Upgrade-Flut in Miami! McLaren setzt Ausrufezeichen || Red Bull mit Macarena-Flügel
Nach der mehrwöchigen Zwangspause aufgrund des Nahost-Konfliktes kehrt die Formel 1 in Miami wieder zurück.
02.05.2026 | 09:13 Uhr
Die Teams haben die Zeit genutzt und an der Entwicklung ihrer Boliden gearbeitet. So bringen zehn der elf Rennställe ein Upgrade-Paket mit. Am besten scheint dies bei McLaren zu greifen. Red Bull hat jetzt auch einen eigenen Macarena-Heckflügel.
Miami wird nicht nur wegen des Sprint-Formats und des Show-Faktors zum heißen Pflaster - sondern vor allem wegen der Technik. Zum vierten Saisonlauf rollt ein Großteil des Feldes mit umfassenden Upgrade-Paketen im Sunshine State an. Das Ziel: mehr Abtrieb, bessere Kühlung und der nächste Schritt im knallharten Titelkampf.
McLaren mit Signal an die Konkurrenz
McLaren setzt dabei ein echtes Ausrufezeichen. Der MCL40 erhält eines der größten Update-Pakete des Wochenendes. Überarbeitete Aero-Elemente an den vorderen Ecken, neue Kühllamellen auf der Motorabdeckung, neu gestaltete Sidepod-Einlässe und Spiegel sowie ein komplett neuer Unterboden sollen den papayafarbenen Boliden spürbar nach vorne bringen. Auch Heckpartie und Heckflügel wurden überarbeitet - ein klares Signal an die Konkurrenz, was die Sprint-Pole von Lando Norris und Platz drei von Oscar Piastri eindrucksvoll untermauern.
"Der Aufschwung bei McLaren ist auch bei Norris im Auto zu spüren. Er hatte in den ersten drei Rennen so ein bisschen Probleme gehabt, mit dem Auto klarzukommen. Jetzt muss man ganz klar sagen, dass man einen großen Schritt bei McLaren gemacht hat", analysiert Sky Sport Experte Timo Glock die Entwicklung des Weltmeisterteams. "Die Probleme, die man am Antriebsstrang hatte, hat man jetzt einigermaßen im Griff. Die Pause hat McLaren sehr gutgetan."
Bei Red Bull und Verstappen geht es in die richtige Richtung
Red Bull wartet ebenfalls mit einer umfassenden Weiterentwicklung des RB22 auf. Im Fokus steht auch hier ein neuer Unterboden, der Änderungen an den Sidepods und der Motorabdeckung nach sich zieht. Zusätzlich gibt es Updates an allen drei Frontflügel-Elementen, einen neuen Diveplane (kleines, aerodynamisches Zusatzflügelchen) sowie Anpassungen an Radverkleidungen, Heckpartie und Heckflügel. Besonders Letztgenannter sorgte für das größte Aufsehen, da es sich dabei um einen "Upside-Down-Flügel" handelt, der sehr stark an den Macarena-Flügel von Ferrari erinnert.
Eine Inspiration, geschweige denn eine Kopie des Ferrari-Flügels, dementiert der Rennstall aber vehement. Vielmehr arbeite das Team aus Milton Keynes schon länger an dem Konzept, wofür laut Red Bull bereits im vergangenen Jahr erste Entwürfe bei der FIA eingereicht wurden.
Alles in allem scheinen die neuen Komponenten den einstigen Dominator-Rennstall näher an die Spitze gebracht zu haben (siehe P5 von Verstappen), was auch Teamchef Laurent Mekies am Sky Sport Mikrofon unterstrich: "Es war definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Alle in Milton Keynes und im ganzen Team haben wirklich stark gearbeitet. Wir hatten einige Probleme, denen wir auf den Grund gehen wollten. Und das haben wir gemacht. Max (Verstappen, Anm. d. Red.) und Isack (Hadjar, Anm. d. Red.) sagen, dass wir auf jeden Fall konstanter geworden sind."
Dies sieht auch Sky Sport Experte Glock so: "Man hat gesehen, dass Verstappen wieder ein kleines Lachen nach dem Qualifying im Gesicht hatte. Er hat seinen Teamkollegen sehr klar im Griff gehabt. Für Max geht es in die richtige Richtung und er hat auch wieder mehr Vertrauen in dieses Auto."
