Sammer über Deutschland, Neuer, Musiala, Sane, Zverev

Matthias Sammer hat sich in einer neuen Folge "Sammer & Basile – der Hagedorn-Talk" bei Sky Sport zu zahlreichen Themen geäußert.

Wie weit kommt das DFB-Team bei der WM?
Image: Wie weit kommt das DFB-Team bei der WM?  © Imago

Der Europameister von 1996 spricht unter anderem über die Titelchancen der deutschen Mannschaft bei der WM, Jamal Musiala und Leroy Sane.

Matthias Sammer über…

… die Titelchancen der deutschen Nationalmannschaft:

"Ich bin davon überzeugt, dass wir eine gute Mannschaft haben, dass wir etwas erreichen können. Und das wirkt sich immer positiv auf das Land und auf die Begeisterung aus. Wir brauchen nicht, wie 2006, dieses Gekünstelte und so: Der eine hat die Fahne draußen, der andere hat sie nicht draußen. Also Enthusiasmus und Nationalstolz - das ist alles auch ein Stück weit wichtig, aber es müsste ehrlich sein, in Verbindung mit einer Sachlichkeit, dass wir einfach gut sind. Und ich glaube an uns: Wir sind gut."

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Die DFB-Elf ist für die WM gerüstet. Das Team von Julian Nagelsmann gewinnt seine Generalprobe gegen Gastgeber USA 2:1. Mit seinem Tor in der 57. Minute sorgt der oft umstrittene Leroy Sane für den moralisch wichtigen Erfolg.

… was die DFB-Elf von Sascha Zverev lernen kann:

"Durchhaltevermögen ist für meine Begriffe sehr, sehr wichtig. Das ist erst einmal der erste Punkt. Der zweite Punkt ist, dass man immer glaubt, von vornherein sagen zu müssen: Das ist ein Champion oder das ist eher ein Loser. Zverev ist natürlich immer wieder damit konfrontiert worden. In einer Art und Weise, die unangenehm ist, weil gesagt wurde: Ja, er kann keinen Grand Slam gewinnen. Er hat ja auch ein paar Finals verloren. Ich bin jetzt nicht extrem im Tennis drin, aber ich habe großen Respekt davor, dranzubleiben. Dann ist er wegen seines Vaters und seines Bruders kritisiert worden, mit der Frage, ob das das richtige Umfeld ist. Er ist stabil geblieben und hat das jetzt erreicht. Und was kann man daraus lernen? Dass Aufgeben grundsätzlich keine Option ist und man an sich glauben muss. Dass man bei diesem Glauben natürlich auch immer wieder analytisch versucht, das Beste aus sich herauszuholen. Deshalb glaube ich, dass das, was er erreicht hat, aufgrund dessen, dass er viele Finals verloren hat, aber auch aufgrund seiner Diabeteserkrankung, zeigt, dass im Sport Wille und Ehrgeiz Attribute sind, die durchaus wertvoll sein können, wenn man es denn will. Deshalb ist der Wille für mich immer entscheidend, nicht aufzugeben."

… über Manuel Neuer:

"Grundsätzlich hat Manuel Neuer aufgrund seiner übergeordneten Stellung und aufgrund seiner Erfolge natürlich eine besondere Stellung. Jetzt kann man sagen, man geht diesen Kompromiss ein oder man geht ihn nicht ein. Also: Es geht um Qualität. Manuel ist so erfahren, er braucht kein Vorbereitungsspiel gegen Amerika oder gegen Finnland. Das braucht er nicht. Er kann dann im Tor stehen. Er hatte ja auch die eine oder andere Blessur in der Bundesliga. Dementsprechend gilt: Wenn er fit ist und Julian Nagelsmann die Entscheidung trifft, dann wird er spielen. Oder Baumann wird spielen. Baumann hat sich gut verhalten. Er hat sich nicht groß locken lassen und nicht irgendwie gesagt: 'Ja, dann fahre ich vielleicht nicht mit.' Du musst im Leistungssport immer sehen, deine Rolle zu spielen, da zu sein, wenn es notwendig ist, und dann erfolgreich zu sein. Ganz erfolgreich zu sein, geht nie mit einem einfachen Weg. Deshalb bin ich da guter Dinge, dass es gut sein wird, egal wer im Tor steht."

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Die Rückholaktion von Manuel Neuer zur WM 2026 war das Thema der letzten Wochen. Nach der WM-Generalprobe gegen die USA äußert sich nun auch Oliver Baumann erstmals zu seiner Degradierung und seiner Beziehung zu Neuer.

Nachfrage Riccardo Basile: Gibt es irgendwann einen Zeitpunkt, an dem Julian Nagelsmann sagen sollte: 'Jetzt wechsle ich dann aber nicht mehr?'

