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Formel 1 Kolumne: Glock über Silverstone, Schumacher, Zhous Unfall und Ferrari

Glock: Mick Schumachers Punkte waren "längst überfällig"

Die Sky Kolumne von Timo Glock.
Image: Die Sky Kolumne von Timo Glock.  © Sky

Sky Experte Timo Glock beleuchtet in seiner Kolumne die wichtigsten Themen rund um den Formel-1-Zirkus. Nach dem Silverstone-GP blickt er auf die ersten Punktgewinne von Schumacher, einen emotionalen Vettel sowie einen Strategiefehler von Ferrari und die gute Form von Lewis Hamilton.

Es war ein mega-wichtiges Ergebnis für Mick Schumacher, bei dem die Punkte längst überfällig waren. Er hatte des Öfteren das Glück nicht auf seiner Seite und wurde immer wieder auch von technischen Fehlern geplagt oder durchlebte unrunde Wochenenden, in die er schon mit einem Rückstand startete, weil beim 1. Freien Training bereits irgendwas schiefging. Natürlich hat er auch den einen oder anderen Fahrfehler gehabt, aber das passiert eben, wenn man ans Limit geht.

Für ihn war es auch teamintern wichtig, so klar schneller zu sein gegenüber seinem Teamkollegen Kevin Magnussen, der das ganze Wochenende Probleme hatte. Man hat es im 3. Freien Training gesehen und der Speed im Rennen war ebenfalls wirklich gut. Auch im Vergleich mit manchen Fahrern aus den Top-Ten wie Fernando Alonso oder Sebastian Vettel war er stark unterwegs und hat einen guten Speed gehabt.

Gänsehaut beim Verstappen-Schumacher-Duell kurz vor Rennende

Was Kollege Peter Hardenacke gut auf dem Punkt gebracht hat: Die Art und Weise, wie Mick Schumacher das macht, mit dieser Ruhe, mit dieser Ausgeglichenheit, sich nicht aus Derselben bringen zu lassen. Sich auch in unangenehmen Situationen, die auch Teamchef Günther Steiner zum Teil hervorgebracht hat, hinters Team zu stellen, das macht er sehr, sehr gut für seine 23 Jahre - überragend gut!

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Verstappen & Mick liefern sich enges Duell auf den letzten Metern

Ich glaube, dass wenn der Knoten geplatzt ist, ob das in der Formel 3 war oder in der Formel 2, dann setzte das nochmal Energie frei und dann fiel eine Last von den Schultern. Das hat man auch gestern gemerkt. Das ganze Fahrerlager war happy für ihn, weil es längst überfällig war. Ich glaube, dass ihm das Auftrieb geben kann. Und das Gute ist ja, dass jetzt mit dem Großen Preis von Österreich direkt ein weiteres Rennwochenende kommt, wo er an dieser starken Leistung anknüpfen kann. Ich freue mich sehr für ihn.

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Ich habe kurz vor dem Ende in den zwei, drei Runden mit Max Verstappen teilweise sogar Gänsehaut gehabt. Auch das hat der Haas-Pilot sehr clever gemacht. Er hat immer wieder geguckt, ob eine Chance da ist, hat nichts Überhastetes getan, hat es aber zum Schluss nochmal aggressiv versucht. Ein Max Verstappen ist da jedoch gnadenlos. Mick hat zur richtigen Zeit zurückgezogen und die Punkte mitgenommen, die nicht nur für ihn sondern auch fürs Team wichtig waren.

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Verlängert Sebastian Vettel?

Gleiches gilt für Sebastian Vettel, der uns den gesamten Sonntag schon emotional mitgenommen hat. Allein die Fahrt mit dem Auto von Nigel Mansell. Die Augen haben gestrahlt danach, das haben wir im Interview mit ihm gesehen. Er war emotional selbst total ergriffen von der Fahrt und dann Mansell zu sehen, der am Zaun steht und die Faust nach oben reckt.

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''Emotionaler'' Mansell sieht Vettel sein altes Auto fahren und freut sich für den ''unglaublichen'' Typ.

Mit dem Rennen, in dem er von Platz 18 in die Punkte gefahren ist, hat er sich selbst noch ein schönes Geburtstagsgeschenk gemacht. Das hatte er verdient, weil er ein cleveres Rennen gefahren ist, einen guten Speed hatte und die Reifen lange unter Kontrolle halten konnte. Das war wichtig für das Team, das dadurch sieht, dass der Speed, wenn es trocken ist und alles passt, da ist und immer besser wird. Im Nassen hat man klare Probleme, das hat man gesehen. Woher die Probleme kommen, muss noch analysiert werden. Dennoch hat es mich sehr für ihn gefreut, dass er an seinem Geburtstag einen runden Sonntag hatte.

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Vettel über seine Fahrt im Auto von Nigel Mansell: ''Ich war aufgeregt. Aber das Auto hat mich permanent angeschrien. Los, da geht noch was.''

Was seine Vertragsverlängerung angeht, müssen wir einfach abwarten. Sebastian wird sich die Zeit nehmen, weil er schauen möchte, wie weit sich das Team noch entwickelt. Wenn das in eine positive Richtung geht, glaube ich, dass wir Sebastian weiterhin im Aston Martin sehen werden.