Ferrari bringt das größte Upgrade an den Start
Ferrari reiste ebenfalls mit einem runderneuerten Boliden an. Ganze elf Komponenten wurden am SF-26 überarbeitet - und damit die meisten im Vergleich aller Teams. Das Auto bekommt neue Frontflügel-Endplatten, modifizierte Aero-Bauteile an den Vorderrädern und überarbeitete Verkleidungen der Vorderradaufhängung. Dazu kommen ein neuer Unterboden samt modifizierten Kanten, ein angepasster Diffusor, neue Verkleidungen an der Hinterradaufhängung sowie ein neuer Heckflügel.
Ein ganzheitliches Update, das Wirkung zeigen soll - und dies auch tat: Im Freien Training dominierte Charles Leclerc mit einem Vorsprung von drei Zehnteln auf den Zweitplatzierten. Auch im Sprint-Qualifying war der Monegasse lange in aussichtsreicher Position, doch im entscheidenden dritten Quali-Abschnitt konnte er seinen Speed nicht bestätigen. "Die Upgrades sind gut. Wir haben heute schwer zu kämpfen gehabt mit den Reifen. Das müssen wir uns noch anschauen. Wir wissen, dass unsere Pace im Rennen stärker ist, aber im Qualifying haben wir noch einiges zu tun", erklärt Leclerc am Sky Sport Mikrofon.
Kaum Upgrades: Mercedes büßt Dominanz ein
Deutlich zurückhaltender agiert ausgerechnet WM-Spitzenreiter Mercedes. Der W17 erhält in Miami nur kleinere Anpassungen: Der Auslass der Abgasanlage wurde versetzt, ein geschlitzter Halter ergänzt und die Lippe der vorderen Bremstrommel verlängert. Feinschliff statt Revolution. Die Dominanz der ersten Rennen vor der Pause scheint jedoch weg zu sein. "Wir arbeiten so schnell wie möglich", erklärte der stellvertretende Teamchef Bradley Lord gegenüber Sky Sport. "Unser Paket kommt eher in Kanada als hier. Wir haben einige Teile hier. Aber die Erwartung war schon, dass es alles ein bisschen dichter aneinanderrückt. Es ist spannender für den Wettbewerb auch wenn es für uns eher weniger komfortabel ist."
Hinter den Spitzenteams wird ebenfalls kräftig nachgelegt. Williams bringt ein großes Aero-Update mit neuem Unterboden, überarbeiteten Sidepods und Motorabdeckung. Ziel sind bessere Strömungsbedingungen und eine optimierte Kühlung. Auch Spiegel, Auspuffhalterung und Heckbereich wurden angepasst.
Die Racing Bulls konzentrieren sich auf Unterboden-Kanten und das Heck des VCARB03, inklusive neuer Bremskanal-Aeroelemente und angepasstem Heckflügel. Audi setzt auf neue hintere Unterboden-Kanten, einen umgeformten Diffusor sowie neue Bremskanäle und Aufhängungsverkleidungen an der Front.
Keine Upgrades, viele Sorgen bei Aston Martin
Kleinere, aber gezielte Updates bringen Haas (neues Diffusor-Element für mehr lokalen Abtrieb) und Alpine (komplett neuer Heckflügel). Cadillac präsentiert hingegen ein großes Entwicklungspaket mit neuem Unterboden und überarbeitetem Heck.
Gänzlich ohne überarbeitete Komponenten kommt das WM-Schlusslicht Aston Martin daher. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen wieder. Fernando Alonso und Lance Stroll fahren dem Feld hinterher. Nach technischen Schwierigkeiten in FP1, die das gesamte Team inklusive Garage betroffen hatten, hatte Stroll früh im Sprint-Qualifying Probleme und konnte keine gezeitete Runde drehen. Aston Martin bleibt somit das Sorgenkind im F1-Feld.
Miami wird zum ersten echten Technik-Checkpoint der Saison. Wer hier den größten Sprung macht, könnte die nächsten Wochen den Ton angeben. Die Auflösung, wem das letztendlich wirklich gelingt, gibt es am Samstag beim Sprint (ab 17:15 Uhr LIVE und EXKLUSIV bei Sky Sport Formel 1) und im Qualifying (ab 21:30 Uhr LIVE und EXKLUSIV bei Sky Sport Formel 1).
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