Zum Inhalte wechseln

Tennis: Alexander Zverev stärkt Dominic Thiem den Rücken

Dominic Thiem und der unbezwingbare Gegner

Dominic Thiem rutscht in der Weltrangliste immer weiter nach unten.
Image: Dominic Thiem rutscht in der Weltrangliste immer weiter nach unten.  © Imago

Die Negativserie von Dominic Thiem reißt nicht ab. Das Aus bei den French Open war schon die siebte Erstrunden-Niederlage seit seinem Comeback. Längst kämpft der Österreicher nicht mehr nur um den Anschluss in der Weltrangliste, sondern auch gegen sich selbst.

Alexander Zverev, einer der besten Freunde Thiems auf der ATP-Tour, fühlte nach dem neuerlichen Ausscheiden in Paris mit dem Österreicher: "Ich sehe, dass er zu kämpfen hat, auch mental. Er hat hier mehrmals Finale gespielt und kämpft jetzt einfach darum, ein Spiel zu gewinnen", so der an drei gesetzte Hamburger nach der deutlichen Thiem-Klatsche gegen den Bolivianer Hugo Dellien.

Tennis-Kalender 2022

Tennis-Kalender 2022

Wann und wo spielt die Tennis-Elite? Zum Turnier-Kalender 2022.

Unheil nahm vor einem Jahr seinen Lauf

Ziemlich genau vor einem Jahr, im Juni 2021, nahm das Unheil für die ehemalige Nummer drei der Welt seinen Lauf. Beim ATP-Turnier auf Mallorca musste der Österreicher gegen Adrian Mannarino nach einer 5:2-Führung im ersten Satz aufgeben. Die Diagnose war niederschmetternd: Sehnenscheiden-Riss im rechten Handgelenk. Nach mehrwöchiger Pause folgte im August der Wiedereinstieg ins Training. Zu früh. Erneut wurde die Verletzung akut.

Neben dem verfrühten Comeback-Versuch stellte sich im Nachhinein auch eine andere Entscheidung Thiems als schlecht heraus. Zverev gibt Einblicke: "Ich kenne seine Verletzung ein bisschen, weil mein Bruder eine ähnliche Verletzung hatte, aber er hat einen anderen Weg genommen und hat sich operieren lassen. Durch die Operation wird das Handgelenk stärker. Er (Thiem, Anm. d. Red.) hat sich dagegen entschieden."

Zverev fühlt mit seinem Freund

Klarer Doppel-Fehler, wie sich seit der zumindest physischen Rückkehr in den ATP-Kalender Anfang des Jahres zeigt. Die einst so starke Vorhand, die ihm 2020 seinen größten Erfolg beim Gewinn der US-Open bescherte, ist weit weg von Top-Niveau. "Ich glaube, bei manchen Schlägen sieht man, dass das Handgelenk vielleicht ein bisschen wegbricht", analysiert Zverev.

Maddog und Wingman - der neue Sky Tennis Podcast

Maddog und Wingman - der neue Sky Tennis Podcast

Wimbledon-Champion Michael Stich und Sky Experte Patrik Kühnen diskutieren bei "Maddog und Wingman" die spannendsten Themen aus der Welt des Tennissports. Hier geht's zum Podcast!

Mit diesem physischen Nachteil schleppte sich Thiem zurück auf den Platz, wo er in sich selbst dann seinen bislang unbezwingbaren Gegner vorfand. Der Plan des Österreichers sich auf der Challenger-Tour Selbstvertrauen zu erarbeiten, schlug fehl, wie Sky Experte Patrik Kühnen im Maddog & Wingman Podcast bestätigt: "Wenn du da durchkommst, ist es im Nachhinein die richtige Entscheidung. Aber was, wenn nicht? Dann verlierst du auf dem Challenger-Niveau. Du gehst mit noch weniger Selbstvertrauen auf den Platz."

Nadal als Gegenbeispiel

Die Horrorbilanz von nur einem gewonnenen Satz in den sieben Auftritten gegen ausschließlich unbekannte Gegner, schossen den Österreicher mental noch weiter ins Out. Für Sky Experte Michael Stich, fehlte durch dieses mangelnde Selbstvertrauen von Anfang an eine grundlegende Basis für den Erfolg: "Wenn er im Match nicht in der Lage ist, den Ball in sechs Fällen einfach nur ins Feld zu spielen, heißt das, er ist überhaupt nicht ready. Er ist von seiner Basis, von seiner Grundeinstellung her nicht bereit."

Mehr Tennis

Schwerwiegende Verletzungen waren bereits in zahlreichen Köpfen einschneidende Schnitte für die Karriere. Auch Stan Wawrinka, oder Rafael Nadal standen in jüngerer Vergangenheit vor dem Aus. Für Kühnen beweist Letzterer mit seinen 35 Jahren aber eindrucksvoll, wie es anders geht: "Diese Match-Toughness cool zu bleiben in entscheidenden Momenten und nicht nachzudenken, sondern im Automatismus zu bleiben, ist eine Riesenherausforderung. Die Erfahrung, die ein Rafael Nadal hat, ist weitaus größer als die eines Dominic Thiem. Die hat ihm geholfen und vielleicht auch der Respekt, den die Spieler mitbringen, mit einem Nadal auf den Platz zu gehen."

Jetzt Push-Nachrichten zu Deinen Lieblingssportarten!

Jetzt Push-Nachrichten zu Deinen Lieblingssportarten!

Du willst personalisierte Sport-Nachrichten als Push auf dein Handy? Dann hol Dir die Sky Sport App und wähle Deine Lieblingssportarten- und wettbewerbe aus. So funktioniert's.

Stich mit Rat an Thiem: Mit Topspielern trainieren statt Matches spielen

Bei Thiem war dies nicht der Fall und statt zurück nach oben ging für die Fahrt für Thiem in der Weltrangliste bislang rasant nach unten. Mit dem 190. Platz zuletzt befindet er sich auf einen neuen Tiefpunkt. Der Weg zurück wird immer steiniger, die Sorge steigt, dass der Österreicher den Anschluss gänzlich verliert. "Das, was er spielt, kann die junge Generation auch, sogar besser. Sie spielen es härter und ausdauernder. Sie haben keine Scheu.", erklärt Stich.

Für den ehemaligen Olympiasieger muss sich Thiem wieder mit Top-Gegnern nach oben trainieren, anstatt weiter auf der Challenger-Tour kleinen Erfolgen hinterherzujagen. Interessant könnte dabei auch Wimbledon und die Rasensaison werden, die dem Österreicher in Hochzeiten eigentlich weniger lagen: "Das ist nicht sein Lieblingsbelag, aber da kann er neue Dinge ausprobieren.", so Kühnen.

Sky Sport Messenger Service

Sky Sport Messenger Service

Die ganze Welt des Sports in deiner Messenger-App: Hol Dir alle aktuellen Nachrichten von Sky Sport kostenlos per Direktnachricht auf Dein Smartphone!

Kann Thiem seinen größten Gegner doch noch besiegen?

Sich genügend Zeit zu geben und selbst zu reflektieren, ist für die zwei Sky Experten die größte Chance auf ein baldiges Erfolgserlebnis: "In der Vergangenheit hat man gesehen: Wenn ein Spieler die Off-Zeit nutzt, sich neu erfindet und sich hinterfragt und sich weiterentwickelt, sind das Faktoren, die die großen Champions ausmachen."

Champions, die den mächtigsten Gegner am Ende bezwingen. Einen Gegner, der oft nur in einem selbst steckt.

Mehr zu den Autoren und Autorinnen auf skysport.de

Weiterempfehlen: