Alexander Zverev trifft im Halbfinale der French Open auf Jakub Mensik

Jetzt gilt's für Alexander Zverev. Nach zwei spielfreien Tagen will der Deutsche die letzten zwei Schritte zum Grand-Slam-Triumph gehen.

Alexander Zverev hat eine wohl einmalige Chance, seinen ersten Grand-Slam-Titel zu gewinnen.
Image: Alexander Zverev hat eine wohl einmalige Chance, seinen ersten Grand-Slam-Titel zu gewinnen.  © Imago

Bleibt er mental stabil - oder setzt das Kopfkino ein?

In Badelatschen und kleinen Kopfhörern im Ohr trottete Alexander Zverev tiefenentspannt auf die Pariser Trainingsanlage Jean Bouin. Als er Jakub Mensik bereits fleißig Bälle schlagen sah, warf er einen interessierten Blick auf seinen nächsten Gegner aus Tschechien.

Doch nichts, was er da sah, konnte seiner Gelassenheit etwas anhaben. Seine Titelmission bei den French Open steht zwar vor dem Halbfinale am Freitag (14.30 Uhr/Eurosport) erst recht unter dem Motto "Jetzt oder nie" - doch davon lässt sich der deutsche Tennisstar zumindest äußerlich nicht verrückt machen.

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John McEnroe: Wenn nicht jetzt, dann nie

Zverev habe nun "eine goldene Chance", sagte Boris Becker. Der dreimalige Wimbledon-Gewinner gab aber angesichts von zwei spielfreien Tagen auch zu bedenken: "Das Kopfkino geht natürlich jetzt los." Womöglich, so mutmaßte der Eurosport-Experte, fange Zverevs Kopf "langsam an, nachzudenken, was da passieren könnte".

Und vielleicht auch darüber, was nicht passieren könnte - obwohl seine größten Konkurrenten Jannik Sinner und Novak Djokovic längst raus sind und Titelverteidiger Carlos Alcaraz verletzt fehlt. "Wenn er es jetzt nicht gewinnt", sagte Tennis-Idol John McEnroe, "dann gewinnt er es wahrscheinlich nie".

Zverev lässt sich auf eine solche Diskussion in diesen Tagen nicht ein. Genauso wenig kommt von ihm eine Titelansage. Stattdessen wiederholt der Olympiasieger von 2021 nach jedem Match gebetsmühlenartig: "Ich muss meinem Spiel und mir selbst vertrauen." Wenn er gut spiele, dann habe er '99 Prozent der Arbeit' erledigt.

Becker, Agassi und Co. schwärmen

Und Zverev spielt richtig gut, im Turnierverlauf gab er bislang erst einen Satz ab. Auch zwei Stotterstarts im Achtel- und Viertelfinale brachten den Hamburger nicht aus dem Konzept. Bestätigt der Weltranglistendritte seine Form, muss er weder Halbfinalgegner Mensik noch Flavio Cobolli oder Matteo Arnaldi fürchten. Die beiden Italiener spielen das zweite Halbfinale aus. Das Endspiel findet am Sonntag statt.

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Becker, früher oft eine Art Chefkritiker, bescheinigte Zverev "absolute Weltklasse" beim klaren Viertelfinalsieg gegen Jungstar Rafael Jodar (19). Andre Agassi schwärmt über Zverevs zweiten Paradeschlag nach dem Aufschlag: "Seine Rückhand ist wohl die beste, die wir je im Tennis gesehen haben." Und McEnroe gefällt, dass Zverev mit der Vorhand nun aggressiver und mutiger ist: "Darauf haben wir drei, vier Jahre gewartet."

Mensik mit Krampf in Pressekonferenz

Kann Mensik zum Stolperstein werden? Der 20-Jährige ist einer der am meisten unterschätzten Profis auf der Tour. Auch bei seinem bislang größten Erfolg, dem Masters-Sieg in Miami 2025, sprachen fast alle nur über den unterlegenen Finalgegner Djokovic. Als unscheinbarer Außenseiter will er nun auch Zverevs Titelträume zum Platzen bringen: "Ich freue mich auf die Herausforderung."

Aber hinter seiner Fitness steht ein kleines Fragezeichen. Wegen eines Krampfes musste Mensik die Pressekonferenz nach dem Viertelfinalsieg gegen Joao Fonseca kurz unterbrechen. Zuvor hatte der Weltranglisten-27. im Match in seinem linken Bein "etwas gespürt". Beim Zweitrundensieg war er unmittelbar nach dem verwandelten Matchball von Krämpfen geplagt auf dem Platz zusammengesackt.

"Froh, noch am Leben zu sein"

"Da war ich einfach nur froh, noch am Leben zu sein", sagte Mensik. Die Bilder, wie ein Rollstuhl für Mensik auf den Platz gebracht wurde, dürften Zverev an seine eigene Geschichte in Roland Garros erinnert haben. Vor vier Jahren trat er hier in Topform an und im festen Glauben, selbst Sandplatz-König Rafael Nadal im Halbfinale besiegen zu können. Doch dann knickte er um, zog sich einen mehrfachen Bänderriss im rechten Fuß zu und wurde mit dem Rollstuhl vom Platz geschoben.

Auch das verlorene Finale in Paris vor zwei Jahren im Fünfsatzkrimi gegen Alcaraz schmerzte. Genau wie seine beiden anderen sehr unterschiedlich verlaufenen Grand-Slam-Endspiele bei den US Open 2020 und Australian Open 2025.

dpa

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