Tennis Wimbledon: Tatjana Maria verliert Halbfinale gegen Ons Jabeur
Marias Finaltraum geplatzt: Jabeur gewinnt das "Familienduell"
07.07.2022 | 18:43 Uhr
Das Halbfinale gegen Ons Jabeur war für Tatjana Maria Endstation. Die 34-Jährige verpasste es, als sechste Deutsche ins Endspiel von Wimbledon einzuziehen.
Tatjana Marias Wimbledon-Traumreise ist beendet: Auf den Tag genau 37 Jahre nach Boris Beckers erstem Triumph im All England Club verlor die 34-Jährige im Halbfinale gegen ihre gute Freundin Ons Jabeur (Tunesien) mit 2:6, 6:3, 1:6. Jabeur steht als erste Afrikanerin im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers, Maria verabschiedete sich lächelnd mit vielen Kusshänden ans Publikum vom heiligsten Rasen der Tenniswelt.
Bislang standen erst fünf deutsche Spielerinnen in Wimbledon im Finale: die siebenmalige Siegerin Steffi Graf, außerdem Angelique Kerber, Sabine Lisicki, Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel. Marias Hoffnung, sich in diese illustre Reihe einzugliedern, überdauerte nur einen Satz.
Jabeur trifft im Finale auf Rybakina
Marias Bezwingerin Jabeur trifft im Endspiel von Wimbledon auf die Kasachin Jelena Rybakina. Die 23-Jährige setzte sich im zweiten Halbfinale am Donnerstag etwas überraschend in 75 Minuten klar mit 6:3, 6:3 gegen die frühere Siegerin Simona Halep aus Rumänien durch. Für die an Nummer 17 gesetzte Rybakina ist es das erste Grand-Slam-Finale ihrer Karriere. Auch Jabeur gibt ihre Endspiel-Premiere bei einem der vier großen Turniere des Jahres.
Jabeur steigert sich in Satz eins konstant
Mit einem leisen Lächeln hatte Maria den Center Court betreten, auf dem sie zum dritten Mal in ihrer Karriere spielen durfte. Gleich ihr erstes Aufschlagspiel dauerte sieben Minuten - inklusive der Abwehr von drei Breakbällen, unzähligen Stops und vielen Netzattacken. Die Deutsche behielt ihren Aufschlag, weil Jabeur vor allem auf der Vorhand Schwächen offenbarte und sich erst auf das Spiel ihrer Gegnerin einstellen musste.
Dann kam Jabeur besser ins Match, das Break zum 3:1 konnte Maria noch zum 3:2 kontern, doch dann zog Jabeur mit ihrem schnellen, druckvollen Spiel auf 5:2 davon. Maria versuchte nun, deutlich aggressiver zu agieren, dabei allerdings machte sie dabei zu viele Fehler. Jabeur, mit mittlerweile 84 Siegen auf der WTA-Tour in diesem Jahr die erfolgreichste Spielerin, wurde immer druckvoller, immer souveräner. Maria konnte sich aus der Defensive kaum einmal befreien, nach 38 Minuten verwandelte Jabeur ihren ersten Satzball zum 6:2.
Maria stellt Jabeur vor Probleme
Jabeur war im gesamten ersten Durchgang die aggressivere, mutigere Spielerin. "Tatjana darf sich nicht immer auf dieses klein-klein einlassen, sie muss auch mal richtig durchziehen", sagte der frühere Wimbledonsieger Michael Stich als Co-Kommentator von Sky: "Da ist noch keine Taktik in Tatjanas Spiel zu erkennen. Sie macht viel zu viele unforced errors."
Sobald allerdings Maria den Slice länger spielte und das Tempo wechselte, bekam Jabeur Probleme. Von hinten konnte Maria das Match gegen die dynamische Jabeur nicht gewinnen, sie musste sich einen anderen Weg einfallen lassen.
Das tat sie. Im zweiten Durchgang wurde ihr Spiel deutlich sicherer, sie hatte mehr Länge in ihren Schlägen und agierte auch druckvoller von der Grundlinie und am Netz. Das Break zum 3:1 war der Lohn für Maria, die dennoch viele Punkte verschenkte, weil sie nicht den direkten Weg ging, sondern hin und wieder einen "Zauberball" spielen wollte.
Das Match gewann an Qualität, beide Spielerinnen hatten ihre anfängliche Nervosität abgelegt. "Sie sind jetzt beide bemüht, den Punkt zu gewinnen, und nicht, ihn nicht zu verlieren", sagte Stich. Maria erhöhte auf 4:1, blieb über 5:2 dran und schaffte nach einer Stunde und 17 Minuten mit 6:3 den Satzausgleich.
Maria schwach im dritten Satz
Im dritten Durchgang ging bei Maria nichts mehr. Nach zwei Breaks von Jabeur stand es schnell 4:0 für die Tunesierin. Jabeur ließ nichts mehr zu, Maria wirkte müde und resigniert, nach insgesamt 1:42 Stunden Spielzeit war das am Ende sehr einseitige Match beendet.
Wenigstens eine gute Nachricht gab es für Maria an diesem Tag: Die Frau ihres Bruders hatte am Morgen ihr zweites Kind zur Welt gebracht. "Heute Morgen bin ich wieder Tante geworden", sagte sie vor dem Match: "Die Familie ist wieder ein bisschen größer geworden." Auch Tante Ons wird sich bestimmt darüber freuen.