Analyse zum Formel 1 Auftakt: Die Gewinner und Verlierer von Spielberg
Überglücklich bis erschüttert: Gewinner & Verlierer des F1-Auftakts
07.07.2020 | 14:06 Uhr
Der Formel-1-Auftakt in Spielberg ist passé. Beim GP von Österreich setzte sich Valtteri Bottas im Mercedes durch und feierte wie im vergangenen Jahr einen Sieg zum Saisonstart. Doch nicht nur aus diesem Grund gehört der Finne zu den Gewinnern. Sky Sport mit einer Analyse des ersten Rennens.
Die Gewinner des GP von Österreich
Auftakt-Sieger Valtteri Bottas
Saisonauftakt und Valtteri Bottas - das scheint zu passen! Wie im vergangenen Jahr in Australien sicherte sich der Finne auch in dieser Saison den Sieg beim ersten Rennen. Doch weder mit Glück oder durch Fehler der anderen Piloten, sondern in extrem souveräner und überzeugender Manier, die der 30-Jährige das gesamte Wochenende über an den Tag legte.
Bei den drei Trainings-Sessions landete Bottas jeweils nur hinter seinem Teamkollegen Lewis Hamilton und verbesserte seine Zeit innerhalb der Einheiten stetig. Im Qualifying drehte der Finne den Spieß um, setzte mit 1:02,939 nicht nur die Bestzeit, sondern stellte zudem auch noch den Streckenrekord auf dem Red-Bull-Ring auf. Die Krönung lieferte Bottas am Sonntag im Rennen, bei dem ihm ein Start-Ziel-Sieg gelungen ist, trotz zahlreicher Safety-Car-Phasen, die das Verfolgerfeld wieder eng an ihn heranrücken ließen.
So stark und nüchtern seine Renn-Performance war, so nüchtern gab er sich auch nach dem Triumph: "Man kann nicht besser in die Saison starten", sagt der Finne gewohnt wortkarg am Sky Mikrofon. Deutlicher wurde hingegen Daimler-Vorstand Ola Källenius, der unter anderem Bottas bereits vor dem Rennen bei den Gerüchten um ein mögliches Vettel-Engagement bei Mercedes den Rücken stärkte.
Podium-Youngster Lando Norris
Einen besseren Saisonstart hätte sich wohl auch der britische Youngster Lando Norris nicht vorstellen können, der mit seinem McLaren sensationell auf sein erstes Karriere-Podium raste. "Ich bin einfach nur sprachlos", erklärt der 20-Jährige am Sky Mikrofon, gab aber auch gleichzeitig zu, dass er im Rennen einige Momente hatte, "in denen ich dachte, ich hätte es vermasselt - und jetzt am Ende stehe ich auf dem Podium. Ich bin sehr, sehr glücklich."
Mit seinem dritten Platz fuhr er jedoch nicht nur wichtige 16 Punkte in der WM-Wertung ein und war damit schneller als sein erfahrenerer Teamkollege Carlos Sainz (Platz fünf). Noris beendete mit diesem starken Ergebnis zudem eine langanhaltende Serie von Lewis Hamilton. Dieser ist zum ersten Mal seit dem Auftakt-GP 2014 nicht der bestplatzierte Brite eines Rennens.
Ein Extra-Lob erhielt Norris vom McLaren-Teamchef Andres Seidl, der dem Youngster einen "super Schritt" in dessen Karriere bescheinigte. "Es hat ihm gut getan, in der langen Pause nach seiner ersten Saison alles zu verarbeiten, was im letzten Jahr passiert ist. Er hat das super analysiert und ist deutlich gefestigter als Persönlichkeit. Wir können mit ihm noch viel Spaß haben." Den Grundstein für spaßige Sonntagabende hat Norris nun beim GP von Österreich gelegt.
Der fünfte Platz von Teamkollege Sainz rundete das starke Wochenende von McLaren ab. Der Spanier, der in der kommenden Saison Sebastian Vettel bei Ferrari ablösen wird, machte im Rennen drei Plätze gut und sorgte damit für Platz zwei in der Konstrukteurs-Wertung. "Das war ein Befreiungsschlag für McLaren" konstatiert Sky Experte Ralf Schumacher. Und auch Seidl zeigte sich sichtlich erleichtert ob des starken Mannschaftsergebnisses: "Es ist sensationell für das gesamte Team, eine Bestätigung für die harte Arbeit. Wir hatten die Pace mit Racing Point und Ferrari mitzuhalten. Das ist einfach super. Trotz Corona und trotz Gesichtsmasken werden wir auf Distanz feiern."
Ferrari-Lichtblick Charles Leclerc
Ob Charles Leclerc einen wirklichen Grund zu feiern hat, ist doch zumindest fraglich, denn Ferrari erlebte im Gesamten betrachtet ein Wochenende zum Vergessen. Dem verkorksten Qualifying bei dem Vettel es nicht mal in das abschließende Q3 schaffte und Leclerc ebenfalls einen enttäuschenden siebten Platz belegte, folgte ein über weite Strecken schwaches Rennen der Scuderia.
