Zum Inhalte wechseln

Formel 1: Kanada-GP wird für Mick Schumacher ein schwieriges Unterfangen

Nach Wirbel bei Haas: Kanada-GP kommt für Mick zur Unzeit

Mick Schumacher hofft in Kanada auf den Turnaround. Doch in Montreal stehen die Voraussetzungen für den Haas-Piloten auf dem Papier schlecht.
Image: Mick Schumacher hofft in Kanada auf den Turnaround. Doch in Montreal stehen die Voraussetzungen für den Haas-Piloten auf dem Papier schlecht.  © Imago

Für Mick Schumacher bietet das neunte Saisonrennen in Kanada die nächste Chance, endlich seine ersten WM-Punkte einzufahren. Doch dass der Knoten ausgerechnet auf dem Circuit Gilles Villeneuve beim 23-Jährigen platzt, ist zumindest auf dem Papier eher unwahrscheinlich.

"Kanada ist ein Neustart."

Mit diesen Worten blickte Mick Schumacher nach dem enttäuschenden Wochenende in Aserbaidschan bereits voller Zuversicht auf das kommende Rennen (am Sonntag, ab 20 Uhr LIVE und EXKLUSIV auf Sky Sport F1) in Montreal.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Mick Schumacher nach Platz 14 in Baku.

Denn auch der Haas-Pilot weiß, dass der Druck von Rennen zu Rennen immer größer wird, solange er weiterhin keinen einzigen WM-Zähler auf dem Konto hat. Sein Teamchef Günther Steiner hat Schumacher mit seinem emotionalen Interview am Sky Mikrofon allerdings keinen Gefallen getan. Im Gegenteil: Steiner hat mit seinen Aussagen die Last auf den Schultern seines jungen Piloten noch einmal erhöht.

"Wenn ich den Druck weghalten möchte, baue ich ja keinen Druck in der Öffentlichkeit auf. Auch wenn er das sicherlich anders gemeint hat, muss er in seiner Führungsposition natürlich aufpassen, wie er Dinge formuliert", erklärte Sky F1-Kommentator Sascha Roos nach dem Baku-Rennen. "Ich glaube, in der Situation sollte man alles dransetzen, einem den Rücken zu stärken. Auch aus eigener Erfahrung ist es nicht einfach, wenn teamintern nur draufgehauen wird", sagte Sebastian Vettel gegenüber der Bild.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Haas Teamchef Günther Steiner regiert am Sky Mikrofon gereizt über die Situation um Mick Schumacher und wittert zu viel medialen Einfluss.

Mick muss Magnussen schlagen

Nach außen hin wirkt es bei Haas allerdings so, dass Schumacher in der bislang schwierigsten Phase seiner noch jungen F1-Karriere ein wenig allein dasteht. Das ist natürlich nicht die beste Grundlage, um den Schalter im Cockpit umzulegen. Denn der Deutsche braucht ein Erfolgserlebnis - und zwar schon in Kanada.

"Wenn beide Seiten zusammenwachsen und ihr Bestes geben, kommt auch bald ein WM-Punkt oder ein gutes Resultat für Mick dabei heraus. Da bin ich mir sicher", meinte F1-Experte Ralf Schumacher in seiner Sky Kolumne und fügte hinzu: "In erster Linie ist es so, dass es zwei Autos im Team Haas gibt und es Micks Aufgabe ist, schneller als sein Kollege Kevin Magnussen zu sein. Wenn das Potenzial des Autos nicht reicht, um in die Punkte zu fahren, muss er zumindest der schnellere Haas-Pilot sein. Das ist Micks Ziel."

Mehr dazu

Dazu hat der ehemalige F2- und F3-Champion auf dem 4,361 Kilometer langen Kurs auf der Ile Notre-Dame die Chance. Magnussen ist in seiner F1-Karriere bislang fünfmal in Montreal gefahren, kam dabei allerdings nur 2014 als Neunter in die Punkte. Dennoch stehen die Voraussetzungen für Schumacher zumindest teamintern nicht gut.

Fragen & Antworten zum Kanada-GP

Kanada-Premiere für Schumacher

"Kanada ist eine Strecke, die er noch nicht kennt, die er noch nie selbst gefahren ist. Zudem ist es eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, da kann man auch nicht erwarten, dass der Haas dort großartig performt. Die Strecke ist auch nicht sehr Fehler verzeihend, da gab es in der Vergangenheit schon den einen oder anderen Einschlag. Für Mick wird Montreal nicht ganz so einfach werden", analysierte Sky F1-Kommentator Roos die Ausgangsposition des Haas-Piloten.

