Oliver Bierhoff über das deutsche WM-Aus, Nagelsmann und Klopp
Der 58-Jährige fungierte von 2004 bis 2022 als Manager und Geschäftsführer beim DFB.
01.07.2026 | 22:44 Uhr
Bierhoff hat im Sky Sport Interview deutlich Worte zum frühen deutschen WM-K.o. und geht auch in die Analyse.
Oliver Bierhoff exklusiv bei Sky Sport über …
… das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft: "Ich glaube, wie alle Fans - eigentlich ein bisschen fassungslos. Auch während des Spiels war ich immer überzeugt davon, dass wir das am Ende über die Bühne bringen. Natürlich gehört es bei einem Turnier auch mal dazu, ein Spiel dreckig zu gewinnen und weiterzukommen. Dass es dann so ausgeht - noch dazu im Elfmeterschießen -,ist natürlich schmerzhaft. Ich habe das selbst erleben müssen und kann nachvollziehen, wie sich die Spieler, aber auch die Verantwortlichen jetzt fühlen. Aber ähnlich, wie ich damals gesagt habe, dass eine deutsche Mannschaft nicht in der Vorrunde ausscheiden darf, darf man eigentlich auch gegen Paraguay nicht ausscheiden."
… die Bewertung der deutschen Spiele bei der WM: "Man kann sie gar nicht so richtig bewerten, weil die Gruppe in gewissem Sinne vielleicht zu einfach war. Natürlich darf man keinen Gegner unterschätzen, aber keiner dieser Gegner ist weit gekommen. Das erste Spiel gegen Curacao hat man sehr gut und souverän gespielt. Da dachte man natürlich, dass man Aufwind bekommt. Auch nach dem Sieg gegen die Elfenbeinküste hatte man dieses Gefühl. Aber im dritten und vierten Spiel konnte man davon nichts mehr spüren. Das ist etwas, das nachdenklich macht."
… strukturelle Probleme: "Ja, sicher. Ich habe schon beim Bundestag 2017 auf gewisse Probleme hingewiesen, dass wir weniger Ausnahmespieler haben. Wir haben natürlich eine gute Qualität, aber im Vergleich zu anderen Nationen haben wir in der Breite nicht die absolute Topqualität, wie sie Frankreich, Spanien oder teilweise auch Argentinien besitzen. Ich glaube auch, dass wir an Mentalität und Persönlichkeit arbeiten müssen. Es ist keine Frage der technischen Möglichkeiten unserer Spieler, sondern vielmehr die Frage, in entscheidenden Momenten da zu sein, effizient zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Man muss auch selbst Lösungen finden. Unsere Ausbildung hat dazu geführt, dass wir viele gut, aber sehr ähnlich ausgebildete Spieler haben, die teilweise Probleme haben, situativ eigene Lösungen zu entwickeln."
Bierhoff sieht bei DFB-Ausbildung Änderungsbedarf
… die Ausbildung beim DFB generell: "Entscheidend ist natürlich die Frage: Welche Inhalte vermittelt man? Oft übertreibt man und schlägt von einem Extrem ins andere um. Nach dem 'Rumpelfußball' im Jahr 2000 haben wir zu stark nur noch auf Spaß und Freude und Technik gesetzt und haben zum Beispiel keine klassischen Stürmer mehr. Ich glaube, da sind wir uns alle einig, auch ehemalige Spieler, wir müssen auch wieder die Basis-Dinge richtig lernen, richtig verteidigen, richtig schießen, richtig köpfen. Man sieht da einige Mängel - nicht nur bei der deutschen Mannschaft generell. System- und Raumaufteilung ist das eine und ich glaube, da müssen wir auch wieder die ein oder anderen Schwerpunkte setzen."
… einen möglichen Cut und mit einem neuen Bundestrainer in die Zukunft zu gehen: "Ich finde es gut, dass man jetzt keine Kurzschlusshandlung macht. Es ist ja kein zeitlicher Druck da. Man muss es gut analysieren. Man muss nicht nur dieses Turnier sehen, sondern die letzten vier Jahre eine Bewertung machen, ob sich da eine Mannschaft entwickelt hat, ob man ein gutes Gefühl hat. Und am Ende müssen die Entscheidungsträger für sich entscheiden, ob sie eben an Julian Nagelsmann weiter glauben, dass er die Mannschaft da rausführen kann. Da muss man wie immer auch ehrlich und knallhart miteinander umgehen und dann, wenn man eine Entscheidung getroffen hat, die auch mit voller Überzeugung treffen."
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Bierhoff würde bei Nagelsmann-Aus auf Klopp setzen
… die Unruhe (z.B. Neuer oder Baumann, Debatten über Nominierungen) im Vorfeld des Turniers: "Das ist immer schwierig. Für mich sind das eher Nebensächlichkeiten. Am Ende musst du dein Herz, deine Leidenschaft auf den Platz bringen und dort die Qualität anbringen. Das, was mir bei der Nationalmannschaft wichtig ist, dass man sich einspielt, dass man simple, einfache Dinge macht und da hatte man nicht das Gefühl, dass man in das Turnier geht mit einem festen Konstrukt, mit einer festen Mannschaft, mit ein paar Unsicherheiten noch. Und das habe ich auch aus eigener Erfahrung gesehen, dass es nicht dienlich ist."
… Jürgen Klopp als möglichen neuen Bundestrainer: "Ich glaube, da braucht man keinen Fachmann zu sein, dass man sagt, Jürgen Klopp ist als Bundestrainer, sollte er gewechselt werden, natürlich der Wunschtrainer. Er ist eine große Persönlichkeit, riesige Erfolge gefeiert, jemand, der sicherlich auch ein System, ein ganzes Land mitreißen kann. Auch er wird natürlich sehen, welche Qualitäten da sind oder wer da ist, aber natürlich mit seiner Art, ihm Menschen und Spieler mitzureißen, steht das natürlich außer Frage. Also sollte Julian Nagelsmann aufhören, sollte Jürgen Klopp das erste Ziel sein, ihn für den DFB zu gewinnen."
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