Brian Madjo: Aston Villas 17-jährige Sturm-Wucht erinnert an Romelu Lukaku
Ein Körper wie ein Preisboxer - und das schon mit 17 Jahren. Brian Madjo zählt zu den spannendsten Stürmertalenten Europas. Der Teenager von Aston Villa vereint außergewöhnliche Physis, Tempo und Torjägerinstinkt.
14.08.2026 | 23:00 Uhr
Trotz vergebener Chancen im UEFA-Supercup gegen PSG beeindruckte Madjo mit seiner Wucht und seiner Präsenz. Der Vergleich mit Romelu Lukaku kommt nicht von ungefähr. Lob gab es von allen Seiten. Wird er der neue Nachfolger von Harry Kane?
Wenn sich Brian Madjo mit seinen 1,93 Meter und rund 86 Kilogramm vor einen Gegenspieler stellt, dann rappelt es im Karton!
Genauer gesagt im Strafraum. Das hat jüngst am Mittwochabend Paris Saint-Germain im UEFA-Supercup am eigenen Leib zu spüren bekommen. Europa-League-Champion Aston Villa verlor zwar das Kräftemessen mit dem Champions-League-Sieger mit 1:2 (1:1) - doch der Stern von Madjo ist in Salzburg international aufgegangen.
Madjo hält jetzt zwei Supercup-Rekorde
Denn mit 17 Jahren und 212 Tagen ist der Angreifer jetzt nicht nur der jüngste eingesetzte Spieler der Geschichte des Wettbewerbs, sondern auch der jüngste Torschütze. Die vorige Bestmarke von Patrick Kluivert, der im Jahr 1996 mit seinem Treffer für Ajax im Alter von 19 Jahren und 220 Tagen den Rekord aufgestellt hatte, pulverisierte Madjo förmlich. Und was für ein Treffer das war.
Im Infight gegen PSG-Verteidiger William Pacho blieb der bullige Youngster beeindruckend stabil, stellte seinen linken Fuß clever raus und verwertete in der 45. Minute die Flanke aus dem rechten Halbfeld von John McGinn ideal zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Der Ball schlug scharf im kurzen Eck ein. Ein Statement-Tor.
Erinnerungen an den jungen Lukaku
Madjo besitzt laut des Datendienstleisters CREATEFOOTBALL Eigenschaften, die im modernen Spitzenfußball kaum zu finden sind. Der im englischen Enfield geborene Stürmer kombiniert eine außergewöhnliche körperliche Präsenz mit hoher Athletik und starkem Antritt. Mit seiner Körpergröße bringt er bereits jetzt die Statur eines etablierten Profi-Stürmers mit.
Besonders auffällig ist seine Fähigkeit, Bälle unter Gegnerdruck festzumachen. Madjo nutzt seinen Körper hervorragend, legt sich regelrecht in den Verteidiger hinein und schafft es dadurch, etliche Bälle festzumachen und Mitspieler nachrücken zu lassen. Gerade in dieser Disziplin erinnert sein Profil stark an den jungen Romelu Lukaku.
Keine Spielerlaubnis wegen FIFA-Regel
"Er war absolut fantastisch", sagte Vorlagengeber und Villa-Kapitän McGinn am Mittwochabend über Madjo und führte fort: "Er hatte ein schreckliches Jahr. Ein in England geborener Spieler sollte auch in England spielen dürfen. Die schwierige Situation hat er unglaublich gut gemeistert. Er hat sich in guter Form gehalten, und es wäre heute Abend sehr leicht für ihn gewesen, nach den vergebenen Chancen den Kopf hängenzulassen. Aber er hat weitergemacht und wurde letztendlich belohnt. Gute Stürmer bringen sich in die richtigen Positionen. Er wird in dieser Saison ein wichtiger Spieler für uns werden. Er besitzt das Potenzial, ein unglaublicher Stürmer zu werden. Das hat er gezeigt."
Im Januar 2026 war Madjo für zwölf Millionen Euro vom damaligen französischen Erstligisten FC Metz zu Aston Villa gewechselt. Für den Premier-League-Klub aus Birmingham hatte er bis zum UEFA-Supercup allerdings noch kein Pflichtspiel absolviert. Aufgrund einer FIFA-Regel, die internationale Transfers von Minderjährigen untersagt, erhielt er aber zunächst keine Spielberechtigung. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) gab dem Einspruch Aston Villas Anfang August statt. Jetzt darf Madjo so richtig loslegen.
Pressing, Chancenverwertung & Killer-Instinkt
Neben seinen offensiven Qualitäten zeigt das Sturm-Juwel, das sich nach drei A-Länderspielen für Luxemburg - wuchs als Sohn kamerunischer Eltern im europäischen Zwergstaat auf - im August 2025 dazu entschied, in Zukunft für England aufzulaufen, auch gegen den Ball vielversprechende Ansätze. Zwar gehört er aktuell noch nicht zu den aggressivsten Pressing-Spielern, doch seine Bereitschaft zur Arbeit gegen den Ball ist erkennbar. Mit weiterer Entwicklung unter Unai Emery dürfte sich Madjo in diesem Bereich schnell verbessern.
Grundsätzlich steht aber fest, seine größten Qualitäten liegen im gegnerischen Strafraum. Der aktuelle englische U17-Nationalspieler verfügt über den Instinkt eines klassischen Mittelstürmers. Gegen PSG positionierte er sich immer wieder clever zwischen den Verteidigern, kam achtmal im Sechzehner an den Ball und suchte sechsmal den Abschluss.
Dabei zeigte sich sein enormes Potenzial ebenso wie seine aktuelle Entwicklungsphase. Mehrere Großchancen ließ er ungenutzt, wirkte teilweise noch etwas hektisch im Abschluss. Später traf er aber aus einer komplizierten Situation heraus sehenswert und demonstrierte damit seine natürliche Abschlussstärke.
Mit Ball sucht Madjo regelmäßig das Eins-gegen-Eins und scheut keine direkten Duelle. Seine ersten Kontakte sind noch nicht immer sauber, doch seine Dynamik und Explosivität erlauben es ihm häufig, diese Situationen trotzdem erfolgreich zu lösen.
Bei der EM 2028 als Kane-Ersatz bei England?
Während sich Luxemburg nach dem hochtalentierten Stürmer sehnt, dürften sich die Engländer die Hände reiben. Zumindest sollten die "Three Lions" um Nationaltrainer Thomas Tuchel Madjo mindestens auf dem Zettel haben. Ein ehemaliger Kult-Angreifer von Villa hat zumindest eine Empfehlung an den englischen Fußball-Verband ausgesprochen.
"Thomas Tuchel und die FA (Football Association, Anm. d. Red.) müssen sich die Fragen stellen: 'Nehmen wir ihn ins Team auf und lassen ihn in einem Nations-League-Spiel auflaufen? Wie viele englische Stürmer gibt es derzeit, denen wir zutrauen, der nächste Harry Kane zu werden?' [...] Vielleicht, wenn er sich so weiterentwickelt und der Trainer ihm weiter Spielzeit gewährt, könnten wir in zwei Jahren mit Blick auf die EM sagen: Er ist als Ersatz für Harry Kane dabei", ist Gabriel Agbonlahor der Meinung.
Brian Madjo - ein Name, den sich die Fußball-Welt unbedingt merken sollte. Das Sturm-Juwel bringt alle physischen Voraussetzungen mit, die man sich nur wünschen kann. Es scheint fast so, als ob der rote Teppich ausgerollt ist, um eine außergewöhnliche Karriere hinzulegen.
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