Sky Sport Check-up vor Wimbledon mit Zverev, Sinner, Williams
Die Mutter aller Tennisturniere steht an und auch wenn parallel dazu eine Fußball-WM läuft, dem Zauber von Wimbledon kann man sich nicht entziehen.
29.06.2026 | 00:09 Uhr
Dieser Ort hat seine ganz eigene Magie. Vielleicht wird es dieses Jahr auch für den frischgebackenen Roland-Garros-Champion Alexander Zverev nun auch im All England Club so richtig magisch.
Zverev kann nun noch viel freier und mutiger aufspielen. Der Topfavorit bei den Herren heißt aber trotzdem ganz klar Jannik Sinner, der Titelverteidiger und die Nummer eins. Bei den Damen ist es dagegen richtig offen. Die Favoritin ist Aryna Sabalenka, die Nummer eins, die zuletzt aber ungewohnte mentale Schwächen zeigte.
Die Titelverteidigerin heißt Iga Swiatek, aber die große Story liefert eigentlich nur eine: Queen Serena. Serena Williams, the GOAT, ist plötzlich zurück und das mit 44 Jahren. Was für eine Geschichte. Und das nicht nur im Doppel mit ihrer Schwester Venus, sondern tatsächlich auch im Einzel.
Hier kommt unser Sky Sport Check-up für Wimbledon mit Lisa Halfmann, Nicky Geuer, Stefan Hempel, Marcel Meinert, Andreas Thies und Paul Häuser.
Favoritencheck Herren:
Paul Häuser: "Nummer 1: Jannik Sinner.
Von seinem Hitzschlag in Paris hat sich Jannik Sinner gut erholt. Der Italiener ist der klare Favorit auf den erneuten Titel an der Church Road. Sinner war bis zu Roland Garros der klar beste Spieler auf der Tour und einem unglaublichen Lauf bei den Mastersturnieren. Das French-Open-Aus war sicherlich auch für Sinner ein großer Schock, aber all die körperlichen Tests danach in Turin und Mailand ergaben keine Auffälligkeiten. Deshalb erwarte ich nun wieder den alten Sinner im Cruise-Modus. Und was das Wetter angeht, hat Sinner auch richtig Glück gehabt, denn die Hitzewelle endete, wie von Sinner bestellt, pünktlich zum Turnierstart in Wimbledon.
Nummer 2: Sascha Zverev.
Er hat den „Grand-Slam-Monkey of his back" und wirkt so befreit und offen wie nie. Dieser Sascha Zverev ist nach dem großen Triumph in Paris aber auch hungrig auf noch mehr. Ich glaube, dass ihm der so lange ersehnte Megaerfolg bei den French Open Flügel verleiht und ihm ganz besonders in den engen Matches gegen die Topjungs noch mutiger und offensiver werden lässt. Zverev ist aktuell der zweitbeste Spieler der Welt hinter Jannik Sinner und ich sehe für ihn in Wimbledon dieses Jahr auch trotz seiner nun bekannten Rasenallergie eine super Chance zum ersten Mal so richtig weit zu kommen und sogar das Finale zu erreichen. Es gibt dazu auch ein passendes Sprichwort: „In London wartest du ewig lange auf einen Bus und dann kommen plötzlich gleich zwei."
Nummer 3: Novak Djokovic.
Der 39-Jährige hat sieben Mal in Wimbledon gewonnen und würde zu gerne genau an diesem Ort auf die Acht und insgesamt auf 25 Grand-Slam-Titel stellen. Für mich hat er in Wimbledon aufgrund seiner Erfahrung auch die größten Chancen. Gegen Sinner hat Djokovic eigentlich sehr schlechte Karten mittlerweile, aber er hat den Italiener zu Beginn des Jahres bei den Australian Open geschlagen. Djokovic traut sich selbst natürlich wieder alles zu und wittert nach der Absage von Carlos Alcaraz nun die goldene Chance auf ein weiteres krönendes Kapitel seiner GOAT-Karriere."
Daniel Altmaier, Jan-Lennard Struff und Yannick Hanfmann - Update:
Paul Häuser: "Jan-Lennard Struff hat mit Sebastian Baez eine sehr gute Auslosung erwischt. Der Argentinier hat nicht die Aufschlagpower wie Struff und ist eher der klassische Sandplatzspezialist. Kommt Struffi diesmal so richtig in Schwung, dann traue ich ihm auch mit 36 Jahren sogar einen richtigen Run bei diesem Turnier zu.
