Olympia in München: Bewerbung steht, Milliardenprojekt bleibt große Herausforderung
München geht als deutscher Bewerber für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 ins Rennen. Das Konzept für Olympia 20XX ist weit fortgeschritten, bringt aber milliardenschwere Herausforderungen bei Kosten, Infrastruktur und Wohnungsbau mit sich.
28.09.2026 | 11:05 Uhr
Olympia in München soll auf kurzen Wegen und bestehenden Sportstätten basieren. Entscheidend werden Finanzierung, Verkehrsausbau und das geplante Olympische Dorf.
München geht als deutscher Bewerber in das Rennen um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044. Das vorläufige Konzept für "Olympia 20XX" wirkt bereits sehr weit fortgeschritten, stellt die Stadt aber auch vor große Herausforderungen und Probleme. - Der Planungsstand:
KOSTEN
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) rechnet mit einem Gesamtbudget von zehn Milliarden Euro, fünf Milliarden entfielen dabei auf das Eventbudget, das durch den Ticketverkauf, Sponsoren und IOC-Zuschüsse gedeckt werden solle, weitere fünf Milliarden Euro auf die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen.
Zu den ohnehin veranschlagten Kosten für begonnene Projekte (zweite Stammstrecke S-Bahn/Hauptbahnhof) kämen aber weitere Milliarden für deren Beschleunigung hinzu (die dann auf das Olympia-Budget entfielen). Kein Problem? Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat bereits eine "Olympia-Garantie" abgegeben, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betont: "Wenn es am Ende am Geld scheitern sollte bei der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, das wäre peinlich."
Am Rande bemerkt: Der Schuldenstand von München wird bis Ende 2026 auf voraussichtlich zehn Milliarden Euro steigen, bis zum Ende des Jahrzehnts wird ein Anstieg auf 14 Milliarden prognostiziert.
WETTKAMPFSTÄTTEN
Weniger als 16 Kilometer vom geplanten Olympischen Dorf entfernt liegen 76 Prozent der vorgesehenen Wettkampfstätten - und damit im Stadtgebiet oder im angrenzenden Landkreis. Innerhalb eines Radius von 30 km liegen 90 Prozent der Austragungsorte.
Zentral bleibt der Olympiapark, wo derzeit das Olympiastadion renoviert wird (u.a. Dachsanierung bis 2029). Auf dem benachbarten Sport-Campus der TU München sowie im weitgehend ungenutzten "Olympiapark Süd" sollen temporäre Anlagen errichtet werden (u.a. für Bahnrad, 3x3 Basketball, Skateboard, BMX Racing/Freestyle).
Die Theresienwiese, wo zeitgleich mit Olympia die Aufbauarbeiten für das Oktoberfest liefen, ist für ein Beachvolleyball-Stadion vorgesehen, die Hallen der Messe München für Sportarten wie Boxen, Gewichtheben oder Judo. Schwimmen soll in einer privat finanzierten neuen Arena (geplante Fertigstellung 2029) am Flughafen stattfinden, Dressurreiten wie 1972 im Park der Nymphenburger Schlosses. Bereits seit den Spielen 1972 existierende Wettkampfstätten wie die Regattastrecke oder das Reitstadion müssen saniert werden.
Als Wettkampfstätten außerhalb des erweiterten Stadtgebiets sind vorgesehen: Bad Wiessee/Tegernsee (Mountainbike/60 km vom Olympiapark entfernt), Starnberger See (Freiwasserschwimmen/40 km), Augsburg (65 km), Nürnberg (160 km), Regensburg (125 km) und Stuttgart (Fußball/215 km - in einer zweiten Variante auch Freiburg, Hoffenheim und Karlsruhe), Augsburg (Wildwasser/65 km) und Kiel (Segeln).
OLYMPISCHES DORF
Seit Jahren gibt es Pläne für die Erschließung eines neuen Quartiers im Münchner Nordosten. Dort soll Wohnraum für bis zu 30.000 Menschen geschaffen werden. Das Gebiet ist etwa 600 Hektar groß, der Großteil wird landwirtschaftlich genutzt. Die Grundstücksfrage ist aufgrund vieler verschiedener Grundeigentümer zum Teil ungeklärt. Auch ist das Gebiet für den Verkehr nur ungenügend erschlossen. Vom Planungsreferat der Stadt heißt es: "Die Realisierung bis zum Jahr 2036 ist möglich, stellt aber extreme Anforderungen an die Geschwindigkeit der Entwicklung."
INFRASTRUKTUR
Der Mittlere Ring als Hauptverkehrsstrecke ist bisweilen eine "Standspur" und muss in Teilen saniert werden. Der öffentliche Nahverkehr ist gut ausgebaut, aber "verletzungsanfällig". Die dringend benötigte zweite S-Bahn-Stammstrecke soll nun 2035 fertiggestellt werden, die davon betroffenen Arbeiten am Hauptbahnhof nach derzeitigem Stand erst 2038 abgeschlossen sein. Die dafür zunächst veranschlagten Kosten von 3,5 Milliarden Euro werden sich nach verschiedenen Schätzungen auf sieben bis elf Milliarden Euro erhöhen.
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