Lediglich die starke Schlussphase von Leclerc, der das eine oder andere starke Überholmanöver zeigte, sorgte für italienische Schadensbegrenzung. "Es ist eine riesige Überraschung, dass ich noch auf Platz zwei gelandet bin. Wir hatten auch ein bisschen Glück mit der Strafe für Lewis (Hamilton, Anm. d. Red.) und einigen Crashs. Wir mussten alles aus unseren Möglichkeiten herausholen. Es war ein hartes Rennen, aber ich habe es genossen."
Besonders das Genießen könnte sich auch auf das teaminterne Duell mit Vettel beziehen, in dem Leclerc deutlich die Oberhand behielt. Trotz fehlender Pace hat der Monegasse im Vergleich zum viermaligen Weltmeister ein starkes Resultat eingefahren und kann sich somit als einer der Gewinner des Wochenendes sehen.
Die Verlierer des GP von Österreich
Ferrari-Sorgenkind Sebastian Vettel
Doch wo Gewinner sind, da gibt es auch Verlierer. Bei keinem anderen Team trifft das mehr zu als bei Ferrari. Während Leclerc letztendlich für einen einigermaßen versöhnlichen Abschluss des ersten Renn-Wochenendes sorgte, trieb Vettel bei sich und den Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn.
Nach dem desolaten Qualifying mit Startplatz elf schaffte Vettel im Rennen nicht mehr den Turnaround - ganz im Gegenteil. Es wurde noch schlimmer. Zur Rennhalbzeit auf Platz acht liegend verursachte der Heppenheimer eine Kollision mit Sainz und entledigte sich so aller Podiums-Hoffnungen. Letztendlich sprang Rang zehn und ein mageres Pünktchen für den viermaligen Weltmeister heraus - zu wenig für seine eigene Ansprüche und für die von Ferrari.
"Es war der Wurm drin. Ich habe das Auto nicht wiedererkannt zu Freitagvormittag. Ich hatte unheimliche Probleme auf der Strecke zu bleiben. Die Pace war extrem langsam. Es war kein einfaches Rennen", nimmt der Ex-Weltmeister gegenüber seinem Noch-Arbeitgeber kein Blatt vor den Mund.
Allerdings darf Vettel das schlechte Ergebnis nicht nur am Auto festmachen (siehe Leclerc), sondern muss seine eigene Performance ebenfalls hinterfragen, die Sky Experte Schumacher kritisiert: "Es war ein katastrophaler Fehler. Er hat einfach zu spät gebremst, die Situation völlig unterschätzt oder etwas übersehen."
Strafensammler Lewis Hamilton
Einen ebenfalls mehr als durchwachsenen Renn-Sonntag erlebte der amtierende Weltmeister. Bereits vor dem Rennen setzte es die erste Hiobsbotschaft für den Briten, der nach einem Vergehen im Qualfying kurz vor Start noch drei Plätze auf Rang fünf zurückversetzt wurde.
Mühsam aber stetig arbeitete sich Hamilton jedoch auf der Strecke nach vorne und belegte zwischenzeitlich wieder seinen ursprünglichen zweiten Platz. Nach einer Safety-Car-Phase und dem anschließenden Re-Start kollidierte Hamilton mit Red-Bull-Pilot Alex Albon und kassierte dafür eine nicht ganz unumstrittene Fünf-Sekunden-Strafe, wodurch er nach Rennende auf Platz vier zurückfiel. Dementsprechend ernüchternd zeigt sich der Brite am Sky Mikrofon.
"Ich habe nichts Besonderes zu sagen. Das Rennen ist vorbei und ich möchte in die Zukunft blicken. Es war kein super Wochenende für mich. Ich habe versucht, mit der Pace von Valtteri mitzugehen. Dann kam die unglückliche Szene mit Alex. Ich glaube nicht, dass es mein Fehler war. Es war eher ein Rennunfall, aber ich nehme jede Strafe an, die die Stewards für angemessen halten."
Pechvogel Red Bull
Keine Strafe, aber ebenfalls weitreichende Konsequenzen hatte die Kollision mit Hamilton für Albon, der sein Auto vier Runden vor Ende abstellen musste. Damit war der 24-Jährige bei Red Bull aber nicht alleine. Denn bereits in der elften Runde war das Rennen für Max Verstappen beendet. Der Grund: ein Defekt an der Hydraulik. Damit legte Red Bull ausgerechnet beim Heimrennen eine Nullrunde hin.
Besonders ärgerlich, weil "wir eigentlich im Rennen eine gute Pace gehabt haben", erklärt Dr. Helmut Marko, Motorsportchef des österreichischen Getränkeherstellers. "Das hilft aber alles nichts, weil wir nicht ins Ziel gekommen sind. Auch an der Anstoß von Hamilton gegen Alex war nicht nützlich. Zwei Ausfälle in aussichtsreicher Position sind schon sehr erschütternd."
Doch es gibt auch etwas Positives für die Verlierer des ersten Rennens. Bereits am kommenden Wochenende steigt der zweite GP in Spielberg (LIVE auf Sky Sport HD), an dem Wiedergutmachung betrieben werden kann. Jetzt gilt es nur noch abzuwarten, wem diese auch gelingt ...