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Formel 1 News: Ralf Schumacher analysiert Unfall von Romain Grosjean

"Halo hat extrem geholfen": Schumacher analysiert Grosjean-Unfall

Sky Sport

02.12.2020 | 09:36 Uhr

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Ein Feuer-Unfall in der ersten Runde des Großen Preises von Bahrain sorgt für eine Unterbrechung. Der Haas von Romain Grosjean crasht in die Begrenzung, das Auto wird in zwei Teile gerissen und geht sofort in Flammen auf. (Videolänge: 1:42 Minuten)

Der Große Preis von Bahrain wurde vom Feuer-Unfall von Haas-Pilot Romain Grosjean überschattet. Auch am Folgetag bleibt der heftige Crash, den der Franzose glücklicherweise fast unbeschadet überstanden hat, Thema. Sky Experte Ralf Schumacher spricht unter anderem über die Maßnahme, die Grosjean womöglich das Leben gerettet hat.

Sky Experte Ralf Schumacher ...

… über seine Gedanken, als er den Unfall gesehen hat: "Es war schon ein Schock. Wir vergessen immer gerne und sagen, 'die Formel 1 ist langweilig und warum verdienen die Fahrer so viel Geld?' Spätestens seit gestern weiß jeder wieder, wie gefährlich Motorsport sein kann. Im letzten Jahr gab es in Spa ja auch schon einen tragischen Unfall in einer anderen Klasse. Es zeigt also immer wieder, dass man manche Dinge einfach nicht kalkulieren kann. Die absolute Sicherheit hat man nie. Das hat man gestern gesehen."

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Romain Grosjean ist bei seinem Crash beim GP in Bahrain mit leichten Verletzung davon gekommen. Sky Experte und Co-Kommentator Ralf Schumacher analysiert den Unfall (Videolänge: 6:48 Min.).

… über den Grund, warum das Auto von Grosjean in Flammen aufgegangen ist: "Es war schon ein sehr schwerer Unfall. Der Motor ist ja weggerissen worden vom Fahrzeug. Der Benzintank sitzt im Monocoque komplett geschützt. Deswegen glaube ich weniger, dass da etwas passiert ist. Das ist ja ähnlich wie in der Flugzeug-Industrie. Es handelt sich dabei um eine weiche Zelle, die extrem haltbar ist. Allerdings hängen auch Schläuche dran. So wie das aussieht und auch die Größe des Feuers - zu diesem Zeitpunkt waren 100 Liter im Tank - glaube ich eher, dass ein Anschluss losgerissen wurde und eine Teilmenge Benzin ausgelaufen und dann in Flammen aufgegangen ist."

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Im Sky Interview spricht Sky Experte Ralf Schumacher über den schweren Unfall von Romain Grosjean und die mögliche Ursache für die Explosion (Video-Dauer: 39 Sekunden).

"Halo-System hält rund zwölf Tonnen"

… über das Halo-System: "Der Halo wurde aus einer ganz tragischen Situation heraus aufgesetzt - vor vielen Jahren ist ein Fahrer tödlich verunglückt, der unter einen Bagger gefahren ist. Das Halo-System hält rund zwölf Tonnen. Dazu wurde das Monocoque im vorderen Bereich verstärkt, damit diese Kraft aufgefangen werden kann. Das gleiche ist dann auch im hinteren Bereich gemacht worden. Es geht einmal um das Thema Reifen oder wenn ein anderes Fahrzeug über einen drüberrutscht. Aber natürlich hilft der Halo auch, wenn man in einen Reifenstapel hineinfährt oder und das ist ja das Horrorszenario aus den 80er Jahren, als man Banden aufgesplittet hat und die Fahrer dann mehr oder weniger enthauptet worden sind oder zumindest schwere Kopfverletzungen davongetragen haben. Das sollte das System verhindern und das hat beim Unfall von Grosjean extrem geholfen. Wie viel, wird dann der Unfallbericht zeigen."

