Merlin Polzin: HSV zögert mit Vertragsverlängerung trotz Aufstiegserfolg

Merlin Polzin hat beim HSV weiterhin keinen neuen Vertrag unterschrieben. Trotz erfolgreicher Arbeit laufen die Verhandlungen mit dem Trainerteam noch immer.

Der HSV setzt bei Merlin Polzin auf Geduld statt Schnelligkeit. Nach zwei Niederlagen wächst jedoch der Druck auf beide Seiten.

Es wäre gewiss ein wenig übertrieben, den Grat, auf dem die Verantwortungsträger im Volkspark wandeln, als Rasierklinge zu bezeichnen. Und doch wird die Linie, auf der derzeit die Zukunft von Merlin Polzin und dessen Trainerteam verhandelt wird, von Woche zu Woche schmaler - vielleicht sogar ein wenig schärfer.

Der Aufstiegs- und Klassenerhalts-Coach sowie dessen Mitstreiter Loic Fave, Richard Krohn und Max Bergmann sind mit auslaufenden Verträgen in die mutmaßlich komplizierte zweite Saison geschickt worden. Ungewöhnlich - und für das Quartett womöglich auch unbefriedigend.

Nach zwei Niederlagen - vor allem der sehr schmerzhaften 0:5-Heimklatsche gegen Mainz - stellt sich inzwischen eine pikante Frage: Platzen die angedachten neuen Verträge im Falle von weiteren Pleiten? Entstehen möglicherweise sogar grundsätzliche Vorbehalte, falls der HSV mit einer unbefriedigenden Punkteausbeute in die Länderspielpause gehen sollte?

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Nach zwei Spielen steht der Hamburger SV am letzten Tabellenplatz. Wie kommt der Traditionsverein aus diesem Loch raus? Sollte diese Leistung auch am dritten Spieltag, könnte sich die Chef-Etage einschalten.

Es warten komplizierte Aufgaben

In Leipzig und daheim gegen Köln warten komplizierte Aufgaben auf das neu zusammengestellte Hamburger Ensemble, und die optimistischen Absichtserklärungen der vergangenen Monate drohen zu Lippenbekenntnissen zu werden, wenn die schriftliche Fixierung der bisherigen Verhandlungen weiterhin ausbleibt. Eine nicht repräsentative Erhebung in der Branche hat jedenfalls ergeben, dass die Abläufe im Volkspark für Verwunderung unter den Fachleuten sorgen.

Es war ja vollkommen klar, dass eine derart grundsätzliche Entscheidung wie die Verlängerung der Trainer-Verträge nicht getroffen werden kann, ohne dass die neue Sport-Vorständin sich ein umfängliches Bild gemacht hat. Kathleen Krüger hat ihren Dienst im Volkspark am 1. Juli angetreten.

Zwei Monate sollten aus der Sicht vieler Beobachter ausreichen, um im High-Speed-Business Bundesliga beurteilen zu können, ob ein Trainer sich als ausreichend qualifiziert erweist - oder eben nicht. Vor dem ersten Spieltag eine klare Kante zu ziehen, hätte sowohl dem Verein als auch Polzin und seinem Trainerteam lästige Nachfragen erspart.

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Dass die HSV-Bosse nach dem Genauigkeit-vor-Schnelligkeits-Prinzip verfahren, ist vernünftig und verantwortungsbewusst. Nach der sichtbar guten Arbeit, die Polzin, Fave, Krohn und Bergmann in den vergangenen anderthalb Jahren geliefert haben, ist aber auch klar, dass alle vier Trainer auf marktgerechte Bedingungen in ihren Arbeitspapieren pochen.

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Sky Sport präsentiert die wichtigsten Stimmen zur Heimpleite des HSV gegen Mainz 05.

Polzin: "Es ist völlig legitim, dass man sich die Zeit nimmt"

Details aus den Verhandlungen sind natürlich nicht öffentlich. Es ist gleichwohl anzunehmen, dass Polzin nicht als Einzelkämpfer, sondern auch im Sinne seiner hochgeschätzten Assistenten verhandelt - beziehungsweise verhandeln lässt. Der Cheftrainer zu Sky Sport: "Ich glaube, das, was wir in den vergangenen Jahren in Hamburg gemeinsam mit allen, die an unserer Seite stehen, aufbauen konnten, spricht für sich. Und das ist auch der Weg, den wir als Verein weitergehen wollen. Es ist völlig legitim, dass man sich die Zeit nimmt - gerade im Fall von Kathleen -, die Trainer besser kennenzulernen, Abläufe zu sehen und zu schauen, ob das mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt. Das haben wir getan. Jetzt geht es noch um Kleinigkeiten, die wir weiterhin gemeinsam besprechen. Der Fokus liegt trotzdem voll auf Leipzig. Durch diese Thematik kann sich keiner von uns herausnehmen."

Also keine Reibungsverluste im Trainerteam durch die Hängepartie am Verhandlungstisch. Eine Einschätzung des Betroffenen, die natürlich weiter unter dem öffentlichen Brennglas überprüft werden wird. Das Stirnrunzeln ist bei fachkundigen Insidern derweil allerdings ähnlich flächendeckend verbreitet wie bei vielen emotionalen HSV-Anhängern.

Polzin, der bekanntermaßen selbst große Teile seiner Jugend im Fan-Block seines Klubs verbracht hat, hat bislang eine beachtliche Erfolgsgeschichte geschrieben. Jetzt muss er den hochgelobten Kader schnellstens auf Kurs trimmen. Dass ihm das mit einer geklärten Vertragslage im Gepäck etwas leichter fallen würde, ist zwar spekulativ, aufgrund von Erfahrungswerten in vergleichbaren Situationen aber mindestens denkbar - vielleicht sogar wahrscheinlich.

Mehr zum Autor Sven Töllner

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