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SC Freiburg News: Trotz Waldschmidt, Schwolow & Koch erfolgreich

Mühsam, aber stetig! Freiburgs heimlicher Weg nach oben

Lars Pricken

13.10.2020 | 11:57 Uhr

Rekordtransfer Baptiste Santamaria steht sinnbildlich für die Entwicklung des SC Freiburg.
Image: Rekordtransfer Baptiste Santamaria steht sinnbildlich für die Entwicklung des SC Freiburg. © Imago

Der SC Freiburg steht jedes Jahr vor der gleichen Problematik. Die größten Leistungsträger verlassen den Breisgau, was unwillkürlich dazu führt, dass der Verein sich neu finden muss. Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass er stagniert.

Würde man aus den Freiburger Abgängen der letzten zehn Jahre eine Elf basteln, stünde eine Mannschaft da, die wohl nicht als Abstiegs- sondern Europa-League-Aspirant in die Saison gehen würde. Roman Bürki, Caglar Söyüncü, Matthias Ginter, Vladimir Darida, Max Kruse, Papiss Demba Cisse und, und, und...

Auch in diesem Sommer musste Christian Streich sich von gleich drei absoluten Leistungsträgern verabschieden. Keeper Alexander Schwolow (Hertha BSC), Abwehrchef Robin Koch (Leeds United) und Nationalstürmer Gian-Luca Waldschmidt (Benfica Lissabon) folgten dem Ruf größerer Vereine und ließen das beschauliche Baden hinter sich.

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Hurra-Fußball mit Absicherung - trotz namhafter Abgänge

Der nächste Neuanfang also? Nicht ganz. Zwar musste der Tabellenzwölfte in der abgelaufenen Transferperiode wieder einmal viel Qualität ersetzen, doch die ersten drei Spieltage haben deutlich gezeigt: Freiburg startet nicht von Null. Der Kader ist wie im Vorjahr ausgewogen, der dargebotene Fußball hat zumindest in seiner Form nichts mit dem Abstiegskampf zu tun.

Klar, auch Paderborn hat nicht gemauert und musste sich trotz Hurra-Fußball wieder aus der Bundesliga verabschieden, doch Trainer Streich lässt seine Mannschaft nicht ins offene Messer rennen. In der Transferphase wurden die richtigen Lücken geschlossen und passende Spieler in den Klub geholt. Auch die große, teils falsche Bescheidenheit der vergangenen Jahre legt der Verein Stück für Stück ab.

Zum Transfer Update: Alle Wechsel, alle Gerüchte

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Wunschspieler wird zu Rekordtransfer

Mit Baptiste Santamaria haben die Breisgauer erstmals in ihrer Historie einen zweistelligen Millionenbetrag für die Dienste eines Profis ausgegeben. Der 25-jährige Rekordtransfer kam vom französischen Erstligist SCO Angers und dürfte nicht allen Fußball-Fans ein Begriff gewesen sein. Doch die ersten Auftritte des zentralen Mittelfeldspielers zeigen: Hier haben die Freiburger für ihre zehn Millionen Euro wohl einen kleinen Transfercoup gelandet.

Der Franzose gilt als absoluter Wunschspieler von Trainer Streich, der händeringend nach einem echten Hochkaräter im Zentrum gesucht hat. Defensiv robust, sicher am Ball und gleichermaßen selbstbewusst wie versiert, sich auch mal aus der zweiten Reihe ein Herz zu fassen und abzuziehen. Im ersten Pflichtspiel für den SCF gegen den VfL Wolfsburg war er Antreiber und Abräumer zugleich.

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Freiburgs-Trainer Christian Streich über Neuzugang Baptiste Santamaría

Am Ende reichte es nur zu einem 1:1, wobei die teils drückend überlegene Streich-Elf bei effektiverer Chancenverwertung als Sieger vom Platz hätte gehen müssen. Hinzu kommen ein 3:2-Sieg im Derby gegen den VfB Stuttgart und eine erwartbare 0:4-Pleite gegen den starken BVB. Vier Punkte aus drei Spielen sind keine auffallend schlechte Bilanz, aber in Anbetracht von Spielweise und Gegnern noch lange nicht das Limit.

Müller, Demirovic und Til: Freiburg macht seine Hausaufgaben

Neben Santamaria haben die Freiburger auch im Tor einen Glücksgriff gelandet. Der eigentliche Plan, auf die ehemalige Nummer zwei Mark Flekken zu setzen, musste schon vor dem Pokalspiel gegen Waldhof Mannheim ad acta gelegt werden. Der Keeper riss sich Bänder und Sehnen im Ellbogen, fällt mindestens ein halbes Jahr aus und musste schnell ersetzt werden. Sportdirektor Klemens Hartenbach reagierte und tütete binnen weniger Tage die Leihe von Mainz-Torwart Florian Müller ein. Der macht bislang eine äußerst gute Figur.

Zwei Neuzugänge, die noch nicht wirklich in Erscheinung getreten sind: Ermedin Demirovic und Guus Til. Während Stürmer Demirovic wohl noch ein wenig Anlaufzeit braucht, warten die Freiburger gespannt auf die sich nähernde Genesung des Letztgenannten. Auch der an den Bändern verletzte Niederländer ist ein kleiner Coup des SCF.

Der 22-Jährige ist leihweise von Spartak Moskau geholt worden. Zwar war er dort nur Rotationsspieler, doch noch im Vorjahr war der damals 20-Jährige Kapitän von AZ Alkmaar und galt als eines der vielversprechendsten Mittelfeldtalente der Eredivisie. Nicht grundlos gaben die Russen im letzten Sommer noch 16 Millionen Euro für Til aus.

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Gewappnet für die Corona-Krise - neues Stadion ein Statement

Solche Verpflichtungen sind gerade in der ersten Transferperiode zu Corona-Zeiten beachtlich. Während andere Vereine mit der eigenen Existenz zu kämpfen haben, blieb es im Breisgau auffällig still. Und das, obwohl erst in diesem Sommer das neue "SC-Stadion" fertiggestellt wurde, welches nach Angaben des Vereins stolze 76 Millionen Euro gekostet hat.

Die Freiburger stehen trotz namhafter Abgänge also keineswegs vor einem Neuanfang. Die harte, kontinuierliche Arbeit macht sich bezahlt. In kleinen Schritten ist der Verein zu immer mehr fähig, ersetzt Leistungsträger gekonnt, zeigt kreativen und temporeichen Fußball und ist auch in Sachen Infrastruktur auf dem großen Schauplatz Bundesliga angekommen.

Dass der große Wurf nach Europa gelingt, scheint nicht weiter entfernt, als die Abstiegsränge. Der Freiburger Weg ist klar: einen Schritt zurück, zwei Schritte nach vorne.

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