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Formel 1 News: Lewis Hamilton im exklusiven Gespräch mit Sky UK

Hamilton über WM-Kampf, Ziel für Karriereende & neue Fahrer-Generation

Sky Sport

02.11.2021 | 15:10 Uhr

Lewis Hamilton spricht emotional im Sky Interview über seinen neuen Antrieb und seine Mission.
Image: Lewis Hamilton spricht emotional im Sky Interview über seinen neuen Antrieb und seine Mission.  © Imago

Im exklusiven Interview mit Sky-UK-Reporterin Rachel Brookes verrät F1-Weltmeister Lewis Hamilton, dass er jetzt einen "neuen Antrieb", ein "echtes Ziel" und eine "Mission im Leben" hat. Dank seines Einsatzes für Vielfalt und Inklusion sei er nun "stärker als je zuvor".

Hamilton über den Kampf für Diversität und gegen Rassismus

Hamilton ist eine führende Stimme im Kampf gegen Rassismus und Ungleichheit. Er setzt sich konsequent für Veränderungen abseits der Rennstrecke ein und nutzt seine Plattform, um wichtige Botschaften zu verbreiten und "black talents" ins Rampenlicht zu rücken. In diesem Jahr bezahlte Hamilton "young black designers" die Teilnahme an der Met Gala 2021. Vor kurzem enthüllte er, dass er sich mit dem preisgekrönten George the Poet zusammengetan hat, um Botschaften auf seinen T-Shirts im Netz zu veröffentlichen...

Hamilton: "Es war kurz vor Beginn der Saison und ich dachte mir: Wir haben eine Phase hinter uns, Black Lives Matter, der Kniefall, was ist der nächste Schritt und wie können wir weiterhin Gespräche anregen? Und so kam ich auf diese Idee - wie wäre es, wenn wir mit einigen aufstrebenden schwarzen Designern zusammenarbeiten, um die Shirts zu entwerfen, und dann mit einem jungen schwarzen britischen Dichter zusammenarbeiten und uns etwas Bedeutungsvolles ausdenken - und am Ende des Jahres werden wir eine echte Geschichte zu erzählen haben. Die Dinge sind noch nicht in Ordnung, wir müssen sie in Ordnung bringen. Es ist schön und gut, dass der Sport über das Ende des Rassismus, über Vielfalt und Integration, Nachhaltigkeit und all diese Dinge spricht, aber wir müssen sicherstellen, dass wir diese Dinge auch tatsächlich umsetzen. Dazu bedarf es vieler Gespräche. Ich habe das Gefühl, dass wir auch unser Publikum mitnehmen müssen, denn wir können alle noch etwas lernen."

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Hamilton über das Engagement von Vettel und die neue Fahrer-Generation

Hamilton ist nicht der einzige Fahrer, der seine Stimme erhoben hat, um auf Veränderungen zu drängen. Sebastian Vettel ist einer von vielen Fahrern, die in dieser Saison wichtige Themen angesprochen haben.

Hamilton: "Aus meiner Erfahrung als Fahrer gibt es definitiv die Erfahrung, dass 'mein Team nicht will, dass ich das sage' oder 'ich kann mich nicht äußern, weil das Team das nicht mag' oder 'die Sponsoren werden das nicht mögen'. Ich hoffe, dass das Brechen einiger dieser unsichtbaren Regeln den anderen gezeigt hat, dass sie diese Dinge tun können. Es macht mir nichts aus, derjenige zu sein, der sie bricht, und ja, es ist großartig zu sehen, dass Seb (Vettel, Anm. d. Red.) wirklich aus sich herausgeht. Als zwei der älteren Fahrer hoffe ich, dass das einige der jüngeren Fahrer ermutigt. Ich spreche mit Mick (Schumacher, Anm. d. Red.), der so ein netter Kerl ist, und er sagt Dinge wie: 'Ich weiß nicht alles, kannst du mich irgendwie aufklären? Und dasselbe gilt für Lando (Norris, Anm. d. Red.). Ich bin wirklich stolz auf diese nächste Generation, aber wir können sie immer noch dazu ermutigen, sich mehr zu engagieren und mehr Verständnis aufzubringen. Wenn man jung ist, denkt man nur ans Gewinnen - man hat keine Zeit für viele andere Dinge. Nun, man denkt, dass man keine Zeit hat, aber man hat sie tatsächlich. Und das ist es, was wir vermitteln müssen."

Sebastian Vettel will mit seinem Regenbogen-Shirt ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen.
Image: Sebastian Vettel will mit seinem Regenbogen-Shirt ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen.  © Imago

Hamilton über seinen "neuen Antrieb" und seine "Mission"

In einem Titelkampf mit einem zwölf Jahre jüngeren Fahrer, der seinen ersten F1-Titel anstrebt, kann Hamilton auf viel mehr Erfahrung zurückgreifen als Verstappen. Aber er behauptet, dass die Arbeit abseits der Rennstrecke und der Wunsch, Botschaften zu verbreiten - wie zum Beispiel sein Breonna-Taylor-T-Shirt im vergangenen Jahr - für seinen Titelkampf hilfreicher waren und sind.

Hamilton: "Dieses Jahr habe ich nicht aus vergangenen Erfahrungen geschöpft, sondern aus der Energie, diese positive Arbeit zu leisten. Das habe ich letztes Jahr gemerkt, und das war auch ein Teil davon. Auf das Podium zu kommen, damit ich Breonna diese Stimme geben kann, war ein großer Antrieb für mich. Hilft es mir bei den Rennen? Ich denke schon, ja. Es ist mein neuer Antrieb, und ich habe das Gefühl, dass ich dadurch länger durchhalte, denn es ist eine Menge Arbeit, die wir tun müssen. Ich habe auch das Gefühl, dass es meinem Leben einen echten Sinn gibt. Der Rennsport ist kein Zweck, er ist etwas, das man tut. Natürlich hatte ich auch Momente... die Leute sehen das nicht, aber es ist nicht alles schön. Ich bin auch nur ein Mensch und es ist alles relativ. Man hat Höhen und Tiefen, ich habe wirklich schwierige Tage, an denen ich nicht trainieren will, an denen ich nicht mehr weitermachen will, all diese verschiedenen Gedanken, die man hat, erlebe ich auch. Es gab definitiv Zeiten, in denen ich dachte, ich weiß nicht, ob ich weitermachen kann, oder ob ich vielleicht etwas anderes machen möchte. Aber ich glaube nicht, dass ich bis letztes Jahr meine Bestimmung gefunden hatte. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich eine Aufgabe im Leben habe und es geht nicht nur darum, Meisterschaften und Rennen zu gewinnen, das ist alles cool, sondern auch darum, etwas zu bewirken, um jungen Menschen zu helfen. Ich glaube, ich bin dadurch mental stärker als je zuvor. Ich war ohnehin schon lange mental stark, aber ich denke, das hat mich noch mehr gefestigt. Und ich lasse mich auch nicht von dem ablenken, was hier passiert, ich komme an und tue das, was ich gerne tue. Ich glaube, das ist ein Vorteil."

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Lewis Hamilton macht mit einem T-Shirt auf den Tod von Breonna Taylor aufmerksam - und fordert, dass die Einsperrung und Verurteilung der Polizisten, die die junge Frau erschossen haben.
Image: Lewis Hamilton macht mit einem T-Shirt auf den Tod von Breonna Taylor aufmerksam - und fordert, dass die Einsperrung und Verurteilung der Polizisten, die die junge Frau erschossen haben.  © Imago

Hamilton über sein Ziel beim Verlassen der Formel 1

Hamilton: "Was mich stolz machen wird, ist, wenn ich dieses Fahrerlager verlasse, zu sehen, dass wir wirklich etwas unternehmen, dass mehr Frauen hier sind, dass mehr "people of colour" hier sind, dass es die Außenwelt besser widerspiegelt und dass es weiter vorangeht. Das ist es, was mich stolz machen wird. Ich habe das bereits in meinem Team gesehen, und ich sehe es auch hier. Eine Erfahrung, die ich gemacht habe, war, als wir nach der Schließung wieder in die Fabrik zurückkehrten und ich die Marketingabteilung sah. Ein größeres Team, als ich je zuvor gesehen hatte, ein vielfältigeres Team, als ich je gesehen hatte. Ich war wirklich schockiert und es war sehr emotional für mich, denn meistens ist man die einzige "person of colour" im Raum und man fragt sich immer, warum."

Hamilton über die "Achterbahnfahrt" der Saison 2021

Fünf Saisonrennen vor Schluss liegt Hamilton zwölf Punkte hinter dem WM-Führenden Max Verstappen (zum aktuellen WM-Stand)

Hamilton: "Ich hatte erwartet, dass es eine Achterbahnfahrt werden würde. Es war erstaunlich, es war in vielerlei Hinsicht das härteste Jahr, aber es gab auch so viel Positives und ich habe es wirklich sehr genossen - auch die schwierigen Tage. Aber man lebt und lernt, und ich habe das Gefühl, dass die Dinge aus einem bestimmten Grund so geschehen, wie sie geschehen. Wir haben viel gelernt, wir haben nach all den Erfahrungen, die wir gemacht haben, an einem Strang gezogen, egal ob wir gewonnen oder verloren haben, und ich liebe die Situation, in der ich mit meinem Team bin. Ich war schon immer stolz auf mein Team und auf das, was wir gemeinsam auf der Rennstrecke erreicht haben, aber dieser Vorstoß, den wir in Bezug auf Vielfalt und Inklusion gestartet haben, um sozusagen der Kieselstein zu sein, der einen Effekt erzeugt, dem hoffentlich andere in der Branche folgen, ist etwas, auf das ich sehr stolz bin."

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Hamilton mit Vergleich seines erstes Titels und Verstappens ersten Titel-Kampf

Hamilton: "Ich verbringe keinen Moment damit, darüber nachzudenken, was für ihn eine Ablenkung sein könnte oder nicht, das stört mich so oder so nicht. Wenn ich meinen Job nach bestem Wissen und Gewissen mache, habe ich kein Problem. So gehe ich an meinen Job heran. Mein erster Titel? Der war furchtbar. Die Reise war schrecklich, aber wie lange ist er schon dabei, sechs Jahre? Ich war in meinem zweiten Jahr. Ich hatte keine großartige Struktur in Bezug auf das Management um mich herum, ich hatte keine Hilfe, um mit all den Bällen umzugehen, die mir entgegen geschleudert wurden. Ich hatte nicht all die Erfahrung, ich hatte nicht all die Werkzeuge - außer denen im Auto - aber ich lernte all diese anderen Werkzeuge, um ein guter Teamkollege zu sein, mit einer Gruppe von Leuten zu arbeiten und ihnen zu helfen, sich zu verbessern, und all diese Dinge. Das war damals anders für mich. Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrungen gemacht habe, ich weiß, wie ich mein Team aufbauen kann, ich weiß, wie ich mit meinem Team gewinnen kann und ich weiß, wie ich die Höhen und Tiefen mit meinem Team genießen kann."

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