Formel 1: WM-Kampf zwischen Hamilton und Verstappen wird emotionaler
Bummel-Taktik, Buhrufe & viele Emotionen! WM wird zum Psycho-Kampf
01.08.2021 | 19:59 Uhr
Schon die gesamte Saison geht es eng und spannend zwischen Max Verstappen (Red Bull) und Lewis Hamilton (Mercedes) zu. Im Rahmen des Qualifyings in Budapest zeigt sich aber, dass der WM-Kampf eine neue Dimension angenommen hat. Er wird immer mehr zum Psychospiel und die Protagonisten zeigen sich dabei immer dünnhäutiger.
Ungarn, Budapest, Q3 im Qualifying auf dem Hungaroring: Hamilton liegt vor Valtteri Bottas, Verstappen und dessen Teamkollegen Sergio Perez. Alle vier Top-Fahrer holen sich in der Box nochmals neue, frische Reifen ab, um im entscheidenden Kampf um die Startpositionen beim letzten Versuch alles rauszuholen.
Bottas, Hamilton, Verstappen und Perez: So lautet die Reihenfolgen für den finalen Schuss in der Qualifikation. Doch dieser mutiert besonders für die Red-Bull-Piloten zur Farce. Wie üblich versuchen alle Fahrer auf der Outlap die Reifen auf Betriebstemperatur zu bringen. Ein Vorgang, der nicht unbedingt zu schnellem Fahren verleitet. Doch am Ende wird so langsam gefahren, dass Perez nicht mehr rechtzeitig über die Ziellinie kommt und so keine Chance mehr hat, seine schnellste Rundenzeit zu verbessern.
Dies gelingt Verstappen zwar, am Ende bleibt der Niederländer aber dennoch hinter den beiden Mercedes-Piloten, die sich über die erste Startreihe freuen dürfen. Doch hinter den Kulissen brodelte es zu diesem Zeitpunkt bereits heftig - besonders auf Red-Bull-Seite.
Horner & Marko kritisieren Hamilton-Vorgehen
Teamchef Christian Horner warf den Mercedes-Piloten eine Bummel-Taktik vor. "Lewis hatte schon eine herausragende Runde auf der Uhr. Dann hält er einfach alles auf und will unseren Autos keine saubere Runde gönnen." Der Weltmeister habe "Spielchen gespielt", schob Horner hinterher und konnte die Vorgehensweise Hamiltons nicht verstehen.
Red-Bull-Motorsportkonsulent Dr. Helmut Marko schlägt am Sky Mikrofon in die gleiche Kerbe. "Die beiden Mercedes haben derartig verlangsamt, dass Perez überhaupt nicht mehr über die Ziellinie gekommen ist und Max sein Aufwärmtempo nicht fahren konnte. Für mich ist das sportlich nicht richtig, aber auch das müssen wir zur Kenntnis nehmen."
Hamilton reagiert dünnhäutig auf Grosjean-Tweet
Auch Ex-Formel-1-Pilot Romain Grosjean beschäftigte sich nach dem Qualifying mit dem Thema. "Sollte das mit Absicht gemacht worden sein, dann war das nicht schön", twitterte der IndyCar-Pilot.
Hamilton - auf der anschließenden Pressekonferenz darauf angesprochen - reagierte dünnhäutig und bezeichnete den Tweet als "dämlich". "Ich habe keine taktischen Spielchen gespielt. Ich muss keine Spielchen spielen. Ich weiß, was ich tue im Auto. Ich bin schnell genug. Ich brauche keine Taktikspielchen. Wer solche Kommentare abgibt, hat wirklich keine Ahnung von dem, was wir hier machen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sie nicht hier fahren."
Objektiv betrachtet hat Hamilton Recht, denn wie Sky Daten-Experte Leo Lackner in einer Grafik (siehe unten) zeigt, war die angesprochene Outlap von Hamilton deutlich schneller als seine vorherigen: 2:10.249 Minuten im Vergleich zu 2:14.531 und 2:17.077.
Buhrufe pushen Hamilton
Dennoch kassierte Hamilton nicht nur Kritik von Seiten Red Bulls und Grosjeans. Auch die Zuschauer am Hungaroring waren nach dem Qualifying der Auffassung, Hamilton hätte Verstappen behindert und diesem die Möglichkeit auf eine bessere Platzierung verbaut. Mit lauten Buhrufen quittierten die überwiegend niederländischen Fans den Auftritt des Weltmeisters, der sich beim anschließenden obligatorischen Interview auf dieses Scharmützel einließ.
"Ganz ehrlich: Ich habe mich noch nie so gut gefühlt, wenn ich ausgebuht werde. Das hat mich eigentlich eher gepusht." Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wollte die Reaktion der Fans im Anschluss auch nicht überbewerten: "Das ist halt ein Wettkampf zwischen den beiden und da geht es um die Weltmeisterschaft. Natürlich werden die Holländer - und die Tribüne ist vor allem mit Holländern besetzt - für ihren Fahrer jubeln. Genauso war es in Großbritannien für Lewis."
Verstappen platzt der Kragen
Doch nicht nur die angebliche Bummel-Taktik und die Buhrufe beschäftigten das Paddock und die Formel-1-Welt nach dem Qualifying. Auch der Crash zwischen den beiden WM-Anwärtern in Silverstone ist nach wie vor Thema. Darauf angesprochen, reagierte - nach Hamiltons dünnhäutiger Antwort auf Grosjean - nun auch Verstappen sehr emotional.
"Wir hatten so viele verdammte Fragen dazu. Es ist einfach lächerlich. Ehrlich. Den ganzen Donnerstag lang haben wir diesen dummen Scheiß beantwortet. Können wir also bitte einfach damit aufhören? Wir sind Racer. Wir fahren natürlich hart, aber fair. Wir pushen uns gegenseitig."
Es zeigt sich also: Im WM-Kampf wird es nicht nur auf der Strecke - Beispiel Silverstone - sondern auch abseits des Asphalts immer ruppiger und emotionaler. Die Nerven bei allen Beteiligten scheinen von Rennen zu Rennen immer blanker zu liegen und es ist wohl nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es im Rennen wieder zu einer brisanten Situation zwischen den Protagonisten kommen wird.
Vielleicht sogar schon am Sonntag (ab 13:30 Uhr LIVE und EXKLUSIV auf Sky Sport F1), wenn Hamilton und Verstappen direkt hintereinander starten ...
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