Mikel Merino - Vom Dortmund-Flop zum Last-Minute-Helden
Der Leidensweg von Spaniens WM-Held Mikel Merino ist lang. 2016 wechselte er als viel umworbenes Talent nach Dortmund, doch dort spielte er keine Rolle.
14.07.2026 | 15:50 Uhr
Zehn Jahre später liegt ein Weg voller Höhen und Tiefen hinter ihm. Das Ziel: der WM-Pokal – der jetzt zum Greifen nah ist.
Von Fabio Desiderio
Eine Dekade ist es bereits her, da scoutete Borussia Dortmund den damals 20-jährigen Mikel Merino bei CA Osasuna aus Spanien. Die Perlentaucher des BVB sind sich sicher: Er könnte das nächste Juwel im schwarzgelben Mittelfeld werden.
Doch dazu kommt es nicht, die Konkurrenz um Mario Götze, Marco Reus, Shinji Kagawa und Co. ist schlichtweg zu groß. Der damalige BVB-Coach und Taktikenthusiast Thomas Tuchel lässt Merino nur zweimal über die volle Distanz spielen - in der Innenverteidigung.
Über die Premier League nach Spanien und wieder zurück
Das Kapitel Dortmund endet für Merino nach nur einer Saison. Den Spanier zieht es in die Premier League zu Newcastle United, für die er immerhin 25 Partien bestreitet. Bei den Magpies blieb Merino ebenfalls nur eine Spielzeit, ehe ihn der Ruf aus der Heimat lockte.
Bei Real Sociedad nahm Merinos Karriere dann so richtig Fahrt auf. Der Mittelfeldmotor wurde zum unumstrittenen Stammspieler und qualifizierte sich mit den Basken 2022 sogar für die Champions League. Merino musste nach seinem Premier-League-Abenteuer zunächst einen symbolischen Schritt zurückgehen, um in Spanien gleich mehrere nach vorne zu machen. Nach sechs Jahren bei Real Sociedad stand Merino erneut vor dem Scheideweg.
Der FC Arsenal hatte Merinos Entwicklung beobachtet. Landsmann, Gunners-Coach und Namensvetter Mikel Arteta wollte Merino unbedingt verpflichten. Doch direkt im ersten Mannschaftstraining mit den Gunners folgte die Hiobsbotschaft.
Nach einem Zusammenprall mit Innenverteidiger Gabriel Magalhaes zog sich Merino eine Schulterverletzung zu und fiel mehrere Wochen aus. Doch Merino blieb positiv und gab sich kämpferisch: "So eine Verletzung habe ich noch nie erlebt. Der Zeitpunkt war natürlich alles andere als ideal, aber ich versuche immer, das Positive darin zu sehen. Die Verletzung hat mir viel Zeit gegeben, nachzudenken, meine Mitspieler und das Trainerteam besser kennenzulernen und an mir selbst zu arbeiten - sowohl taktisch als auch körperlich. Ich glaube, dass ich heute ein deutlich besserer Spieler bin als noch vor vier Wochen."
Spaniens Geheimwaffe Merino
Mikel Merino gilt im Mittelfeld als vielseitig einsetzbar. In Dortmund spielte er auch mal in der Defensive, doch jede weitere Position in der Offensive war für Merino Neuland - bis Arteta eine gute Idee entwickelte, die ihn ungläubig zurückließ: "Ich habe in den sozialen Medien gelesen, dass ich im nächsten Spiel als Stürmer eingesetzt werden soll. Ehrlich gesagt musste ich erst einmal lachen. Aber dann kam der Trainer zu mir und sagte, dass es tatsächlich passieren könnte." Genau so kam es dann. In seiner ersten Saison erzielte Merino, häufig als Joker, sieben Tore.
Diese Torgefahr zeigte Merino auch schon häufiger im Trikot der spanischen Nationalmannschaft. Im Viertelfinale der Europameisterschaft 2024 traf er gegen Deutschland in der 119. Minute, nachdem er erst in der 80. Minute eingewechselt worden war. Zwei Jahre später benötigt Merino noch weniger Spielzeit, um seiner Rolle als Last-Minute-Schreck gerecht zu werden. Dabei sah es im Januar sogar noch danach aus, als würde er die WM verpassen.
Anfang 2026 erlitt Merino einen Ermüdungsbruch im Fuß, der ihn monatelang außer Gefecht setzte. Insgesamt sammelte er von Januar bis zum Start der WM magere 28 Minuten Spielzeit. Für Spaniens Trainer Luis de la Fuente kein Grund, auf seinen zuverlässigen Edelreservisten zu verzichten. Merino wurde rechtzeitig fit und zahlte das Vertrauen in den wichtigsten Momenten zurück.
Doppelter Last-Minute-Merino in acht Minuten Spielzeit
Im Achtelfinale gegen Portugal wurde Merino in der 85. Minute eingewechselt - nur sechs Minuten später gab es das mittlerweile obligatorische Tänzchen an der Eckfahne. Der mittlerweile 30-Jährige ist kein Torjäger im üblichen Sinne - trotzdem weiß er genau, wo er stehen muss.
Eine Runde später beendete Merino die WM-Träume von Belgiens Goldener Generation. Das Schema ist identisch - Merinos Effizienz fast schon beängstigend. In der 86. Minute kam er für Dani Olmo ins Spiel. Nach Cubarsis Schuss aus der Distanz ließ Belgiens Keeper Lammens die Kugel nach vorne abprallen - wo Merino lauerte und Spanien erneut eine Runde weiterschoss (88.).
Zwei Siege ist der WM-Pokal für Merino nun noch entfernt. Lange sah es für Spaniens Geheimwaffe nicht danach aus. Verletzungen und Karriereschritte, die Merino zurückwarfen, verzögerten seine Entwicklung. Doch jetzt scheint er endlich angekommen zu sein. Ob der Traum vom WM-Titel mit der Furia Roja weiterlebt, zeigt sich am Dienstag (21 Uhr MESZ) im Gigantenduell gegen Frankreich. Ob der Last-Minute-Mann auch dann wieder so spät zuschlagen wird?
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