Yannick Hanfmann hat dagegen eher Pech mit seiner Auslosung Giovanni Mpetshi Perricard. Der Franzose serviert so brutal schnell, bis zu 240 kmh, auch gerne mal mit dem zweiten Aufschlag und ist nur ganz schwer zu breaken. Eine enorme Challenge für Hanfi. Aber der Karlsruher serviert auch mittlerweile wie einer der Serve-Bots auf der Tour.
Daniel Altmaier hat es mit dem Slowaken Alex Molcan eigentlich ziemlich gut erwischt. Die Frage ist nur wie fit ist Altmaier nach seinem Sturz und der daraus folgenden Verletzung in Eastbourne. Altmaier hat mit seinem neuen Coach Dustin Brown zuvor überragend stark auf dem Rasen gespielt und in Halle den Einzug ins Halbfinale geschafft. Nun wird er hoffentlich nicht durch diese ärgerliche Verletzung kurz vor Wimbledon ausgebremst."
Dark Horses - Players to watch:
Marcel Meinert: "Matteo Berrettini."
Nicky Geuer: "Matteo Berrettini."
Stefan Hempel: "Matteo Berrettini"
Andreas Thies: "Gabriel Diallo."
Lisa Halfmann: "Jack Draper."
Paul Häuser: "Jack Draper."
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Serena Williams Special:
Andreas Thies: "Die Nachricht, dass Serena Williams auch im Einzel in Wimbledon antreten würde, kam nicht so überraschend wie vor einigen Wochen vielleicht noch gedacht. Die Organisatoren in Wimbledon hatten lange noch eine Wildcard zurückgehalten. Die meisten Tennis-Beobachter hatten schon spekuliert, dass man auf die Nachricht von Serena wartet, fit genug zu sein, auch im Einzel anzutreten. Was man von ihr erwarten kann? Das weiß wahrscheinlich nicht mal Serena selbst. Sie hat sieben Mal Wimbledon im Einzel gewonnen, sie muss niemandem mehr etwas beweisen. Maya Joint ist die erste Gegnerin, die junge Australierin steckt 2026 in einer ersten veritablen Formkrise, hat 2026 nur drei Matches gewonnen. Zum Auftakt hätte es schlimmer für „The GOAT" kommen können. Die zweite Runde gegen womöglich Alexandra Eala, wäre dann schon eine riesige Prüfung. Im Doppel spielt Serena mit Schwester Venus. Den Wettbewerb haben die beiden Schwestern schon sechs Mal gewonnen. Vielleicht werden wir Serena im Doppel deutlich länger erleben als im Einzel."
Favoritencheck Damen:
Lisa Halfmann: "Nummer 1: Aryna Sabalenka.
Trotz einer schwachen und titellosen Sandplatzsaison steht Aryna Sabalenka ganz oben auf der Liste der Favoritinnen. Es ist ihre siebte Wimbledonteilnahme, das Finale erreichte sie allerdings noch nie. Dabei ist ihr Repertoire für das Rasentennis eigentlich optimal - ein dominanter Aufschlag plus druckvolle Grundlinienschläge. Kaum zu glauben, dass Sabalenka trotz ihrer passenden Spielweise noch keinen WTA-Titel auf Rasen gewonnen hat. Die ersten beiden Partien sollten für die Weißrussin machbare Aufgaben sein. Dann könnte in Runde drei mit Jelena Ostapenko oder Emma Raducanu die erste größere Herausforderung warten.
Nummer 2: Elena Rybakina.
Spätestens seit dem Australian-Open-Sieg 2026 ist mit Elena Rybakina natürlich immer zu rechnen. Die Vorbereitung auf Wimbledon fiel eher dürftig aus. Bei den Turnieren in Queens und Berlin konnte sie insgesamt nur ein Match gewinnen. Sie verfügt wie Aryna Sabalenka über eine äußerst effektive Spielweise. Flaches Powertennis von der Grundlinie und ein sehr starker Aufschlag brachten ihr 2022 in Wimbledon ihren ersten Grand Slam Sieg. In Runde zwei könnte bereits Elena-Gabriele Ruse warten, die zuletzt mit ihrem Halbfinale in Bad Homburg auf sich aufmerksam gemacht hat.
