Stale Solbakken steht mit Norwegen im WM-Viertelfinale - eine bewegende WM-Geschichte
Die Weltmeisterschaft sorgte zuletzt immer wieder für Aufreger - doch sie schreibt genauso ihre ganz besonderen Geschichten.
11.07.2026 | 13:43 Uhr
Die Achterbahnfahrt von Stale Solbakken im Detail.
Von Fabio Desiderio
Er ist der Anführer der "Wikingertruppe": Stale Solbakken. Kurz vor dem Viertelfinale, dem womöglich bisher wichtigsten Spiel seiner Trainer-Karriere, lohnt es sich, einen Blick auf seinen Werdegang zu werfen. Ein Schicksalsschlag sorgte für den Start seiner Laufbahn an der Seitenlinie.
13. März 2001: Stale Solbakken ist Spieler beim dänischen Erstligisten FC Kopenhagen. Die Mannschaft trainierte, als Solbakken plötzlich zusammenbricht - Herzstillstand. Sieben Minuten ist der heutige Nationaltrainer klinisch tot, wie der damalige Mannschaftsarzt Frank Odgaard berichtet: "Es ist ein Wunder, dass er noch lebt."
Geburtsstunde von Solbakkens Trainer-Karriere
26 Stunden lang lag Solbakken bewusstlos im Krankenhaus, angeschlossen an lebenserhaltende Maschinen. Mitarbeiter des Vereins wollten seiner Frau bereits die schreckliche Nachricht überbringen - doch Solbakken überlebte. Bei weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass der heute 58-Jährige einen angeborenen Herzfehler hat. Die Ärzte setzten ihm daraufhin einen Herzschrittmacher ein. Solbakken musste seine Karriere als Spieler gezwungenermaßen beenden und wechselte umgehend ins Trainergeschäft.
Seinen ersten Posten als Chefcoach begann er dort, wo er als Spieler aufhören musste. In sechs Jahren gewann er fünfmal die nationale Meisterschaft. Außerdem qualifizierte sich Kopenhagen unter Solbakken erstmals in der Geschichte des Vereins für die Champions-League-Gruppenphase. Kurz vor seinem ersten Abschied aus Kopenhagen dann die Sensation in der Saison 2010/11: Der dänische Rekordmeister erreichte das Achtelfinale der Königsklasse und scheiterte erst dort am FC Chelsea.
Unglückliches Engagement beim 1. FC Köln
Nach ebenjener Saison verließ der Norweger seine zweite Heimat Dänemark und suchte sein Glück beim 1. FC Köln. Glück fand Solbakken bei den "Geißböcken" allerdings nie so richtig. Nach einer 0:4-Niederlage gegen Mainz 05 am 30. Spieltag und akuter Abstiegsgefahr war das Kapitel Bundesliga für Solbakken wieder Geschichte. Auch Nachfolger Frank Schaefer konnte den anschließenden Abstieg nicht mehr verhindern.
Nach einer ebenso unglücklichen Station bei den Wolverhampton Wanderers in der englischen Championship, die ebenfalls mit dem Abstieg endete, zog es Solbakken zurück nach Kopenhagen. Die "Löwen" aus der dänischen Hauptstadt starteten in die Saison 2013/14 mit fünf Niederlagen, ehe Solbakken übernahm und die Mannschaft standesgemäß zur Meisterschaft führte.
Solbakkens schwerer Start in Norwegen
Sieben Jahre ging die zweite Amtszeit, ehe der FC Kopenhagen seinen Rekord-Trainer (625 Partien als Chefcoach) nach einem schwachen Saisonstart am 10. Oktober vor die Tür setzte. Nur zwei Monate später startete sein Abenteuer als Nationaltrainer Norwegens. Doch auch dort begann seine Reise holprig. Solbakken und die Skandinavier verpassten die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2022 und auch die Europameisterschaft 2024 in Deutschland trotz Norwegens Goldener Generation um Erling Haaland und Co.
Solbakken stand vor einer für ihn richtungsweisenden Entscheidung. Er kündigte an, dass er im Falle eines erneuten Scheiterns und dem Verpassen der Weltmeisterschaft 2026 seinen Posten räumen und zurücktreten würde. Doch dazu kam es nicht. Spätestens in der Qualifikationsgruppe mit Italien als Gegner nahm Solbakkens Fußball-Märchen so richtig Fahrt auf. Die "Wikinger" gewannen alle acht Spiele, darunter zweimal gegen den viermaligen Weltmeister Italien (3:0 und 4:1), und lösten das Ticket für die WM.
In den USA verzaubern die Norweger so manchen Fan. Gemeinsam "rudern" Team und Fans, verwandeln jedes Stadion in einen Hexenkessel und überzeugten bis auf das Spiel gegen Frankreich (1:4) in jeder Partie. Bisheriger Höhepunkt dürfte für Solbakken das Achtelfinale gegen Rekordsieger Brasilien gewesen sein. Haaland schnürte einen Doppelpack und schickte den einstigen Fußball-Giganten zurück in Richtung Heimat.
Ob das Märchen für Norwegen und seinen Coach weitergeht, zeigt sich am Sonntagabend (23:00 Uhr deutscher Zeit bei MagentaTV) im Viertelfinale gegen Thomas Tuchel und die "Three Lions" aus England.
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