FC Barcelona: Ilkay Gündogan wechselt von Manchester City nach Barcelona
Gündogan bei Barca: Liebe auf den zweiten Blick
26.06.2023 | 18:58 Uhr
Es deutete sich in den vergangenen Wochen und Monaten an, nun ist es perfekt. Ilkay Gündogan verlässt Triple-Sieger Manchester City und wechselt zum FC Barcelona - also zu dem Klub, wo er vom Spielstil perfekt hinpasst und schon 2016 fast gelandet wäre.
Er war der erste Transfer überhaupt von Pep Guardiola bei Manchester City. Als Gündogan 2016 von Borussia Dortmund nach Manchester wechselte, war er aber noch nicht jedem Fußballfan auf der Insel ein Begriff. Zwar holte er mit dem BVB zwei Deutsche Meisterschaften, einmal sogar das Double und stand 2013 auch im Champions-League-Finale in London, aber ein großer Name war Gündogan auf dem internationalen Parkett noch nicht. Sieben Jahre später geht der deutsche Nationalspieler als absolute City-Legende und niemanden sollte es überraschen, wenn der 32-Jährige bald auch eine Statue am Etihad erhalten würde.
13 Titel in Manchester
Schließlich führte Gündogan die Cityzens als Kapitän gerade erst zum ersten Triumph in der Königsklasse, schoss den Scheichklub wenige Wochen zuvor mit einem Doppelpack zum FA-Cup-Sieg gegen Stadtrivale United und sicherte den Sky Blues in der Vorsaison mit zwei Treffern als Joker am letzten Spieltag die Meisterschaft in der Premier League.
Insgesamt wurde er fünf Mal englischer Meister, zwei Mal Pokalsieger, vier Mal Ligapokalsieger, gewann zwei Mal den Community Shield und eben ein Mal die Champions League. 13 Titel in sieben Jahren, dazu unzählige unvergessliche Momente - den ersten Guardiola-Transfer werden die City-Fans noch lange positiv in Erinnerung behalten, auch wenn er sich nun gegen eine Verlängerung entschieden hat und ablösefrei nach Barcelona geht.
Dort wäre er bereits vor sieben Jahren fast gelandet, wie Gündogan 2018 in einem Interview mit Sport Arena Plus erklärte: "Ich stand sehr kurz davor bei Barcelona zu unterschreiben, aber am Ende hat es nicht geklappt", so der zentrale Mittelfeldspieler damals. Nun hat es doch noch funktioniert und es das sollte keinen wundern, denn Gündogans Spielstil passt perfekt zu den Katalanen und der Idee von Trainer Xavi.
Xavi großer Fan von Gündogan
Dieser gilt schon länger als großer Fan des Deutschen und war laut The Athletic für Gündogan sogar extra bei Präsident Joan Laporta vorstellig. Dieser hatte nämlich verkündet, dass die Katalanen nur auf der Suche "nach einem Rechtsverteidiger, einem zentralen Mann für die Defensive und möglicherweise einem Stürmer" seien. Doch Xavi wollte unbedingt noch einen weiteren Kreativkopf im Mittelfeld, um Youngster Pedri zu entlasten.
Der 20-Jährige absolvierte in den vergangenen zwei Jahren 85 Prozent der Minuten in den 52 Partien, in denen er zum Einsatz kam. Verschnaufpausen gab es im Grunde keine und dies führte dazu, dass das Mega-Talent 40 Partien verletzungsbedingt verpasste. Ohne den Spielmacher tat sich die Blaugrana äußerst schwer Torchancen zu kreieren und war oft auf Einzelaktionen von Robert Lewandowski, Ousmane Dembele oder Raphinha angewiesen.
Dies dürfte sich mit dem ehemaligen Dortmunder definitiv verbessern. Gündogan ist nicht nur kreativ, sondern kann ein Spiel auch hervorragend lesen und weiß - ähnlich wie Pedri - genau wann er in den gegnerischen Strafraum vorstoßen muss, um für Torgefahr zu sorgen. Gündogan ist in Barcelona aber keinesfalls als Backup zu Pedri eingeplant, sondern soll eine exponierte Rolle im System des zweifachen Triplesiegers einnehmen. Zumindest soll Xavi dem Strategen dies in persönlichen Gesprächen so erklärt haben.
Mittelfeld mit Gavi und Pedri?
Tatsächlich bietet Gündogan dem Coach zusätzliche Variationsmöglichkeiten: So könnte Gündogan vereinzelt den defensiven Part der abgewanderten Klubikone Sergio Busquets einnehmen und ein kreatives Dreier-Mittelfeld mit Pedri und dem anderen Supertalent Barcas, Gavi, bilden. Falls Pedri in die offensive Dreierreihe vorrückt, würde Gündogan eine ähnliche Rolle wie bei City einnehmen und wäre der Kreativkopf in der Zentrale vor Gavi und Frenkie de Jong.
Mit seinen 32 Jahren kann Gündogan auch als herausragender Mentor für Gavi, Pedri oder weitere Toptalente in Barcelonas Kader fungieren. Die Integration sollte dem gebürtigen Gelsenkirchener jedenfalls leicht fallen, denn er trifft auf einige bekannte Gesichter. Marc-Andre ter Stegen kennt er aus der Nationalmannschaft, mit Lewandowski spielte er in Dortmund zusammen und Innenverteidiger Eric Garcia und Flügelflitzer Ferran Torres kamen einst ebenfalls von City nach Katalonien.
Liebe auf den zweiten Blick
Den gleichen Weg tritt nun auch Gündogan an und freut sich auf seine neue Aufgabe. "Seit ich ein Kind war, habe ich davon geträumt, eines Tages dieses Trikot tragen zu dürfen", schrieb Gündogan in einem Beitrag für die Players' Tribune. Er wolle "helfen, Barca dahin zurückzubringen, wo sie hingehören".
Kein Wunder, denn mit 32 Jahren kann der DFB-Kicker noch eine weitere europäische Topliga erforschen, hat Planungssicherheit bei einer Vertragslaufzeit von drei Jahren, kann in einer tollen Stadt mit hervorragendem Wetter leben und trotzdem um die großen Titel mitspielen.
Es ist sozusagen Liebe auf den zweiten Blick, nachdem eine Liaison im ersten Anlauf 2016 nicht klappte. Für Barcelona, aber auch für Gündogan selbst. Und anders als er einst als erster Guardiola-Transfer überhaupt in Manchester vorgestellt wurde, ist Gündogan mittlerweile jedem Fußballfan ein Begriff. Ob es sportlich ähnlich erfolgreich läuft wie in Manchester, wird aber erst die Zeit zeigen...