Ilkay Gündogan bei Sky Sport über Klopp, Guardiola, Bayern, Galatasaray, Nürnberg
Seit knapp einem Jahr spielt Ilkay Gündogan nun bei Galatasaray Istanbul. Im exklusiven Interview mit Sky Sport gibt der ehemalige DFB-Kapitän Einblicke in sein neues Leben in der türkischen Metropole.
27.07.2026 | 10:15 Uhr
Außerdem spricht der 35-Jährige über Jürgen Klopp, Pep Guardiola, der ihn gerne mal als Co-Trainer an seiner Seite hätte, und eine mögliche Sensations-Rückkehr nach Nürnberg.
Ilkay Gündogan ...
... über sein erstes Jahr bei Galatasaray Istanbul: "Ich wusste, auf was ich mich einlasse. Neue Liga, neues Umfeld. Die Türkei ist auch ein Land, wo ich selbst vorher noch nie gelebt habe. Wir fühlen uns sehr wohl. Wir sind sehr glücklich in der Stadt. Der Klub hat ein enormes Potenzial, was man nach wie vor ausschöpfen kann und sogar muss. Wir können noch sehr viel Gutes leisten im Verein, um den Klub noch größer zu machen als er eigentlich ist. Momentan sind wir ganz klar der größte Klub in der Türkei, aber ich glaube, dass wir europaweit, weltweit noch einen drauf setzen können - gerade auch was die Champions League und die internationalen Vergleiche angeht. Das ist das Ziel für die nächsten Monate und auch Jahre."
... wie es ist, als Ilkay Gündogan in so einer fußballverrückten Stadt wie Istanbul zu leben: "Eigentlich sehr gut. Die Lebensqualität ist extrem hoch. Wir gehen ehrlicherweise nicht so oft raus. Natürlich sind wir mal mit den Kindern auf dem Spielplatz oder im Einkaufszentrum für ein Cafe oder ein Eis oder mit meiner Frau im Restaurant. Aber da geht es dann schon eher von Zuhause ins Auto rein und vom Auto dahin, wo man hinmöchte. Es ist nicht so, dass man großartig draußen spazieren geht und viel rumläuft. Das wollen wir auch ein bisschen vermeiden, weil wir auch nicht so genau einschätzen können, was uns da erwartet. Aber egal, wo wir hingehen, die Menschen sind sehr freundlich - egal, ob Gala-Fans oder Fener-, Besiktas-Anhänger. Das spielt wirklich keine Rolle."
Gündogan: "Dürfen die Liga definitiv nicht vernachlässigen"
... über die Ziele in der kommenden Saison: "Wir sind froh darüber, dass wir zum vierten Mal in Folge die Meisterschaft gewinnen konnten. Mit jedem Jahr wird es aber somit auch schwieriger. Die Liga rüstet auf. Wir dürfen die Liga definitiv nicht vernachlässigen. Viermal in Folge Meister geworden zu sein, hat schon auch das Potenzial, um sich mehr auf die Champions League zu konzentrieren."
... ob in der Champions League mit Gala noch mehr möglich ist als das Achtelfinale in der zurückliegenden Saison: "Zuhause sind wir mit unseren Fans im Rücken eine kleine Macht geworden. Dafür waren wir auswärts oft einfach zu schwach und zu harmlos. Gerade auswärts sollten wir uns in der neuen Champions-League-Saison besser präsentieren. Auch als Mannschaft sollten wir disziplinierter, organisierter auftreten, um es auch dem Gegner schwer zu machen."
... ob er mit der deutschen Mannschaft und Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus mitgelitten hat: "Ich habe mit Julian (Nagelsmann) die letzte EM spielen dürfen, ich hatte einen sehr guten Draht zu ihm. Ich kannte fast alle Spieler, die im Kader waren. Ich habe da nach wie vor viele Kollegen, viele Freunde. Das war für uns alle eine sehr, sehr große Enttäuschung. Jetzt legt man alle Hoffnungen in Jürgen (Klopp), der zu diesem Zeitpunkt der beste Mann für den Job ist, den alle wollen und auch wollten. Das bringt irgendwo aber auch einen gewissen Druck mit. Ich kenne ihn persönlich sehr, sehr gut und weiß, was für ein Feuer er entfachen kann. Ich wünsche ihm und seinem Team nur das Beste. Die deutsche Nationalmannschaft gehört immer zu den Teams, die um den Titel mitspielen müssen, auch wenn wir erst einmal demütiger sein müssen in den nächsten Monaten und Jahren."
... über Jürgen Klopp: "Wenn man jetzt Jürgen Klopp holt, dann muss man ihm auch irgendwo eine gewisse Macht geben, gewisse Entscheidungen, die er frei treffen darf. Das wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch passieren. Es sollte oberste Priorität sein, jetzt kontinuierlich etwas aufzubauen. Da brauchen wir gewisse Substanzen, an die man sich festhalten kann, auch eine Rangordnung, an der man sich orientieren kann. Wenn man das schafft, in so kurzer Zeit wie möglich aufzubauen, dann sind wir gar nicht so weit hinterher, wie wir jetzt vielleicht alle denken. Dann kann es auch wieder relativ schnell gehen."
