Tennis: Weltverband ITF kündigte Spielern Dopingtests vorab an
Tennis-Weltverband kündigte Dopingtests wohl vorab an
20.06.2022 | 17:25 Uhr
Dem Tennis-Weltverband ITF wird in einem Bericht der englischen Zeitung Mail on Sunday vorgeworfen, Spielern Dopingtests vorab angekündigt zu haben.
Demnach soll die ITF die Spieler vor den US Open 2021 gewarnt haben, dass sie für den biologischen Athletenpass (ABP) eine Blutprobe abgeben müssten. Die Profis seien auch vor den US Open 2019 und den diesjährigen Miami Open Ende März aufgefordert worden, über das Online-Anti-Doping-Portal Zeitfenster für diese Tests zu buchen, schreibt das Blatt.
Eine entsprechende Nachricht von Nicole Sapstead, Leiterin des Anti-Doping-Programms der ITF, liegt der Zeitung nach eigenen Angaben vor. Damit hätten die Spieler vier Tage Vorlaufzeit für ihren Test gehabt. "Ich glaube nicht, dass die ITF ankündigen sollte, wann sie Dopingtests bei Sportlern durchführt", wird Luis Horta, der ehemalige Leiter der portugiesischen Anti-Doping-Agentur, zitiert.
Das Anti-Doping-Programm der ITF wird von der International Tennis Integrity Agency (ITIA), einer unabhängigen Einrichtung, durchgeführt. "Wir sind komplett konform zum Welt-Anti-Doping-Code", teilte die ITIA am Sonntag auf Anfrage mit.
Unabhängige Einrichtung für ITF zuständig
In den "Leitlinien für den biologischen Athletenpass" der Welt-Anti-Doping-Agentur heißt es zu "Dopingkontrollen und Definition der Zielathleten", dass gezielte Tests dem Zufallsprinzip vorgezogen werden sollten, um die Wirksamkeit des ABP zu verbessern. Außerdem werde die Aufdeckung von Doping verbessert, "wenn sowohl Dopingtests innerhalb und außerhalb des Wettkampfs ohne Vorankündigung strategisch über das Jahr verteilt" werden.
Der Weltverband nimmt laut Bericht wie viele andere Sportweltverbände auch für den ABP das ganze Jahr über Blutproben von Spielern. Anhand des Athletenpasses können Veränderungen der Blutparameter und damit mögliche Dopingverstöße festgestellt worden. So kann Blutdoping durch die Einnahme des die Ausdauer erhöhenden Erythropoietin (EPO) durch Anomalien in den Biomarkern eines Spielers nachgewiesen werden.
"Das Ziel ist es, Daten von so vielen Spielern wie möglich zu sammeln, damit wir über eine möglichst breite Datenbasis verfügen", hieß es in einer der Mail on Sunday vorliegenden Erklärung der ITIA. Logistisch gesehen sei es daher sinnvoll, "dies ein- oder zweimal im Jahr im Voraus zu arrangieren", damit so viele Spieler wie möglich getestet werden könnten.
Unzureichender Anti-Doping-Kampf
Der Anti-Doping-Kampf im Tennis wird schon länger als unzureichend bewertet. 2016 hatte Roger Federer angemerkt, dass er in seiner Saisonvorbereitung in Dubai in zehn Jahren nur einmal getestet worden sei.
Auch die NADA, Deutschlands Anti-Doping-Agentur, hatte sich einst über den Weltverband beschwert. Beim WTA-Turnier in Stuttgart hätten die Kontrollen 35 Tage im Voraus angesetzt werden müssen, es mache "wenig Sinn, da noch von Zielkontrollen zu sprechen", sagte NADA-Vorstand Andrea Gotzmann 2019. Die NADA verzichtete deshalb auf Dopingtests in Stuttgart.
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