HSV startet so schlecht wie nie in die Bundesliga-Saison - vier Fragen rund um den Hamburger SV
Der HSV ist nach dem 0:5 gegen Mainz 05 so schlecht wie nie zuvor in eine Bundesliga-Saison gestartet. Nach zwei Spieltagen stehen null Punkte und 0:7 Tore zu Buche.
07.09.2026 | 20:06 Uhr
Die deutliche Heimniederlage gegen Mainz verändert die Wahrnehmung rund um den Aufsteiger. Plötzlich stehen Kader, Trainerteam und Saisonziele im Fokus.
An der Fallhöhe hatten sie selbst tüchtig mitgestrickt. Nicht aus Übermut oder Realitätsverklärung - Sportdirektor Claus Costa und Scouting-Boss Sebastian Dirscherl hatten gemeinsam mit Vorständin Kathleen Krüger, der jüngst dazugestoßenen nächsthöheren Instanz, einfach einen exzellenten Job gemacht. Der Kader - ein Kunstwerk? Das sicher nicht - aber viel Lob für die Einkaufspolitik der Hamburger samt überaus optimistischer Hochrechnungen sämtlicher Branchenbewerter. Seit dem späten Sonntagnachmittag fallen die Prognosen spürbar defensiver aus.
"Ein Brett", hat es Daniel Heuer Fernandes, am Sonntag der einzige Hamburger mit Bundesliga-Format, genannt - dieses 0:5 gegen Mainz 05. Ein Heimauftakt, der den Saisonstart zu einem historischen Ereignis macht, auf das der geschichtsträchtige Uwe-Seeler-Klub liebend gern verzichtet hätte. Null Punkte und 0:7 Tore nach zwei Spielen. So schlecht ist der HSV noch nie in eine Bundesliga-Saison gestartet. Nach der erwartbaren Start-Niederlage gegen Dortmund ändert die üble Klatsche die Lesart der Lage im Volkspark.
Kann Fabio Vieira der Erlöser-Rolle gerecht werden?
Das führt zu ein paar Fragen. Zum Beispiel: Sind die Zugänge womöglich doch nicht so gut wie der Ruf, der ihnen vorausgeeilt ist? Zu diesem Urteil zu kommen, wäre nach nur einem Spiel außerordentlich unfair. Beim Vortrag gegen Mainz war das Kollektiv so schwach wie seine Einzelteile. Mit Ausnahme von Heuer Fernandes hat gegen Mainz kein Mitglied des Hamburgers Ensembles - weder alte noch neue - Bundesliga-Tauglichkeit nachgewiesen. Es spricht sehr viel dafür, dass das kein Dauerzustand sein wird.
Eine weitere Frage lautet: Kann Fabio Vieira der Erlöser-Rolle gerecht werden, die ihm seit seiner Rückkehr aus London von Teilen der Öffentlichkeit zugeteilt worden ist? Der Portugiese war bei Arsenal chancenlos, hat beim HSV in der vergangenen Saison aber zweifelsfrei nachgewiesen, dass er für die Hamburger den Unterschied machen kann. Nach einer zähflüssigen Anpassungsphase wurde der Edeltechniker zum besten Torschützen und (neben Vuskovic) absoluten Publikumsliebling. Die Erwartungen sind dementsprechend immens. Vieira wird beweisen müssen, dass er dieser Rolle charakterlich gewachsen ist.
(Noch) ungeklärte Vertragssituation von Polzin & Co. droht zum Dilemma zu werden
Da die Verträge von Merlin Polzin und dessen Mitstreitern Loic Favé und Richard Krohn noch immer nicht auf den vorverabredeten neuesten Stand getrimmt wurden (laufen Ende der Saison aus), wird bei anhaltender Start-Flaute möglicherweise eine weitere Frage aufkommen: Wird die Verlängerung der drei Verträge noch einmal überdacht? Dafür spricht nicht viel. Glaubhafte Absichtserklärungen aller Beteiligten sind seit Wochen öffentlich.
Dass offenbar um Details gerungen werden muss, lässt aber sehr wohl den Rückschluss zu, dass es ungeklärte Aspekte gibt. Nach einer möglichen Niederlage in Leipzig könnte ein neuer Vertrag zwar als ein beachtlicher Vertrauensbeweis verstanden und als Signal genutzt werden, um die grundsätzliche unerschütterliche Überzeugung in die Qualitäten des Hamburger Erfolgs-Trainer-Trios zu dokumentieren. Bei einer vierten Pleite - danach geht's daheim gegen Köln - würde der riskante Schachzug den Entscheidern jedoch schmerzhaft auf die Füße fallen. Die offene Angelegenheit droht zu einem Dilemma zu werden.
Die vorerst letzte Frage lautet: Kann der HSV in Leipzig gewinnen? Die Antwort lautet: Ja, selbstverständlich. Der schwache Auftritt der sächsischen Bullen in Bremen hat genauso für allgemeine Verwunderung gesorgt, wie die Leistung der Norddeutschen. Schließlich war Werder zuletzt unter den dringenden Verdacht geraten, als mutmaßlicher Top-Abstiegskandidat durch die Saison zu stolpern. Die Misserfolgs-Prognosen für die Grün-Weißen sind seit dem Wochenende ein wenig leiser geworden. Alle Beobachter sind also gut beraten, dem HSV vor (!) dem dritten (!!) Spieltag nicht allzu laut eine schwierige Saison vorherzusagen. Denn mit einem Erfolg in Leipzig würden sich manche aufgeworfenen Fragen zunächst einmal nicht mehr stellen.
Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.