Pedrosa, Eichhorn & Co.: Sieht so die Klopp-Zukunft aus?
Das erneute frühe WM-Aus hat die Diskussion um die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft neu entfacht.
08.07.2026 | 22:20 Uhr
Nach dem blamablen Scheitern gegen Paraguay steht der DFB mit dem designierten neuen Bundestrainer Jürgen Klopp vor einem großen personellen und strukturellen Umbruch.
Von Patrick Berger, Florian Plettenberg, Kerry Hau & Fabian Schreiner
Das erneute Scheitern bei einer Weltmeisterschaft hat die Schwächen der DFB-Auswahl schonungslos offengelegt und die Frage aufgeworfen, wie das Team in den kommenden Jahren aussehen soll. Beim DFB werden nun die Weichen für die Zukunft gestellt.
Klopp wird, wenn nichts außergewöhnliches passiert, Bundestrainer. Diesbezüglich kommt es in dieser Woche zum Showdown in New York. Wie Sky Sport exklusiv erfahren hat, ist geplant, dass DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke am Donnerstag ankommen. Ein Treffen mit Klopp und Berater Marc Kosicke wird für Freitag oder Samstag angesetzt.
Dabei werden Punkte wie Vertragslaufzeit, Gehalt, Sponsorenverträge, aber auch strukturelle Fragen für die Zukunft besprochen. Außerdem wird geklärt, wie viel Macht Klopp erhält und welche Co-Trainer er mitbringt. Der DFB verfolgt das Ziel, zuerst mit dem ehemaligen Erfolgstrainer von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool eine Einigung zu erzielen. Danach soll der Red-Bull-Exit besprochen werden.
Klopp will sich ein klares Bild vom DFB machen
Klopp selbst will sich dabei ebenfalls ein klares Bild von der Gesamtsituation beim DFB machen und erklärte bei MagentaTV erstmals seine Überlegungen.
Sportlich steht die Generation um Kapitän Joshua Kimmich im Fokus. Nach mehreren enttäuschenden Turnieren könnte es unter Klopp personelle Konsequenzen geben. Offen ist die DFB-Zukunft dabei unter anderem von Leroy Sane, Antonio Rüdiger, Leon Goretzka, Oliver Baumann und Pascal Groß. Kimmich selbst schloss einen Rücktritt bereits aus.
Spannend: Der DFB zweifelt nicht an den Qualitäten des Kapitäns. Weiterhin fest eingeplant sind nach Sky Sport Informationen auch Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz, die trotz des peinlichen Ausscheidens und der teils schwachen Leistungen bei der WM weiterhin als Hoffnungsträger und zentrale Figuren in den kommenden Jahren gesetzt sind. An ihnen wird nicht gezweifelt. Auch Nick Woltemade und Deniz Undav sollen künftig eine gewichtige Rolle spielen.
Baumann hat keine Zukunft mehr
Manuel Neuers Nationalmannschafts-Karriere hat nach dem Paraguay-Spiel ein erneutes Ende genommen. Baumann, der vor der WM von Julian Nagelsmann noch zur Nummer zwei degradiert worden war, hat aufgrund seines hohen Alters von 35 Jahren wohl keine Zukunft mehr im DFB-Tor.
Zwischen den Pfosten wird langfristig Jonas Urbig als möglicher Neuer-Nachfolger gehandelt. Alternativen zum Münchner sind Dennis Seimen (VfB Stuttgart), Noah Atubolu, Mio Backhaus (beide SC Freiburg), Florian Hellstern (Greuther Fürth, Leihe) und Max Weiß (Burnley).
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Auch in der Defensive gibt es Kandidaten für den Neuaufbau. Nathaniel Brown konnte bei der WM positive Akzente setzen, während Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah, Malick Thiaw und Waldemar Anton zum Kern der künftigen Abwehr gehören dürften. Von den Qualitäten eines Karim Coulibaly (Werder Bremen, Innenverteidiger) und Finn Jeltsch (Stuttgart, Innenverteidiger) sind sie beim Verband ebenso überzeugt.
Spannende Personalien für rechts hinten
Schon seit Jahren ein Problem-Fall bei der deutschen Nationalmannschaft ist jedoch die Position des Rechtsverteidigers. Das bleibt wohl auch erstmal so. Doch es gibt interessante Spieler, die eine Chance bekommen könnten.
