Kein Team, keine Medaille - Kommentar zum Viertelfinal-Aus der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft
Die DEB-Stars scheiden bei den Olympischen Spielen im Viertelfinale gegen die Slowakei aus.
19.02.2026 | 00:31 Uhr
Ein Kommentar zum Viertelfinal-Aus der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft.
Aus Mailand berichtet Benjamin Heckner
Das 2:6 im Viertelfinale der Olympische Winterspiele 2026 gegen die Slowakei war ein Debakel. So offen und ehrlich muss man es sagen.
Dass die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft in der Runde der letzten Acht ausscheidet, spiegelt grundsätzlich ihre Qualität wider. Nationen wie die USA, Kanada, Schweden oder Finnland sind - gerade in der Kadertiefe - deutlich besser besetzt. Das ist keine neue Erkenntnis, sondern seit Jahren Realität im internationalen Eishockey.
Doch die Art und Weise dieses 2:6 war beschämend.
Es fehlte an Struktur, an Abstimmung, vor allem aber an einem erkennbaren Miteinander. Dem Trainerteam um Bundestrainer Harold Kreis ist es in keiner Weise gelungen, eine gesunde Mischung und funktionierende Teamchemie zwischen den Profis aus der NHL und den Spielern aus der Deutschen Eishockey Liga zu schaffen.
Im Gegenteil: Hinter vorgehaltener Hand war sogar zu hören, dass mit einigen DEL-Spielern kaum intensive Gespräche geführt wurden. Ein olympisches Turnier gewinnt man nicht allein mit Talent, man gewinnt es mit Vertrauen und klaren Rollen.
Unverständlich bleibt zudem, warum Nico Sturm von den Minnesota Wild in der vierten Reihe kaum Eiszeit erhielt. Gerade ein Spieler seines Profils - defensiv stark, physisch präsent, erfahren auf höchstem Niveau - hätte Stabilität geben können.
Ebenso fragwürdig war die Entscheidung, Leon Draisaitl die Kapitänsbinde zu geben. Natürlich ist er der größte deutsche Name im Eishockey. Aber musste man den ohnehin enormen Druck auf ihn zusätzlich erhöhen? Führung entsteht nicht nur durch ein "C" auf der Brust.
Auch die Personalpolitik im Powerplay wirkte unausgewogen. In der ersten Reihe ausschließlich auf NHL-Spieler zu setzen, zerstörte jede Balance zwischen den Formationen. So entstanden keine eingespielten Blöcke, sondern Hierarchien - und die waren auf dem Eis deutlich spürbar.
Dieses Turnier hat gezeigt: Talent allein reicht nicht. Große Namen allein reichen nicht. Ohne echtes Team, ohne Kommunikation, ohne klares Rollenverständnis gibt es auf olympischer Bühne keine Medaille.
Nun richtet sich der Blick auf die Weltmeisterschaft im Mai in der Schweiz. Es wird spannend zu beobachten sein, wie Harold Kreis mit jenen Spielern umgehen wird, auf die er während Olympia kaum gesetzt hat. Vertrauen zurückzugewinnen ist deutlich schwieriger, als es aufzubauen.
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