Wimbledon 2018: Federer, Zverev und Co. im Favoritencheck
Wimbledon ab Montag live auf Sky
03.07.2018 | 14:45 Uhr
Ab Montag 12:15 Uhr berichtet Sky wieder live und exklusiv vom Tennis-Event des Jahres. Unsere Kommentatoren Stefan Hempel, Marcel Meinert, Paul Häuser, Roland Evers und Kai Dittmann melden sich zur "Mutter aller Turniere" mit ihren Einschätzungen. Hier der Experten-Check zu den Herren der Schöpfung.
Favoritencheck:
Marcel Meinert: "Der Wimbledon-Sieg geht nur über Roger Federer, und auch die Auslosung spricht für den Maestro. Kommt er ins Rollen, dürfte er nur schwer zu stoppen sein. Doch die Vorbereitungsturniere haben gezeigt, dass er den Nimbus der Unbesiegbarkeit auf Rasen verloren hat. Die Final-Niederlage in Halle hinterlässt Fragezeichen. Größte Konkurrenten sind für mich die aufschlagstarken Marin Cilic, Kevin Anderson, vielleicht sogar Nick Kyrgios und eventuell auch Alexander Zverev. Auch Rafael Nadal muss man ohne Rasen-Vorbereitung auf dem Zettel haben - vorausgesetzt er erreicht die zweite Woche. Ein Drittrunden-Match gegen Mischa Zverev könnte ein Knackpunkt sein."
Stefan Hempel: "Den leichtesten Weg hat wohl Nadal erwischt. Im Zverev-Viertel spitzt es sich zu mit Kyrgios und Djokovic. Ich erwarte im Halbfinale Federer-Cilic/Raonic und Djokovic-Nadal. Klar ist Federer der Favorit als Rekordchampion, aber die anderen sind näher gekommen. Seine exponierte Stellung ist nicht mehr so herausragend. Im Achtelfinale könnte es gegen Borna Coric gehen, eine enorme Herausforderung."
Paul Häuser: "Vor zehn Jahren kam es zum bislang wohl besten Match in der Tennis-Historie im Wimbledon-Finale zwischen Roger Federer und Rafael Nadal. Gut möglich, dass es dieses Jahr zur Neuauflage kommt. Federer hat auf dem Weg zu Titel Nummer neun aber eine heftige Auslosung erwischt. Achtelfinale evtl. Coric, Viertelfinale evtl. Anderson, das haut rein. Und deshalb rechne ich eher mit einem Aus im Halbfinale gegen Marin Cilic, den Vorjahresfinalisten und ganz heißen Anwärter in diesem Jahr. Dazu habe ich den Djoker und auch Sascha Zverev auf der Rechnung. Der große Auslosungsgewinner ist für mich aber Rafael Nadal und deshalb traue ich ihm auch den Channel-Slam so wie 2008 und 2010 zu. Erst die French Open und dann auch noch Wimbledon."
Kai Dittmann: "Marin Cilic hat die Chance auf den ganz großen Wurf. Der Kroate bringt alles mit, hat im Queens Club gewonnen und wirkt von der "alten Garde" aktuell am stabilsten. Federer, Nadal und Djokovic haben im Vergleich zum 29 Jahre alten Cilic immer wieder mit kleineren und größeren Problemen zu kämpfen."
Roland Evers: "Finale Federer gegen Nadal? Warum nicht! Der Titel geht über den Schweizer aber seine Form scheint nicht so stark wie im Vorjahr. Trotzdem wird es schwer ihn zu schlagen. Am ehesten zuzutrauen ist es den Herren Cilic, del Potro (wenn die Fitness stimmt) und vielleicht Djokovic und Dimitrov. Thiem und Zverev können froh sein wenn sie weit kommen."
Sky überträgt am 2. Juli 2018 ab 13:50 Uhr das Eröffnungsspiel zwischen Roger Federer und Dusan Lajovic live im Free-TV auf Sky Sport News HD und im kostenlosen Livestream hier auf skysport.de.
Alexander Zverev - Status quo:
Häuser: "Wie befreit kann Sascha Zverev schon aufspielen nach seinem Muskelriss im Oberschenkel bei den French Open im Viertelfinale? Die Auslosung ist heftig, aber die ersten Runden sollte er gut packen. Im Achtelfinale winkt der Clash mit Kumpel Nick Kyrgios, im Viertelfinale dann Dominic Thiem oder der Djoker. Im Halbfinale könnte es dann gegen Nadal gehen. Ich traue ihm das Finale trotzdem zu, aber dafür muss alles passen. Der Weg ist so brutal. Ich tippe auf eine bärenstarke Leistung und erst dem Aus im Halbfinale nach hartem Kampf gegen Nadal. Das wäre dann eine neue Bestmarke auf Grand-Slam-Ebene."
Dittmann: "Für den Hamburger gilt in diesem Jahr eine neue Zeitrechnung. Vom unbekümmert aufspielenden Herausforderer rüber auf die Seite der Favoriten. Das, zusammen mit der kürzlich erlittenen Oberschenkelverletzung, macht Wimbledon für Zverev zu einer sehr speziellen Aufgabe. Das Zeug, zwei Wochen im Turnier zu bleiben, hat der 21-Jährige allemal."
Evers: "Ich fürchte wie immer in Wimbledon kaum ein Kandidat für die 2. Woche. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren!"
Hempel: "Es wird gegen Kyrgios als möglicher Gegner im Achtelfinale mit Sicherheit eine Wundertüte. Da ist viel drin. Er muss seine Qualität auch auf die Anzeige bringen und gegen deutliche schwächere Gegner klarer gewinnen und seine Kräfte bei einem Grand-Slam-Turnier besser einteilen."
Meinert: "Der Frust über das Erstrunden-Aus in Halle ist verarbeitet, der Oberschenkel hält. Zverev darf optimistisch nach vorne blicken, auch die Auslosung kommt ihm entgegen. Die zweite Woche muss drin sein und ein Achtelfinale gegen Nick Kyrgios wäre ein Highlight des Turniers."
Chancen der anderen Deutschen:
Meinert: "Die starken Ergebnisse auf Sand konnten in der kurzen Rasensaison nicht bestätigt werden. In Halle stand gar das schlechteste deutsche Abschneiden seit 22 Jahren zu Buche. Jan-Lennard Struff hat zwar das Spiel für Gras, aber nicht die Nerven. Florian Mayer wäre ein Erfolgserlebnis bei seinem letzten Wimbledon zu wünschen. Die beste Form zeigt eindeutig Mischa Zverev. Als klassischer Serve & Volley-Spieler ist er für jeden Spieler im Draw eine Gefahr."
Evers: "Kaum einer mit Chancen etwas Großes zu bewegen. Mischa Zverev könnte überraschen."
Dittmann: "Philipp Kohlschreiber war bisher nicht in allerbester Form, die anderen hatten nicht das ganz große Glück bei der Auslosung - dennoch traue ich neben Alexander Zverev zwei oder drei deutschen Männern die zweite Woche in Wimbledon zu."
Häuser: "Mischa Zverev könnte in Runde Drei auf Rafael Nadal treffen. Die dritte Runde traue ich auch Florian Mayer zu, aber auch Maximilian Marterer. Philipp Kohlschreiber ist eingerahmt von starken Aufschlägern und Rasenverstehern wie Gilles Muller, Kevin Anderson und Sam Querrey. Sich da rauszukämpfen ist leider sehr unwahrscheinlich.
Hempel: "Außer Sascha Zverev traue ich leider niemanden den Sprung in die zweite Woche in diesem Jahr zu."
Dark Horses - Players to watch:
Dittmann: "Ginge es nur um Tennis, wäre bei mir Nick Kyrgios ganz weit oben auf der Liste. Der Australier spielt ein wunderbar variantenreiches, unberechenbares Tennis. Sein rüpelhaftes Verhalten - zuletzt die obszöne Geste in Queens - finde ich nicht unterhaltsam, sondern unerträglich. So bleibt an der Spitze ein Borna Coric. Der 21 Jahre alte Kroate wartet bei Grand Slams und erst recht auf Rasen noch auf den Durchbruch. In Halle hat er Alexander Zverev und im Finale Roger Federer geschlagen. Der Anfang ist gemacht!"
Evers: "Mein Außenseitertipp: Nick Kyrgios. Auch weil ich ihn gerne im Finale sehen würde! Aufpassen auf Coric, Andersson und Isner."
Hempel: "Borna Coric ist für mich sehr gefährlich nach seinem Sieg in Halle. Wenn er gut serviert, warum nicht? Eine echte Aufgabe für Federer im Achtelfinale, wenn es dazu kommt und ein spannendes Déjà-vu."
Häuser: "Die Grieche Stefanos Tsitsipas ist ein Riesentalent, der auch auf Rasen mit seinem Spiel dominieren kann. Ein Duell in der 3. Runde gegen Dimitrov, das hätte was und ich könnte mir dann sehr gut einen Upset vorstellen. Immer auf dem Zettel habe ich Lucas Pouille, den hochveranlagten Franzosen und auch Fabio Fognini, den wilden Italiener. Ein ganz heißer Tipp für mich ist aber auch Feliciano Lopez, ein echter Rasenexperte."
Typisch Wimbledon:
Meinert: "Tradition & Moderne wachsen immer mehr zusammen. Wimbledon hat ein spezielles Flair, mehr als Erdbeeren und Sahne! Die Organisatoren blicken voraus und entwickeln das Turnier sehr bewusst stetig weiter, bewahren aber den typischen Charme. Nur in Wimbledon und im komplett weißen Outfit kommt die ganze Eleganz dieses Sports zum Ausdruck."
Hempel: "Typisch ist der Blick zum Himmel. Die Wetter-Apps werden wieder malträtiert werden. Es heißt wieder einmal Daumen drücken, für gutes Wetter und dass uns lange Regenpausen erspart bleiben.
Häuser: "Die Tradition ist überall spürbar und gleichzeitig ist dieses Event keineswegs angestaubt, sondern ein riesiges Happening. Die Zuschauer sind so diszipliniert und ruhig wie bei keinem anderen Turnier und trotzdem ist eine riesige Tennisbegeisterung und Leidenschaft für den Sport spürbar. Es ist die Mutter aller Tennisturniere und für die meisten Spielerinnen und Spieler das größte Event des Jahres. Daran hat sich nichts geändert und daran wird sich auch lange nichts ändern."