Sammer: "Also das sind Eventualitäten, die man sich ja nur wünschen kann, dass sie eintreten: Dass der eine dann richtig gesund wird - zu welchem Zeitpunkt auch immer - und der andere Weltklasse ist. Dann musst du auch Entscheidungen, die du von vornherein anders angedacht hast, die aber durch die Praxis eingeholt wurden, natürlich möglicherweise korrigieren. Aber auch da: Willkommen im Leben..."

… über Jamal Musiala:

"Er könnte theoretisch sogar den Unterschied machen, weil er nicht so ausgelaugt ist wie der eine oder andere nach dieser Saison, sondern auch körperlich möglicherweise frischer ist. Gegen Finnland hat er getroffen, hat sein Törchen gemacht, sodass er sukzessive immer einen Schritt weitergeht. Und ich habe einfach gelernt: Wenn ein Weltklasse-Spieler nicht gerade einen Nagel im Kopf hat - und das hat er nicht, davon bin ich total überzeugt -, dann sollte man diesem Spieler vertrauen und ihn mittragen. Der Trainerstab und seine Mitspieler sollten ihm das Gefühl geben: Ja, wir wissen, es ist noch nicht bei 100 Prozent, aber es wird. Mach mit, wir vertrauen dir. Vertrau du uns. Dann trägt man sich ein Stück weit gemeinsam, und dann kann es sein - vielleicht nicht im ersten Turnierspiel, vielleicht im zweiten Turnierspiel -, dass man sagt: Ah, okay, wir sind weiter. Dann kommt die K.-o.-Phase und plötzlich schießt er durch die Decke. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Musiala die Unterstützung - intern wie extern - des Landes verdient hat."

…über Leroy Sane:

"Leroy Sane ist ein völlig anderer Typ, bei dem du einschätzen musst - auch nach dem Länderspiel gegen die Amerikaner oder insgesamt anhand seines bisherigen Weges -, dass du zwischendurch denkst: 'Ja, was macht er denn? Wo ist er denn? Spielt er überhaupt mit? Ist er überhaupt da?' Und dann plötzlich, nach der Pause, geht er rechts durch, spielt den Ball nach innen und hat schon eine gute Aktion. Dann macht er plötzlich sein Törchen. Und dann zeigt er plötzlich diesen Geniestreich, und danach taucht er wieder zwei-, dreimal ab. Das ist Leroy Sane. Das muss man wissen und integrieren. Und wenn eine Mannschaft stark genug ist, das zu tolerieren und auch mal auf sein Momentum warten zu können, dann ist Sane ein Unterschiedsspieler."

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Leroy Sane zeigt es allen Kritikern und sorgt mit seinem Treffer für den Sieg gegen die USA und damit eine gelungene WM-Generalprobe. Für ihn persönlich sei das Tor nicht wichtig, er denke nur an das Team.

… über Max Eberl und die Rolle eines Sportvorstandes aus seiner Sicht:

"Der Sportvorstand hat nicht die Aufgabe, allein Entscheidungen zu treffen. Das geschieht immer in einem Gremium. Er hat aber dann die Entscheidungen zu treffen, wie arbeiten die Beteiligten im täglichen Geschäft? Läuft das mit dem Trainer? Funktioniert das mit dem Staff? Funktioniert das mit den Spielern? Werden die Spieler besser? Wird das Kapital erhöht oder wird es vernichtet? Das sind Aufgaben eines Sportvorstands: darauf zu achten - gemeinsam mit den jeweiligen Verantwortlichen. Deshalb kann ich die ganze Diskussion, Transfers oder Entscheidungen einer einzelnen Person zuzuordnen, nullkommanull nachvollziehen. Wir reden deshalb mehr darüber, dass wir uns jemanden heraussuchen, obwohl wir die tatsächlichen Abläufe gar nicht beurteilen können. Über die sportliche Entwicklung reden wir dagegen kaum noch. Und der FC Bayern München hat eine hervorragende sportliche Entwicklung genommen - in der Art und Weise, wie die Mannschaft gespielt hat, und in der Art und Weise, wie sich die Spieler entwickelt haben. Meine Botschaft an Bayern München, obwohl ich gar nicht in der Lage bin, das zu beurteilen, weil ich ja weg bin: Meine Botschaft wäre eigentlich mehr 'Wir'. Und dass jeder in seinem Bereich die tägliche Arbeit gut macht."

… ob die Bayern Michael Olise für 150 Millionen verkaufen sollten:

"Wenn sie ihre Rechnungen bezahlen können - Nein! Warum? Weil es ein Signal ist. Der FC Bayern ist kein Verkäuferklub!"

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