Nummer 3: Iga Swiatek.
Iga Swiatek und Rasen - eine Beziehung, die lange nicht richtig funken wollte. Seit dem letzten Jahr muss man die Polin auf dem Zettel haben. Sie gewann in Bad Homburg ihren ersten Rasentitel überhaupt und krönte sich dann mit einem 6:0, 6:0 im Finale zur Wimbledon-Königin. In diesem Jahr geht es ohne Vorbereitungsturnier und neuem Coach Francisco Roig, seit April 2026 im Team Swiatek, nach London. An Nummer drei gesetzt hat Swiatek vermutlich die schwerste Auslosung der drei Topgesetzten. In Runde zwei könnte bereits Karolina Pliskova warten, in Runde drei Serena Williams oder Alexandra Eala."
Laura Siegemund, Eva Lys, Tatjana Maria, Ella Seidel und Tamara Korpatsch - Update:
Nicky Geuer: "Laura Siegemund hat in der Vorbereitung auf Wimbledon nur ein Turnier und damit zwei Matches auf Rasen gespielt. Sie verfolgt eine kluge Belastungssteuerung und weiß, was sie auf Rasen zu tun hat. Durch den Viertelfinaleinzug im letzten Jahr weiß sie, dass sie in Wimbledon jede Gegnerin schlagen kann. In der ersten Runde trifft sie auf Elise Mertens, eine routinierte Spielerin, die auf allen Belägen gefährlich ist. Dieses Match wird richtungsweisend für Laura und den weiteren Turnierverlauf sein.
Eva Lys hat genauso wie ihre Erstrundengegnerin Diana Shnaider auf Rasen nur das Vorbereitungsturnier in Berlin gespielt, wo sie in der zweiten Runde gegen Elina Svitolina ausschied. Eva Lys lernt ihre Turnierplanung an ihren Körper anzupassen und konzentriert sich bewusst auf das Highlight in Wimbledon. Die Roland Garros Halbfinalistin Shnaider ist in dieser Begegnung klar favorisiert, dennoch räume ich Lys Außenseiterchancen ein, da ich Shnaider auf Sand und Hartplatz stärker einschätze als auf Rasen.
Tatjana Maria befindet sich auf Rasen in ihrem natürlichen Habitat und beweist im Vorfeld von Wimbledon erneut, warum sie auf diesem Belag so schwer zu schlagen ist. Der Finaleinzug in Eastbourne wird ihr viel Selbstvertrauen geben und sie zurück in die Top 100 der Welt befördern. Sie trifft in der ersten Runde auf Yulia Putintseva, die sich ihrerseits in einer Krise befindet. Eine gute Chance für Maria, in die zweite Runde einzuziehen. In Runde zwei würde sie voraussichtlich auf Iva Jovic treffen - eine schwierige Aufgabe, allerdings ist Maria auf Rasen auch hier ein Sieg zuzutrauen.
Ella Seidel hat in diesem Jahr erst zwei Matches in WTA-Hauptfeldern gewinnen können und sucht aktuell die Konstanz in ihrem Spiel. Ich bin zusätzlich sehr gespannt, welche Veränderungen sie vornehmen und wie sie ihr Team in den nächsten Wochen aufstellen wird. Sie stand im letzten Jahr bereits im Hauptfeld von Wimbledon und hat ihre ersten Erfahrungen sammeln können. In Runde eins wartet mit der Berlin-Siegerin Linda Noskova eine extrem große Aufgabe, die aktuell wohl nur schwierig zu lösen ist.
Tamara Korpatsch hat sich mit guten Leistungen zurück unter die Top 100 gespielt und in Roland Garros viel Selbstvertrauen auf Grand Slam Ebene getankt. Ich sehe Rasen allerdings als ihren schwächsten Belag und mit Coco Gauff hat sie eine Erstrundenpartie erwischt, die sehr herausfordernd ist. Sie hat gleichzeitig nichts zu verlieren und kann befreit aufspielen."
Dark Horses - Players to watch:
Stefan Hempel: "Tatjana Maria."
Marcel Meinert: "Katerina Siniakova."
Paul Häuser: "Jelena Ostapenko."
Andreas Thies: "Solanna Sierra."
Lisa Halfmann: "Karolina Pliskova."
Nicky Geuer: "Nikola Bartunkova."
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