Ferrari macht einen strategischen Fehler, der Punkte gekostet hat

Ferrari hat in meinen Augen erneut einen strategischen Fehler gemacht. Auch wenn man argumentiert, dass man Charles Leclerc aufgrund der Track Position draußen gelassen habe, hätte man ihn reinholen müssen. Ich glaube nicht, dass Lewis Hamilton dann auf der Strecke geblieben wäre, weil man bei Mercedes wusste, dass man mit abgefahrenen Reifen gegen die Top-Teams auf weichen Slicks keine Chance gehabt hätte. Wäre Hamilton draußen geblieben, wäre Leclerc wahrscheinlich genau hinter ihm aus der Box gekommen und hätte ihn sich sofort geholt.

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Meiner Meinung nach hätte man entweder beide gleichzeitig reinholen müssen, was dann natürlich ein kleiner Nachteil für Carlos Sainz gewesen wäre. Oder man hätte Sainz draußen lassen müssen und Leclerc nur in die Box rufen dürfen. Das war ein klarer strategischer Fehler, der Ferrari Punkte gekostet hat. Man hätte wieder die Chance gehabt, Verstappen deutlich mehr Punkte abzunehmen. Was man getan hat, ist, dass man Sainz ermöglicht hat, seinen ersten Formel-1-Sieg zu holen, was einen natürlich auch für ihn freut, weil er es nach 150 Grands Prix verdient hat, endlich ein Rennen zu gewinnen. Trotzdem muss sich Ferrari da anders aufstellen, wenn man ein ernstes Wort um den Titel mitreden möchte.

Mercedes nähert sich Red Bull und Ferrari an

Lewis holte am Sonntag sein zweites Podium in Folge. Man hat gesehen, dass Mercedes mehr und mehr zurück in die richtige Spur findet. Die Silberpfeile haben eine bessere Balance für die beiden Autos gefunden, speziell bei Hamilton, der in der Vergangenheit mehr Probleme mit dem Bouncing hatte, was seinen Fahrstil mehr beeinträchtigt hat als den seines Teamkollegen George Russell.

Sobald Hamilton ein Auto zur Verfügung hat, das ihm Vertrauen gibt, kann er das abrufen, was er im letzten Jahr gezeigt hat. Er hat einen guten Speed gezeigt und konnte die Reifen sehr lange in einem guten Fenster halten. Das gibt Hoffnung, dass die Teams in den Top Drei näher zusammenrücken und wir einen spannenden Kampf sehen. Wir müssen nun erstmal abwarten, ob das nur eine Eintagsfliege war, weil Silverstone den Mercedes schon entgegenkommt. Wobei Spielberg normalerweise eine Strecke mit wenigen Bodenwellen ist und auch schnelle Kurven drin hat, was den Mercedes gefallen dürfte.

Dreikampf in Österreich möglich

Deshalb freuen wir uns jetzt auf Spielberg, weil ich glaube, dass der Kampf auf dieser kurzen Strecke, wo sich alles nochmal mehr zusammenschieben wird, unter den in den besten drei Teams eng wird. Da bin ich gespannt drauf. Wir dürfen Red Bull aber nicht vergessen, die auf dem Red-Bull-Ring immer stark sind und Verstappen wahrscheinlich vor einer orangenen Wand fahren wird, weil gefühlt die halbe Niederlande vor Ort sein wird. Das wird stimmungsmäßig mega. Das war es auch in Silverstone das gesamte Wochenende über.

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Bei dem Horror-Unfall von Formel-1-Pilot Guanyu Zhou in Silverstone wurde der ''Halo'' zum Lebensretter. Eine kurze Erklärung zu dem einst umstrittenen Cockpitschutz.

Startunfälle von Zhou und Albon müssen analysiert werden

Zu erwähnen bleiben noch die Startunfälle mit Guanyou Zhou und Alex Albon. Beide sind glücklicherweise glimpflich für die Fahrer ausgegangen. Auch das wird noch ein Thema sein. In den nächsten Tagen und Wochen wird man diesen Unfall analysieren und darüber nachdenken müssen, ob gewisse Themen angepasst werden müssen, was die Reifenstapel oder in meinen Augen eher die Fangzäune angeht.

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In-Race Video: Heftiger Unfall von Zhou überschattet Start – Fahrer ist ok

Mir ist aufgefallen, dass der Fangzaun relativ stark nach hinten abgeknickt ist. Wenn das Auto mit etwas schnellerer Geschwindigkeit dort hineinfliegt, muss man gucken, ob das bei den schwereren Autos dann noch sicher ist oder sie verstärkt werden müssen. Trotzdem großes Kompliment an die FIA, die das Halo-System vor ein paar Jahren ausgetestet hat und es nun schon mehrfach Schlimmeres vermieden hat. Dennoch wird man weiter jeden Unfall analysieren müssen, da es am Ende aber trotzdem großes Glück war, dass an der Stelle, wo Zhou landete, kein Marshall oder Fotograf verletzt wurde.

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