Skispringer Philipp Raimund gewinnt Olympia-Gold im Wettkampf von der Normalschanze
Die Gold-Sensation ist perfekt!
09.02.2026 | 23:22 Uhr
Skispringer Philipp Raimund hat das Wunder von Predazzo geschafft und sensationell Olympia-Gold im Wettkampf auf der Normalschanze geholt.
Mit einem letzten mächtigen Satz sprang Philipp Raimund auf das Siegerpodest und schmetterte dann aus voller Kehle die deutsche Nationalhymne in den Nachthimmel über Predazzo. Den wilden Ritt durch die wunderbarsten Emotionen seines Sportlebens genoss der frischgebackene Skisprung-Olympiasieger mit glühenden Wangen und feuchten Augen. "Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe. Aber ich bin unglaublich stolz darauf", sagte Raimund - und biss herzhaft in seine Goldmedaille.
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Im wahnwitzigen Normalschanzen-Thriller von Val die Fiemme vollbrachte der 25 Jahre alte Oberstdorfer ein Winterwunder: Noch nie hat Raimund im Weltcup gewonnen, und nun war der erste Sieg gleich der größtmögliche. "Ach du Scheiße, Alter!", schrie der "Gold-Hille", der "Rai uno" nicht ganz druckreif in typisch forscher Art nach seinem Flug zu den Sternen durch das Stadio Dal Ben. Und selbst der sonst so coole Chefcoach Stefan Horngacher drehte hoch oben auf dem Trainerturm schier frei.
"Der Hille war heute so fokussiert wie noch nie, es war ein unglaublicher Abend" sagte Horngacher und kündigte im Überschwang an: "A Bierle werden wir schon trinken." Eines - freilich - nur: Denn am Dienstagabend will Raimund mit dem deutschen Mixed-Team ja wieder um Gold kämpfen.
"Das ist einfach wunderschön"
Daran jedoch wollte Raimund aber an diesem besten Abend seines noch jungen Sportlerlebens überhaupt nicht denken. "Ich bin Olympiasieger, das ist einfach wunderschön", sagte er andächtig, als könne er es selbst noch nicht ganz erfassen. Doch die Teamkollegen, allen voran Andreas Wellinger, der fast auf den Tag genau acht Jahre zuvor in der Eisnacht von Pyeongchang Gold geholt hatte, halfen ihm da schon auf die Sprünge.
"Ich wünsche ihm heute viel Spaß, diese Emotionen aufzusaugen", sagte der einschlägig erfahrene "Welle" dem "Hille", der nun völlig unerwartet der fünfte deutsche Skisprung-Olympiasieger im Männer-Einzel ist - nach den DDR-Springern Helmut Recknagel (1960), Hans-Georg Aschenbach (1976) und Jens Weißflog (1984/1994) sowie Wellinger (2018).
Um dies am Fuße des mächtigen Monte Agnello, dem Lammberg über Predazzo, zu werden, musste Raimund den Wettkampf seines Lebens abliefern. Mit gewaltiger Nervenstärke und blitzsauberen Flügen auf 102,0 sowie 106,5 m setzte er sich in einem höchst schwierigen Wettkampf vor dem Polen Kacper Tomasiak sowie den beiden drittplatzierten Ren Nikaido (Japan) und Gregor Deschwanden (Schweiz) durch, die mächtig vorgelegt hatten. Wer auf dieses Podium gewettet hätte, wäre jetzt reich - die großen Favoriten um den Slowenen Domen Prevc (6.) lagen deutlich zurück.
Ein Abend für die Ewigkeit
Vor knapp 5000 Zuschauern in der - im Vergleich zu den riesigen Weltcup-Stadien wie in Raimunds Heimat Oberstdorf - winzigen Olympia-Arena lag Raimund bereits nach dem ersten Durchgang in Führung, allerdings nur einen halben Meter vor dem französischen Überraschungszweiten Valentin Foubert. Doch kalt wie eine Hundeschnauze brachte "Hille", wie ihn seine Schwester in Unfähigkeit der Aussprache des Namens Philipp einst nannte, den wichtigsten Sprung seines Lebens hinab ins Tal. Der Rest war Jubel.
Dass die weiteren Deutschen unter ihren Möglichkeiten blieben, war nur eine Fußnote: Felix Hoffmann, der ebenfalls als Medaillenkandidat gestartet war, belegte Platz 13. Wellinger kam auf den 17., Routinier Pius Paschke auf den 23. Rang.
Raimund, der seine sagenhafte Entwicklung vom flippigen Sprücheklopfer zum fokussierten Musterathleten vollendete, überstrahlte alle. Vor dem Olympia-Winter hatte der gebürtige Göppinger den Sommer-Grand-Prix gewonnen und seine neue Klasse angedeutet. Im Weltcup sprang Raimund danach zwar fünfmal auf das Podest, der große Durchbruch blieb aber aus - bis zu diesem Abend für die Ewigkeit.
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