Tennis News: Restart mit Hindernissen in Zeiten von Corona

Tennis in Corona-Zeiten: Restart mit Hindernissen

Das Stadion bei den US Open wird wohl leer bleiben.
Image: Das Stadion bei den US Open wird wohl leer bleiben.  © DPA pa

Seit Anfang März musste der gelbe Filzball ruhen. Fünf Monate später wagt Tennis den Restart: Die Herren-Tour startet diese Woche, die Frauen spielen schon wieder. Der Sport wird aber anders aussehen als vor der Pandemie.

Tennis ist ein Weltsport. In keiner anderen Disziplin wetteifern Athleten aus so vielen Nationen um Siege. In den Top 100 der Herren stehen Sportler aus 37 Ländern. Was in normalen Zeiten eine Errungenschaft ist, wird in der Corona-Pandemie zur Schwäche. Das globalen Reisen machen die Organisation von Turnieren zur Herkules-Aufgabe.

Die Herren-Tour startet diese Woche in New York, nach dem Vorbild der NBA: Alle Spieler in einer "Bubble", sie dürfen nur zwischen Hotel und Spielanlage pendeln. Zuschauer sind nicht erlaubt, das Western&Southern Open und die US Open werden zu reinen TV-Turnieren.

Restart im Herzen der Pandemie

Rund 1000 Corona-Neuinfektionen pro Tag in New York und genau hier startet die ATP-Tour wieder. Der Ort des Restarts sorgt bei vielen Profis für Unverständnis, es hagelte Absagen von prominenten Namen. Möglich wurde das Turnier, weil für Tennisspieler Reise-Erleichterungen durchgedrückt wurden: Direkt nach den US Open steht das Masters in Rom an, allen Profis wurde eine quarantänelose Teilnahme garantiert.

Wie groß die Unsicherheit bei den Spielern trotzdem noch ist, zeigt das Turnier in Kitzbühel, das während der US Open stattfindet. Für das Turnier der kleinsten Kategorie haben sich 67 der Top 100 der Welt angemeldet. Für den Fall, dass die US Open doch nicht stattfinden.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

In diesem Video spricht Tennisspieler Rafael Nadal über seine US-Open-Absage. (Länge: 35 Sekunden)

Schwächste US Open der Geschichte

Bei den Männern werden vor allem zwei große Namen fehlen: Roger Federer (verletzungsbedingt) und Rafael Nadal. Insgesamt haben von den Top 100 aber nur neun Spieler abgesagt. Novak Djokovic geht in Abwesenheit seiner schärfsten Konkurrenten auf Rekordjagd, auch Alexander Zverev ist mit dabei.

Das Frauenfeld ist dagegen deutlich schwächer besetzt, gleich sechs Top-Ten-Profis reisen nicht nach New York! Deutschlands Beste, Angelique Kerber hat sich noch nicht entschieden. Es wird sportlich das schwächste Grand-Slam-Turnier der Geschichte. Die Absagen fallen den Sportlern vergleichsweise leicht, weil die Weltrangliste zum Wohle der Spieler angepasst wurde: Wer jetzt ein Turnier auslässt, darf die Punkte aus dem Vorjahr behalten. Wer beides spielt, für den wird das bessere Ergebnis gezählt.

Mehr dazu

Heißstart Thiem und Doppelfehler Zverev

Sportlich wird der Restart spannend: Fehlende Spielpraxis und mögliche Fitness-Defizite gestalten die Favoritenfrage offen. Es könnte endlich gelingen, die Dominanz der "Big Three" zu brechen. Beste Chancen hat Dominic Thiem, der Österreicher avancierte in der Corona-Pause zum Vielspieler. Er absolvierte in 40 Tagen unglaubliche 26 Matches, wovon er 23 gewann.

Jetzt Push-Nachrichten zu Deinen Lieblingssportarten!
Jetzt Push-Nachrichten zu Deinen Lieblingssportarten!

Du willst personalisierte Sport-Nachrichten als Push auf dein Handy? Dann hol Dir die Sky Sport App und wähle Deine Lieblingssportarten- und wettbewerbe aus. So funktioniert's.

Für unrühmliche Schlagzeilen sorgte hingegen Alexander Zverev: Er war Teil der unsäglichen Adria-Tour, die als Paradebeispiel für schlechte Organisation in Corona-Zeiten durchgeht. Mehrere Profis und Fans steckten sich dabei mit dem Virus an. Zverev kündigte danach an, sich in Quarantäne zu begeben. Partybilder von ihm wenige Tage später haben aber die Ichbezogenheit der Spieler gezeigt, die Tennisblase als Parallelwelt.

Das Beispiel zeigt, wie kompliziert der Restart einer Sportart aus Individualisten wird. Der Teamgedanke muss im Tennis noch gelernt werden.

Mehr zum Autor Daniel Heißenstein