Toto Wolff ratlos: Mercedes-Update sorgt für schlechtes Malaysia-Qualifying
Ausgerechnet das mit Spannung erwartete Aerodynamik-Update hat Mercedes in Sepang offenbar zurückgeworfen. Nach einem enttäuschenden Qualifying zeigte sich Teamchef Toto Wolff ratlos und sprach von einer unerwartet schlechten Leistung.
03.10.2026 | 13:58 Uhr
Statt des erhofften Fortschritts folgte Ernüchterung: Das erste große Upgrade des Jahres entwickelt sich für Mercedes vorerst zum Problem.
Während in der Red-Bull-Garage lautstark die erste Pole Position des Jahres durch Max Verstappen bejubelt wird, ist die Laune beim Mercedes-Team in Malaysia von Enttäuschung getrübt. Lediglich der dritte Startplatz für WM-Leader Kimi Antonelli sowie die siebte Position für Baku-Polesetter George Russell - durch die Grid-Strafe von Isack Hadjar, der beim Qualifying eigentlich auf Platz drei gefahren war, geht es für die Silberpfeile jeweils einen Spot nach vorne - stellen den diese Saison bisher fast unantastbaren Rennstall vor Rätsel. "Im Moment sind wir ein bisschen ratlos", erklärt Teamchef Toto Wolff nach der Qualifikation am Sky Sport Mikrofon.
Dabei hatte sich Mercedes vom Bahrain-GP, der durch die angespannte Lage im Nahen Osten stellvertretend auf dem Sepang International Circuit bei Kuala Lumpur ausgetragen wird, mit einem umfassenden Aero-Update den nächsten, großen Schritt nach vorne erhofft.
Update als Downgrade?
Bereits Wochen im Voraus sorgte das geplante Paket für Raunen im Paddock, gleich mehrere Zehntel Vorteil pro Runde versprach sich das Team aus Brackley. Stattdessen folgte nach einem schwierigen Test-Freitag am Samstag eine Klatsche. "Unglaublich enttäuschend", resümiert Wolff. "Wir haben ein Update auf das Auto gepackt, was es ein paar Zehntel hätte schneller machen sollen. Im Endeffekt sind wir ein paar Zehntel langsamer geworden. So einen Rückstand haben wir nie gehabt."
Insbesondere mehr Abtrieb sollte das Mercedes-Update bringen - diesen haben Antonelli und Russell auch gefunden. Doch auf dem schnellen Kurs von Sepang, geprägt durch gleich vier längere Geraden, stand dieser den Rundenzeiten wohl eher im Weg. "Die paar Zehntel verlieren wir auf den Geraden, weil wir mehr Luftwiderstand haben. Das hatten wir so nicht erwartet", so der frustrierte Wolff weiter.
Besonders nach dem erfolgreichen Wochenende in Baku tut das Ergebnis weh: Auf dem Kurs in Aserbaidschan, bekannt für seine ewig lange Start-Ziel-Gerade, holte Russell eine klare Pole Position mit beinahe achteinhalb Zehnteln Vorsprung auf den Ferrari von Charles Leclerc. Den gigantischen Vorteil scheint das Update vorerst gefressen zu haben.
In Sepang gibt es für den "neuen" Mercedes schlicht zu viele Geraden und zu flüssige Übergänge, erklärt Sky Sport F1 Experte Ralf Schumacher. "Es gibt einfach zu wenige Bremspunkte und langsame Kurven, wo du den Rückstand wieder aufholen kannst."
Bessere Chancen im Rennen?
Für das Qualifying gibt es jedoch keine Punkte. Die Rennen in Malaysia sind historisch unberechenbar, die extremen Temperaturen und der raue Asphalt bewiesen sich als Reifenfresser. Mehr Abtrieb sollte da eigentlich helfen, doch laut Wolff spreche im Rennen (Sonntag, ab 8 Uhr LIVE auf Sky Sport F1) "nichts" für eine Mercedes-Chance. Zwar hielten die Reifen lange durch, die Bestwerte hätte jedoch die Konkurrenz. Zudem werde auch der Luftwiderstand zu einem Problem. "Es ist uns noch nie passiert, dass ein Update so danebengeraten wäre".
Auch Auswirkungen auf den WM-Kampf zwischen Antonelli und Russell sind wahrscheinlich. Der Brite hoffte vor dem Wochenende noch auf einen Vorteil durch das Update: "Ich weiß mittlerweile, was ich vom Auto und von mir selbst brauche, ich fühle mich nicht mehr so verloren" und ergänzte: "Hoffentlich spielt mir das Upgrade an diesem Wochenende noch ein bisschen mehr in die Karten".
Wirbelt der Regen alles durcheinander?
Das Gegenteil trat ein, Russell steht vier Plätze hinter seinem Teamkollegen und WM-Konkurrenten. "Es ist schwierig. Beide Autos rutschen überall, da ist der Kimi vielleicht noch ein bisschen besser mit zurechtgekommen", analysiert Wolff. Antonelli müsse nun Ruhe bewahren, erklärt Schumacher später: "Das ist seine Aufgabe für dieses Wochenende, die Nerven zu behalten. Das Auto kann er jetzt nicht ändern. Er kann das Beste daraus machen. Lewis (Hamilton, Anm. d. Red.) ist zwar vor ihm, aber da gibt es genug Punkte Unterschied".
Ausgerechnet Malaysias Unberechenbarkeit könnte am Sonntag zum großen Mercedes-Vorteil werden. Bislang blieben alle Sitzungen des Rennwochenendes überraschend trocken, am Renntag gibt es ein erhöhtes Risiko für Gewitter und Regen. Das Downforce-Plus des geupdateten W17 könnte im Falle nasser Bedingungen doch noch seine positive Wirkung entfalten.
Gleichzeitig besteht für die WM-Kontrahenten ein großes Risiko: Noch kein einziges Mal in dieser Saison wurden die aktuellen F1-Boliden mit ihrem verstärkten Hybrid-Anteil in Regenbedingungen auf die Probe gestellt. Entsprechend unberechenbar ist, wer als großer Gewinner aus Malaysia hervorgeht.
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.