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Sky Experte Ralf Schumacher erklärt das Sicherheitssystem Halo und unterstreicht dessen Wirksamkeit (Video-Dauer: 59 Sekunden).

… über die Sicherheitsentwicklung in der Formel 1: "Wenn wir zurückgehen ins Jahr 1994 zum tragischen Wochenende an dem Senna und Ratzenberger verunglückten: Da saßen die Piloten noch frei, da haben noch die Schultern aus dem Auto herausgeschaut. Und danach hat man das Cockpit hochgezogen, um zu vermeiden, dass bei seitlichen Crashs der Kopf eventuell an die Mauer kommen kann. Dazu ist noch ein spezieller Schaumstoffring konstruiert worden, der bei großen Beschleunigungen - wie wir sie ja auch bei einem Aufprall haben - vor Verletzungen schützt. Dazu gab es noch das HANS-System, die Monocoques an sich sind verstärkt worden, der Seitenaufprallschutz ist verstärkt worden. Also eine Vielzahl an Dingen, die den Teams das Leben schwer machen, weil es bestimmte Crashtests gibt, die einen hohen finanziellen Aufwand bedeuten. Aber gestern hat man in den Augen der Teamchefs gesehen, dass alle dankbar waren, dass man das gemacht hat. Vor zehn oder 15 Jahren hätte das ganz anders ausgesehen."

"Freistehende Reifen sind nicht optimal"

… über Schwachstellen im Sicherheitskonzept: "Es gibt immer Schwachstellen. Im Tourenwagen wäre der gestrige Unfall vielleicht nicht so passiert. Freistehende Räder sind natürlich nicht optimal - ganz klar. Es gab schon viele Beispiele, wo Autos ausgehebelt werden, die Räder fliegen wie bei Grosjean weg. Es ist von Glück zu sprechen, dass dabei niemand der Sicherheitskräfte verletzt wurde. Da flogen einige Teile weit weg. Das darf man auch nie vergessen. Ich war selbst einmal mitverantwortlich, dass ein Streckenposten ums Leben gekommen ist, da dieser nach einem Rennunfall von einem fliegenden Reifen am Kopf getroffen wurde. Das ist sehr tragisch. Da müssen wir wirklich froh sein, dass das gestern nicht passiert ist."

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Sky Experte Ralf Schumacher spricht über die Schwachstellen im F1-Sicherheitskonzept (Video-Dauer: 40 Sekunden).

… über die Beschwerde über den Halo vor dessen Einführung: "Viele Fahrer haben sich am Anfang darüber beschwert. Ich kann mich erinnern, dass wir das beim HANS-System auch hatten, als viele gesagt haben, dass wir so einen Blödsinn nicht brauchen. Es ist aber leider so. Wir sprechen immer noch von jungen, motivierten Menschen, die denken: 'Ok. Das ist jemand anderem passiert. Mir passiert so etwas nicht. Ich will Rennen fahren.' Gestern ist auch Grosjean zur Erkenntnis gelangt, dass es eben nicht so ist. Solche Momente führen aber auch dazu, die FIA und die Fahrer zu vereinen."

… über den Umgang mit so einem Unfall als Fahrer: "Das ist eine verrückte Situation, die man gar nicht erklären kann. Wenn ich heutzutage ein Rennen in Monaco sehe - mit den engen Leitplanken - frage ich mich, warum ich das gemacht habe. Heute wäre das nichts mehr für mich. Das gebe ich zu. Damals war das aber einfach so. Ich hatte meinen Unfall und durfte drei Monate nicht fahren. Ich konnte es kaum erwarten, wieder zu fahren. Ich werde nie vergessen, wie ich dann in Silverstone wieder eingestiegen und nach sechs Runden die schnellste Zeit mit einem Williams überhaupt gefahren bin. Man will einfach wieder fahren, denkt nicht viel drüber nach. Man sagt sich vielleicht, 'ok jetzt habe ich einmal Pech gehabt, aber das wird es dann ja gewesen sein.'"

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