Da wären beispielsweise Rafael Pinto Pedrosa oder Taylan Bulut (Besiktas). Pedrosa ist beim Karlsruher SC eine feste Stütze. Beim DFB trauen sie dem 18-Jährigen viel zu. Auch Philipp Treu ist eine Option. Der Freiburger macht seine Sache beim Europa-League-Finalisten richtig gut und ist zudem flexibel einsetzbar.
Im Mittelfeld gelten neben Kimmich, der unter Klopp wieder ins Zentrum rutschen könnte, Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha als mögliche Führungsspieler der kommenden Jahre. Auch wenn das Duo während der WM stark abgebaut hat, soll ihnen die Zukunft gehören.
Außerdem nehmen Stuttgarts Angelo Stiller und Bayern-Profi Tom Bischof künftig möglicherweise eine größere Rolle im DFB-Team ein. Auch von Mirza Catovic (Stuttgart, defensives Mittelfeld) und Cayetan Lenz (TSG Hoffenheim, defensives Mittelfeld) hält der DFB viel.
Karl wird viel zugetraut
Auf den Außenbahnen setzt sich die Verjüngung fort. Dem erst 18 Jahre alte Lennart Karl wird viel zugetraut. Darüber hinaus sind mit Said El Mala, Jamie Leweling, Kevin Schade und Assan Ouedraogo Spieler in den eigenen Reihen, die dem deutschen Spiel in der Zukunft mehr Dynamik und Unberechenbarkeit verleihen könnten.
Mehr in den Fokus rücken zudem vermutlich die hochtalentierten Kennet Eichhorn und Brajan Gruda. Klopp holte Gruda einst zu RB Leipzig, stand auch jetzt hinter dem Transfer und wollte auch Eichhorn für die Sachsen gewinnen. Der 16-Jährige unterschrieb aber erst zuletzt einen Vertrag bei Bayer Leverkusen.
Und wie sieht es im Sturm aus? Neben Havertz, Woltemade und Undav haben Nicolo Tresoldi (FC Brügge), Nelson Weiper (FSV Mainz 05) sowie Dzenan Pejcinovic (VfL Wolfsburg) Perspektive.
Klar ist schon: Klopp wird viel Macht erhalten, um wesentliche Dinge zu verändern und zu strukturieren. Grundlegende Probleme sollen dann unter ihm angegangen werden - auch der allgemeine Spielstil ist für alle beim DFB ein internes Thema.
Klopp ist Wolf-Fan
Hannes Wolf ist aktuell Direktor Nachwuchs beim Verband. Klopp ist Wolf-Fan, holte ihn einst 2009 zum BVB. Beide pflegen ein gutes Verhältnis. Nun arbeiten beide bald wieder zusammen.
Die von Wolf angestoßene Reformen sollen weiter vorangetrieben werden. Es wird diskutiert, dass es ein ganzheitliches Spielsystem geben soll, dass von allen U-Mannschaften bis zur A-Nationalmannschaft gespielt wird. Ein 4-4-2-System oder aber ein 4-3-3 ist möglich. All das soll in Bälde auch mit Klopp im Detail besprochen werden.
Die Spielphilosophie soll Freude, Intensität und viele Wiederholungen beinhalten. Dabei geht es inhaltlich um mehr Nettospielzeit, mehr Spielformen, mehr Ballkontakte, weniger Pausen während den Einheiten sowie weniger taktische Vorgaben.
Der DFB steht vor einer entscheidenden Phase. Zwischen dringend benötigter Erneuerung und dem Anspruch auf internationale Wettbewerbsfähigkeit soll eine neue Generation heranwachsen, die Deutschland zurück in die Weltspitze führt.
Deutschland hat zahlreiche vielversprechende Talente
Das Land verfügt über zahlreiche vielversprechende Talente. Die Erfolge der vergangenen Jahre machen durchaus auch Hoffnung. 2023 wurde die U17 - angeführt von Ouedraogo, Noah Darvich (Elversberg) und Paris Brunner (Monaco) - erst Europa- und später sogar noch Weltmeister.
Die U19 erreichte bei der EM - genau wie schon im vergangenen Jahr - das Halbfinale und die U21 musste sich 2025 mit Spielern wie Atubolu, Brown, Gruda, Woltemade, Weiper oder auch Tresoldi erst den Engländern im Finale geschlagen geben.
Im September stehen die ersten Spiele unter Klopp in der Nations League auf dem Programm. Und 2028 wird auch schon die Europameisterschaft ausgetragen. Man darf gespannt sein, wie sich die einst so große Fußball-Nation dann mit dem neuen Bundestrainer an der Seitenlinie präsentieren wird.
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