Schumacher ist deshalb noch nie in Montreal gefahren, weil das Rennen im Vorjahr aufgrund der Corona-Pandemie aus dem Rennkalender gestrichen wurde. Auch 2020 wurde übrigens aus demselben Grund kein Grand Prix in Kanada ausgetragen. In den Nachwuchsserien der Formel 1 konnte Schumacher ebenfalls noch keine Erfahrungen mit Montreal machen. Dort zählte die Strecke nicht zum Rennkalender.

"Das Beste wäre ein unauffällig gutes Rennen, das mindestens auf Platz zehn endet. Damit würde er seine durchaus verdienten Punkte endlich einfahren. Das würde auch große Ruhe ins Team bringen. Keine einfachen Voraussetzungen, weil er noch nie da war. Aber der Knoten bei ihm wird irgendwann aufgehen", machte Sky F1-Experte Norbert Haug deutlich.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Norbert Haug, ehemaliger Motorsportchef von Mercedes, über Mick Schumacher vor dem Großen Preis von Kanada.

Hohe Crash-Gefahr in Montreal

Allerdings kommt dem Haas der Circuit Gilles Villeneuve vom Layout her überhaupt nicht entgegen. Montreal ist eine Hochgeschwindigkeitsstrecke mit vielen langen Geraden und gleich drei DRS-Zonen. Der Top-Speed hat dem Haas bereits in Baku erkennbar gefehlt. Umso wichtiger wird es für Schumacher sein, sich im Qualifying eine gute Ausgangsposition für das Rennen zu erarbeiten.

Doch Schumacher selbst ist trotz der auf dem Papier schlechten Voraussetzungen optimistisch. "Es ist in dieser Saison noch Raum für Verbesserungen da. Punkte ist das, was wir haben wollen und die haben wir noch nicht. Wir versuchen unser Bestes dahinzukommen und da kommen wir hin, wenn wir schnell sind und ein sauberes Wochenende haben", sagte Schumacher in Kanada bei Sky und fügte mit Blick auf das neunte Saisonrennen selbstbewusst an: "Wir sind gut vorbereitet und haben gute Aussichten hier."

Doch Vorsicht: Der Kanada-GP ist wenig Fehler verzeihend. Die Mauern stehen eng an der Strecke, kleine Unkonzentriertheiten und Fehler werden sofort bestraft. Berühmt und berüchtigt ist allen voran die "Wall of Champions" direkt nach der Schikane vor Start und Ziel. Dort krachten schon viele Weltmeister in die Wand, unter anderem auch Sebastian Vettel sowie Mick Schumacher Vaters Michael.

"Wer Formel-1-Rennen allerdings vor lauter Vorsicht wie mit dem Safety Car fährt, wird nichts gewinnen. Er muss schon ans Limit gehen und ich hoffe, dass sein Team ihm den Mut zuspricht. Dann kommt auch das Ergebnis", ist Sky F1-Experte Haug überzeugt. Schumacher muss also in den Freien Trainings das richtige Gefühl für das Limit bekommen. Keine einfache Situation für den Deutschen, der derzeit mit wenig Selbstbewusstsein ausgestattet ist und bereits in Saudi-Arabien sowie Monaco seinen Boliden in die Mauer setzte.

Die komplette Formel 1 Saison live - exklusiv auf Sky

Die komplette Formel 1 Saison live - exklusiv auf Sky

Nur Sky zeigt dir alle Rennen live, ohne Werbeunterbrechung und auch in UHD. Alles auf Sky Sport F1 - Dein neues Zuhause für Motorsport. Infos zur Übertragung und zu allen Extras.

Chaos-Wochenende könnte Mick helfen

Hinzu kommt, dass sich der US-Rennstall seit Saisonbeginn sportlich im Abwärtstrend befindet. Während fast alle Kontrahenten im so engen Mittelfeld ihre Autos mit Updates weiter nach vorne gebracht haben, hat Haas bislang noch kein größeres Paket mitgebracht. "Haas' Ziel muss es sein, so früh wie möglich ein Update ans Auto zu bringen. Ich habe gehört, dass es leider nicht vor dem Frankreich-GP (24. Juli) kommen wird. Diese Verzögerung macht allen das Leben schwerer", verriet Sky F1-Experte Ralf Schumacher.

Die Voraussetzungen für den erhofften "Neustart" von Mick Schumacher stehen entsprechend schlecht. Helfen könnte in Montreal allerdings wie so oft in der Vergangenheit das Wetter. Denn zumindest für Freitag und Samstag ist Regen vorhergesagt.

Vielleicht sorgt ja ein chaotisches Wochenende in Kanada für den Turnaround einer bisher enttäuschenden Saison für Schumacher.

Mehr zum Autor Peer Kuni

Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.

Weiterempfehlen: