Interview mit Julian Brandt: "Wir haben alle Bock zu zocken"
Neuzugang aus Leverkusen
30.07.2019 | 21:37 Uhr
Julian Brandt gehört zu den namhaftesten Transfers in der Bundesliga. Mit dem BVB will der Nationalspieler den Titel in der Bundesliga holen. In einer Medienrunde spricht der 23-Jährige über Trainer Favre und seine Liebe zum Fußball.
Wie hat Marco Reus sie vom BVB überzeugt?
Julian Brandt: Ich sage mal, er hat mich mit überzeugt, aber es gab noch andere Aspekte. Marco hat mir ehrlich erzählt, was ihm am BVB liegt und wie der Verein mir helfen kann, mich weiter zu entwickeln. Er hat natürlich nur Positives erzählt. Wir haben da locker in der Kabine drüber gesprochen und ich habe es ihm abgekauft.
War Dortmund der überlegte nächste Schritt?
Ich habe in meinem Leben keinen Karriereplan. Ich mach das so, wie mir der Sinn nach ist. Und das war beim BVB der Fall. Deswegen habe ich mich entschieden und nicht groß abgewogen. Ich habe mich nach Gefühl entschieden.
Haben Sie mit dem Trainer schon über die Position gesprochen?
Nein. Noch haben wir nicht darüber gesprochen.
In der BILD waren Sie in der Transferliste auf Platz 1...
Ich höre das grade zum ersten Mal. Ich muss ehrlich sein, ich beschäftige mich damit nicht. Bei den Transfers steckt immer viel Hoffnung bei Fans und Vereinsseite. Ich mache mir keinen Druck. Ich bin hier, um Fußball zu spielen. Ich habe viel Spaß hier und das wird auch so bleiben.
Wie haben Sie sich eingelebt?
Ich habe mich gut eingelebt. Die Jungs haben mich gut aufgenommen. Ich kannte viele - und die, die ich nicht kannte, sind alle sehr pflegeleicht. Der Unterschied ist aber: hier ist eine sehr große Bandbreite an Qualität. Da passt vieles zusammen. Wir haben in der Vorbereitung bereits viele gute Spiele gemacht. Die neuen Spieler haben sich auch gut eingefügt. Von daher, gibt es wenig Negatives zu berichten.
Haben Sie gegen Udine schon so gespielt, wie Sie es mögen?
Natürlich. So macht es mir Spaß. Der Gegner musste laufen und am Ende hatten sie auch keine Lust mehr. Das mag ich: dominant sein, einfach zocken. Dafür sind wir Fußballer geworden. Wir sind auf der Straße groß geworden, um Tore zu schießen und den Sport zu genießen. Das wird oft vergessen, bei so viel Kommerz. Dabei machen wir das, was wir als Kinder gern gemacht haben: Fußball spielen.
Zocken und Lucien Favre - passt das zusammen?
Es gibt ja auch andere Spieler, die gut gezockt haben, die stehen immer noch auf dem Platz, so schlimm wird es für den Trainer also nicht sein. Die Mischung muss stimmen, gerade defensiv. Wenn du den Ball hast, bist du frei, das sagt der Trainer auch. Klar gibt es Muster, aber du bist es ja, der auf dem Platz steht.
Sie sind etwas angeschlagen. Wie geht es Ihnen?
Ich hab etwas an den Adduktoren gespürt. Es ist aber nichts Wildes. Meine Auswechslung war nur eine Vorsichtsmaßnahme.
Welche Ziele haben Sie in dieser Saison?
Was wir alle wollen, ist allen klar. Ich erwarte, dass wir vielleicht an dem anknüpfen, wo die Mannschaft aufgehört hat. Wir wollen uns weiterentwickeln. Der Druck ist hoch genug. Ich möchte den nicht noch erhöhen. Aber wir wollen was erreichen.
Paco Alcacer schwärmt von Marco Reus - wie sehen Sie das?
Marco ist ein Spieler, der gar nicht fest auf einer Position ist. Er ist schwer zu greifen. Jeder kennt Marco - er wird gedoppelt, dann schafft das Platz und er spielt den Ball dann schnell weiter. Damit erzwingt er Situationen. Ich kann mich Paco also nur anschließen.
Wie sehen Sie Thorgan Hazard?
Ich glaube, Thorgan hat gezeigt, was er drauf hat. Ich finde allgemein, dass unsere Transfers sehr sehr gut sind. Thorgan ist nur etwas älter als ich, aber immer noch jung und mit Potential und Flexibilität. Sehr kreativ. Ich hoffe, er ist schnell wieder auf dem Platz.
Ist Ihnen der Supercup wichtig?
Natürlich wird beim Supercup die Messlatte gesetzt, wir werden das nicht als Freundschaftsspiel angehen. Es ist die Generalprobe für die Saison. Ich habe noch nie im Supercup gespielt, daher wird es sehr interessant. Ich habe die Trophäe noch nicht in der Vitrine.
Wer ist Ihr Meisterschaftskandidat?
Es gibt viele gute Mannschaften: Leipzig hat sich als Nummer drei etabliert, viele Transfers getätigt. Dadurch, dass ich in Leverkusen war, natürlich auch Leverkusen. In der Vorbereitung haben sie nicht das Optimum rausgeholt, aber trotzdem zähle ich sie dazu. Auch Gladbach mit dem neuen Trainer Marco Rose. Es gibt immer Mannschaften wie Eintracht Frankfurt zum Beispiel. Ich erwarte nicht nur den FC Bayern und Borussia Dortmund, sondern vier, fünf weitere Mannschaften.
Haben Sie eine Wette mit Kai Havertz?
Noch nicht. Letzte Saison haben wir gewettet, wer mehr Scorerpunkte sammelt. Wir sind ständig in Kontakt und werden uns noch was überlegen.