Lewis Hamilton und Ferrari verschenken Doppelsieg in Silverstone
Nach den Problemen am Mercedes von Kimi Antonelli in der Endphase des Rennens sah es für die Scuderia bereits nach einem sicheren Doppelsieg aus.
05.07.2026 | 21:17 Uhr
Doch mit einer merkwürdigen Entscheidung gaben die Italiener diesen doch noch aus der Hand.
Michael Schumacher und Rubens Barrichello ließen die Tifosi ausflippen.
Die beiden Ferrari-Piloten fuhren im Jahr 2002 den bislang letzten roten Doppelsieg in Silverstone ein. 24 Jahre später lag ein solcher wie auf dem Silbertablett dann bereit. Denn Charles Leclerc und Lewis Hamilton führten den Großen Preis von Großbritannien fünf Runden vor Schluss souverän an. Leclerc fuhr 20 Sekunden vor Hamilton, dieser hatte seiner sechs Sekunden Vorsprung auf Max Verstappen. Weitere sechs Sekunden dahinter fuhr George Russell.
Hamilton versteht Ferrari nicht
Dann verlor Verstappen in der Stowe-Kurve über seinen Red Bull und bleib im Kiesbett stecken. Das Safety-Car kam auf die Strecke. Ferrari reagierte und holte Leclerc sofort rein. Der Monegasse blieb angesichts seiner komfortablen Führung auf P1. Dahinter orderte sich Scuderia auch Hamilton an die Box. Ein völlig unnötiger Move, denn in der Boxengasse verliert man in Silverstone unter Safety-Car-Bedingungen zwischen zwölf und 14 Sekunden. Der Hamilton-Puffer war von Beginn an viel zu knapp, um dort zu pokern. Und dieser Poker ging letztendlich auch nicht auf.
"Ehrlich gesagt ist das alles ein bisschen verschwommen. Ich lag auf Platz zwei und dann haben wir gestoppt. Wir hätten vorhersehen können, dass wir damit P2 verlieren", erklärte der Rekordweltmeister auf der Pressekonferenz angesprochen auf diese Situation. Der 41-Jährige fügte noch hinzu, dass er den Call von der Box bekommen habe. "Also bin ich reingekommen. Ich wusste nicht, dass ich dadurch eine Position verliere. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich nicht gestoppt."
Russell verhindert Ferrari-Doppelsieg
Mercedes-Pilot Russell, der auf alten Medium-Reifen unterwegs war, kam im Gegensatz zu Hamilton nicht mehr rein - und übernahm Rang zwei. Da die Bergung des Verstappen-Autos zu lange dauerte, wurde das Rennen hinter dem Safety-Car beendet. Hamilton hatte also keine Chance mehr, seinen Vorteil durch die frischen Reifen auszuspielen. Mit P3 holte Hamilton aber immerhin bereits sein fünftes Podium in dieser Saison und sein insgesamt 16. auf seiner Heim- und Lieblingsstrecke.
"Ich hatte die Kristallkugel leider nicht mit dabei. Ich konnte daher nicht vorhersagen, ob wir da einen Platz verlieren oder nicht. Das war so ein bisschen eine Wette, die wir da eingegangen sind. Wenn du da nicht stoppst und es kommt noch ein Neustart, dann kannst du durchaus auch noch mehr Plätze verlieren", versuchte Ferrari-Teamchef Fred Vasseur bei Sky Sport die verkorkste Strategie zu erklären.
Ferrari wählt (mal wieder) die falsche Taktik
Doch die Zeiten lügen nicht. Hamilton verbrachte 2,6 Sekunden beim Reifenwechsel (1 Zehntel langsamer als der Leclerc-Stopp) sowie insgesamt 28,7 Sekunden in der Boxengasse (2 Zehntel schneller als bei Leclerc). Der Boxenstopp bei Hamilton war auch im Vergleich zur Konkurrenz kein schlechter. Ferrari hat also - wie in der Vergangenheit schon des Öfteren - falsch kalkuliert und ist völlig unnötig dieses Risiko eingegangen. "Das hatte nichts mit der Kristallkugel zu tun, sondern eher mit dem Boxenstopp", wurde auch Sky Sport F1-Experte Ralf Schumacher deutlich.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Hamilton selbst einen Frühstart verursachte und sich dadurch eine Fünf-Sekunden-Strafe einhandelte. Auch bei seinem ersten Stopp gab es zudem verschiedene Meinungen zwischen Pilot und Renningenieur über den Zeitpunkt des Reinfahrens. Von der reinen Pace her war Hamilton in Silverstone deutlich langsamer als Teamkollege Leclerc und wurde ohne die Probleme bei Mercedes und Kimi Antonelli aus eigener Kraft auch maximal nur Dritter geworden.
Silverstone ein großer Erfolg für Ferrari
Insgesamt war der Ausflug nach Großbritannien aber ein sehr erfolgreicher für Ferrari. Die Scuderia konnte im Rennen mit den bislang so übermächtigen Mercedes mehr als mithalten und feierte letztendlich durch Leclerc den 250. Sieg der Teamgeschichte. "Zu gewinnen nach den schwierigen vergangenen Wochenenden ist ein tolles Gefühl. Ich bin unglaublich glücklich", freute sich der Monegasse über seinen neunten Sieg in der Formel 1, sein erster seit Austin 2024.
In der Fahrerwertung kommt Leclerc nun auf 108 Punkte und ist damit Vierter. An der Spitze liegt dort - trotz seiner Nullnummer in Silverstone - weiterhin Antonelli mit 179 Punkten vor Russell (154) und Hamilton (147). Mit Ferrari ist im WM-Kampf sowohl bei den Fahrern als auch bei den Konstrukteuren in dieser Saison voll zu rechnen.
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