einzug in New York bewiesen, dass er mit den Besten mithalten kann. Ich hoffe, dass das eine Initialzündung für seinen weiteren Weg war, er hat auf jeden Fall das Potenzial für die Top-50.

Bei Angelique Kerber hoffe ich, dass es mit Dirk Dier wieder bergauf geht. Dirk hat viel Erfahrung und beide kennen sich aus gemeinsamen Fed-Cup-Zeiten, das wird sich hoffentlich positiv auswirken.

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