Guardiola will Gündogan als Co-Trainer
... über eine mögliche Anfrage des DFB: "Nein, da kam noch nichts außer von Pep (Guardiola), der mal einen lockeren Spruch letztes Jahr fallen lassen hat (lacht). Er sagte, dass ich jetzt noch ein paar Jahre spielen soll und dann irgendwann sein Co-Trainer werde, aber jetzt, wo er noch keinen Job hat, muss man mal abwarten. Ich genieße es gerade aber noch auf dem Platz zu stehen, Leistung zu bringen, zu trainieren. Ich liebe den Fußball noch aktiv als Spieler. In meinem Kopf würde ich gerne noch ein paar Jahre spielen, aber das kann sich - gerade in meinem Alter - auch von heute auf morgen ändern. Ich habe die B-Lizenz beim Trainerschein schon gemacht. Das habe ich sehr genossen, das hat Spaß gemacht. Diesen Weg möchte ich nach meiner aktiven Karriere einschlagen und ausprobieren. Ich kann mir das vorstellen - auch für den DFB, in welcher Rolle auch immer."
... ob es möglich gewesen wäre, mit Guardiola gemeinsam Italien zu trainieren, hätte er die Squadra Azzurra tatsächlich übernommen: "Er hat es ja jetzt nicht gemacht. Am Ende auch gut für mich, damit ich noch nicht diese Entscheidung treffen muss (lacht). Ich habe einen sehr, sehr guten Draht zu Pep. Das ist ja offensichtlich. Wir sind weiter im Austausch, schätzen uns gegenseitig sehr. Das (Co-Trainer von Pep zu sein; Anm.Red.) ist eine Variante, die ich mir sehr gut vorstellen kann, aber am Ende wird er auch immer seine eigenen Ideen für die Zukunft haben. Das Beste ich, wenn ich auf mich schaue und mich für jeden Fall vorbereite."
... ob er lieber noch einmal unter Pep oder Klopp trainieren würde: "Das ist schwierig. Ich hatte Pep ein paar Jahre länger. Bei Jürgen habe ich vielleicht noch ein bisschen etwas nachzuholen mit ihm. Grundsätzlich ist es sehr unrealistisch, dass ich für irgendeinen der beiden noch einmal als Spieler aktiv werde, aber ich mag beide sehr. Ich habe die Art und Weise des Fußballs von beiden genossen, der sich aber auch unterscheidet. Vielleicht war der Fußball von Jürgen in meinen jüngeren Jahren meiner Karriere passender für mich und der Fußball unter Pep besser für mich im späteren Verlauf meiner Karriere, weil es da nicht immer so sehr um die große Laufbereitschaft geht, sondern man vieles auch mit dem Kopf macht."
... über seine Zukunft (sein Vertrag bei Gala läuft 2027 aus): "Ich möchte aktuell gar nicht über das Jahr hinaus planen. Stand jetzt würde ich gerne weitermachen, auch gerne bei Gala, weil ich mich hier sehr wohlfühle. Aber das hängt auch von sehr vielen Variablen ab."
Bayern werden auch in dieser Saison durch die Liga marschieren
... ob er sich eine Rückkehr zum 1. FC Nürnberg vorstellen kann: "Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich nicht unbedingt scharf drauf, nochmal in der 2. Liga zu spielen, wobei es eine sehr anstrengende Liga ist. Ich habe großen Respekt vor dieser Liga. Aber man muss auch sehen, wo ich gerade noch bin. Ich bin bei einem Klub, der Champions League spielt und auf diesem Niveau fühle ich mich sehr, sehr wohl. Man kann aber auch Projekte ausarbeiten - auch für die Zukunft. Ich habe nach wie vor sehr engen Draht nach Nürnberg, weil der Club mir natürlich immer noch sehr am Herzen liegt. Ich bin dem Club, der Stadt sehr dankbar. Natürlich kann ich mir vorstellen, irgendwann zurückzukehren, in welcher Rolle auch immer. Ob das ein, zwei Jahre als Spieler sind oder als Funktionär, Trainer. Das kann alles möglich sein. Aber da muss man schon in tiefere Gespräche gehen, wenn man sich mit diesem Thema beschäftigen sollte, um da auch für alle Seiten das Beste auszuarbeiten."
... über die bevorstehende Bundesliga-Saison: "Die Bayern werden nichts anbrennen und auch in dieser Saison durch die Liga marschieren. Der FC Bayern ist das Nonplusultra in Deutschland. Ich sehe ehrlicherweise in dieser Konstellation mit Trainer, Spieler, Funktionären nicht das Potenzial, dass bei den Bayern auch gerade irgendwas komplett schieflaufen könnte, sodass etwa Borussia Dortmund davon profitieren könnte. Ich sehe die Bayern eher als sehr, sehr seriöser Kandidat, um die Champions League zu gewinnen."
Das Interview führte Fabian Schreiner.
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