Simon Rödder: So arbeitet Dortmunds Verhandlungsführer beim BVB
Simon Rödder ist seit August 2025 als Verhandlungsführer von Borussia Dortmund tätig. Im Auftrag der BVB-Geschäftsführung begleitet er Transfer-Gespräche und soll dabei vor allem wirtschaftlich effiziente Lösungen erzielen.
21.08.2026 | 18:15 Uhr
Simon Rödder wurde von Lars Ricken zum Referenten der Sport-Geschäftsführung und für die Verhandlungsführung geholt. Beim BVB sitzt er inzwischen bei nahezu jedem Transfer-Deal mit am Tisch.
Von Patrick Berger und Luca Sixtus
In diesen Tagen ist Rödder häufig am Telefon zu sehen. Hektisch läuft er in Brackel zwischen der BVB-Geschäftsstelle und dem Profitrakt hin und her - meist mit Smartphone am Ohr, Notizblock und Laptop unter dem Arm. Öffentlich tritt er dagegen kaum in Erscheinung. Borussia Dortmund hält den Verhandlungsführer bewusst aus dem Rampenlicht. Medienanfragen werden abgeblockt, öffentliche Fotos oder Videos gibt es kaum. Rödder ist der Mann im Hintergrund, über den in der Branche dennoch viel gesprochen wird.
Ricken holte ihn zum BVB
BVB-Sportboss Lars Ricken holte Rödder im August 2025 als Referenten der Sport-Geschäftsführung und für die neu geschaffene Stabsstelle Verhandlungsführung nach Dortmund. Die Aufgabe begründete Ricken damals mit der zunehmenden finanziellen Dimension des Profifußballs.
"Da im Profifußball mit enormen Beträgen agiert wird, ist es für mich ein Gebot der Verantwortung, dass wir uns auch im Bereich Verhandlungsführung kontinuierlich weiterentwickeln", sagte Ricken damals. Rödder sei ein ausgewiesener Experte, der ihn zugleich in weiteren Themen unterstützen solle.
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Seit seinem Amtsantritt ist Rödder bei allen Transferverhandlungen der Schwarz-Gelben eingebunden. Er vertritt dabei die Interessen der Geschäftsführung, erstellt Angebote und übermittelt diese per E-Mail im Auftrag der Sportführung an Klubs und Spielerberater. Teilweise sitzt er auch direkt mit am Verhandlungstisch. Bei der Verpflichtung etwa von Aaron Anselmino vom FC Chelsea im vergangenen Winter soll er eine wichtige Rolle gespielt haben.
Vom Amateurfußball in die Bundesliga
Rödders Vita ist für einen 31-Jährigen ungewöhnlich, hat er doch beruflich schon viel erlebt. Der frühere Amateurfußballer des TSV Buxtehude studierte Betriebswirtschaftslehre in Münster sowie "Internationales Management". Zudem arbeitete er an einem McKinsey-Forschungsprojekt zur globalen Fußballbranche mit und war am Aufbau von SciSports beteiligt, einem Unternehmen, das sich mit Spielerrekrutierung und Datenanalyse beschäftigt. Rödder arbeitete zudem bei The Gap Partnership, einer global aktiven Beratung für Verhandlungsführung und stieg dort zum Verhandlungschef für den weltweiten Sportsektor auf.
Seine ersten Erfahrungen im Profifußball sammelte Rödder bereits 2013 bei einem Praktikum im Football Operations Management des VfL Wolfsburg. Auch mit dem BVB beschäftigte er sich laut Spox schon vor seiner Anstellung in Dortmund. Laut Spox analysierte Rödder 2022 die damaligen Gerüchte über einen möglichen Wechsel von Cristiano Ronaldo zum BVB. Dabei zeigte er auf, wie der Portugiese trotz seines hohen Alters und der enormen Gehaltskosten für Dortmund kommerziell interessant sein könnte.
Er bringt seine Methoden auch anderen Klubs bei
Rödder vermittelt sein Wissen nicht nur innerhalb des BVB. Gemeinsam mit DFB und DFL bietet er einen Workshop für Bundesliga-Manager zum Thema „Verhandlungskompetenz im Profi-Fußball" an. Die dreitägige Schulung kostet 5900 Euro netto. Auf der DFB-Homepage wird Rödder mit einem klaren Anspruch zitiert: "Ein hohes Verständnis von Verhandlungsführung führt dazu, dass der gesamte deutsche Fußball profitiert."
In seinen Workshops geht es unter anderem darum, wie sich die Macht von Spielerberatern begrenzen lässt und wie Bonuszahlungen als strategisches Instrument in Verhandlungen eingesetzt werden können. Genau diese Ansätze versucht Rödder auch beim BVB anzuwenden.
Fixbetrag niedrig, Boni hoch
Ein Beispiel ist der Poker um Said El Mala vom 1. FC Köln. Die Dortmunder haben in den Verhandlungen zunächst mit einem vergleichsweise niedrigen Fixbetrag und hohen Bonuszahlungen gearbeitet. Die Idee dahinter: sich bei den Verhandlungen Schritt für Schritt an die Vorstellungen des abgebenden Klubs heranzuarbeiten.
In Köln kam diese Strategie allerdings nicht gut an. Aus dem Geißbockheim war zu hören, dass man lieber direkt mit BVB-Geschäftsführer Lars Ricken oder Sportdirektor Ole Book verhandelt hätte - und weniger mit einem bis dahin unbekannten Verhandlungsführer, der vor allem ausschließlich per E-Mail kommunizierte. Ricken hatte Rödder mit dem Ziel nach Dortmund geholt, "Prozesse im Sport professioneller und effizienter zu gestalten".
Nicht jeder ist von seiner Art überzeugt
In der Branche wird Rödders Arbeitsweise unterschiedlich bewertet. Nach Sky Sport Informationen sehen einige Spielerberater und Sportchefs den Dortmunder kritisch. Vor allem bei Beratern sorgt sein Ansatz für Unmut, weil Rödder offenbar darauf bedacht ist, auch bei Provisionen Kosten zu reduzieren.
Dabei wird ihm grundsätzlich Fachkompetenz und ein hohes Maß an Expertise zugeschrieben. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die ihm im sogenannten People Business Fußball das notwendige Fingerspitzengefühl und die Menschenkenntnis absprechen. Rödder gilt als stark datengetrieben und konsequent auf die wirtschaftliche Seite einer Verhandlung fokussiert.
Sein Auftrag beim BVB ist schließlich klar: Kosten trimmen, Abläufe optimieren und wirtschaftlich möglichst gute Deals abschließen. Dabei agiert Rödder nicht völlig eigenständig. Seine Schritte sind eng mit Ricken und Sportdirektor Ole Book abgestimmt.
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Erfolge und Rückschläge
Dass Rödders Ansatz nicht immer zum Erfolg führt, zeigen die vergangenen Transferperioden. Der Wechsel von Said El Mala nach Dortmund kam ebenso wenig zustande wie die Verpflichtung einiger Top-Talente, darunter die von Samuel Martinez, der sich stattdessen für den FC Liverpool entschied.
Gleichzeitig gab es auch erfolgreiche Verhandlungen, etwa bei den Transfers von Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias. Rödder bleibt der Schattenmann hinter der Dortmunder Transferstrategie.
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