Tour de France: Froome vor Toursieg - Barguil gewinnt zweite Alpen-Etappe
Finaler Showdown in den Bergen
21.07.2017 | 11:03 Uhr
Christopher Froome steht kurz vor dem vierten Triumph bei der legendären Frankreichrundfahrt. Beim letzten großen Härtest in den Alpen hält er die Konkurrenz in Schach. Den Tagessieg auf der 18. Etappe sichert sich Top-Kletterer Warren Barguil.
Aus dem Tour-Dominator bricht nach der Etappe die ganze Freude heraus: In der Manier eines ganz großen Champions und dank einer taktischen Glanzleistung seiner Sky-Armada hat der Brite auf der letzten Bergetappe alle Angriffe abgewehrt und steht vor seinem vierten Tour-Coup. Sein französischer Rivale Romain Bardet kassierte zwar vier Sekunden Zeitgutschrift - das dürfte aber zu wenig sein.
Den Tagessieg sicherte sich in 2360 m Höhe auf dem legendären Izoard der Franzose Warren Barguil vom deutschen Team Sunweb, dem 25-Jährigen ist nach seinem zweiten Etappenerfolg auch das Bergtrikot nicht mehr zu nehmen.
"Es war ein sehr, sehr schweres Finale. Wir haben sehr gut gearbeitet, aber es war unmöglich, Uran und Bardet abzuhängen", sagte Froome. Sieger Barguil, der wie der Brite in der Höhenluft an seine Grenzen gehen musste, meinte nach dem vierten Sunweb-Etappensieg binnen einer Woche: "Das alles hier ist einfach unglaublich, ein Traum wird wahr."
Zeitgleich mit der Konkurrenz
Froome kam zeitgleich mit Bardet als Vierter ins Ziel und geht nun mit 23 Sekunden Vorsprung auf den französischen Hoffnungsträger Bardet sowie 29 auf den Kolumbianer Rigoberto Uran in die letzten drei Etappen, von denen nur noch die vorletzte entscheidenden Einfluss auf das Gesamtklassement nehmen dürfte.
Am Samstag dürfte Froome dann ein grundsolides Zeitfahren in Marseille reichen, um die Tour nach 2013, 2015 und 2016 erneut zu gewinnen. Im Kampf gegen die Uhr ist der 32-Jährige klar stärker als Bardet, auch Uran dürfte in einem Wettkampf ohne Zwischenfälle nicht übermäßig Zeit auf den Mann in Gelb aufholen können.
Sky-Team dominant
"Ich bin bereit für den Kampf, habe nichts zu verlieren. Ich fahre hier nicht für Platz zwei", hatte Bardet vor dem Etappenstart gesagt. Allerdings kontrollierte Froomes starke Sky-Mannschaft konsequent das Hauptfeld hinter einer zunächst mehr als 50 Fahrer großen Spitzengruppe, die sich frühzeitig abgesetzt hatte.
Am Col de Vars (1. Kategorie/2109 m) rund 50 km vor dem Ziel ging Bardets AG2R-Mannschaft in die Offensive, Froome folgte aber mühelos. Alles lief auf den großen Showdown am Izoard, der erstmals in der Tour-Geschichte Etappenziel war, hinaus.
AG2R fuhr mit vollem Tempo in den Berg hinein, wollte Sky zermürben, doch Froome ließ sich nicht abschütteln. Binnen weniger Kilometer mussten Bardets Teamkollegen einer nach dem anderen abreißen lassen, sein britischer Rivale hatte hingegen noch drei Helfer an seiner Seite - Bardets Taktik war nicht aufgegangen.
Froome ließ sogar seinen bärenstarken Teamkollegen Mikel Landa kurz vor Schluss fahren. Selbst hinterhersteigen musste Froome dem nun im Gesamtklassemt viertplatzierten Spanier zunächst nicht - dessen Zeitfahr-Qualitäten reichen nicht aus, um ernsthaft um Gelb zu kämpfen. Erst zwei Kilometer vor der Passhöhe trat Froome an und schloss zu Landa auf, Bardet und Uran hielten nur mühevoll mit.