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2. Bundesliga: Ein Kommentar von Sven Töllner zum Hoffmann-Aus beim Hamburger SV

Verletzte Egos und Eifersüchteleien? Hoffmann-Aus hinterlässt Fragen

Sven Töllner

05.04.2020 | 11:31 Uhr

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Der Hamburger SV kommt einfach nicht zur Ruhe. Inmitten der Coronakrise trennt sich der Nordklub vom Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann. Wie konnte es dazu kommen? Ein Kommentar von Sky Reporter Sven Töllner.

Um 16:10 Uhr war die Sache geregelt. Theaterstück beendet - das Grande Finale mit einem Abschlusstusch gekrönt, der dem HSV wieder einmal ein Alleinstellungsmerkmal beschert, auf das keiner der Verantwortlichen stolz sein dürfte. Inmitten der Corona-Krise wird der Boss von Bord geschickt. Nach Sky Infos wurde die Entscheidung mit 5:2 Stimmen abgesegnet.

Der vielschichtige Führungs-Zoff hat am Ende Bernd Hoffmann den Job gekostet. Zum zweiten Mal nach 2011 endet die Mission des Gesamtverantwortlichen vorzeitig. Und während sich alle deutschen Profi-Klubs mit der Bewältigung der beispiellos dramatischen Gesamtlage beschäftigen, basteln die Hamburger in Heimarbeit an einem internen Drama.

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2. Bundesliga: Sky Reporter Jurek Rohrberg spricht über das Hoffmann-Aus beim Hamburger SV (Videolänge: 17:05 Min).

Beteiligte bleiben immer wieder auf der Strecke

Konsequenterweise nehmen auch der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Max-Arnold Köttgen und dessen Mitstreiter Thomas Schulz - beide Hoffmann-Befürworter - ihren Hut. Den Vorsitz des Kontrollgremiums übernimmt ab sofort der 34-jährige Marcell Jansen, Ex-Profi und Präsident des HSV e.V. Das sind die Fakten.

Was bleibt, ist die Frage, wie es im Volkspark zum wiederholten Mal dazu kommen konnte, dass eine Melange aus unterschiedlichen Auffassungen, Kompetenzgerangel und Eitelkeiten nicht nur entsteht, sondern auch zu unüberbrückbaren Zerwürfnissen führt? Kaum anzunehmen, dass in Dortmund, München oder am Millerntor jeden Tag Einigkeit auf allen Ebenen herrscht und die Entscheidungsträger am Ende des Arbeitstages regelmäßig zum Feierabendbier zusammenfinden.

Beim HSV nehmen die Auseinandersetzungen in unerwünschter Regelmäßigkeit ein derart rasantes Tempo auf und ein derart gewaltiges Ausmaß an, dass immer wieder Beteiligte auf der Strecke bleiben. In diesem Fall der Boss.

Sky Experte Heribert Buchhagen 1:13
2. Bundesliga: Sky Experte Heribert Bruchhagen über das Hoffmann-Aus beim Hamburger SV (Videolänge: 1:13 Min).

Dessen Verfehlungsliste besteht bislang aus unbestätigten Gerüchten und Beschwerden aus dem Hinterzimmer. Hoffmanns Einmischung in sportliche Entscheidungen wird da beispielsweise im Flüsterton gerügt. Unterstützer des AG-Chefs a.D. beziehen in dem Zusammenhang den Standpunkt, dass sich derjenige, der per Jobbeschreibung das letzte Wort bei allen operativen Entscheidungsprozessen hat, das Recht rausnehmen muss, diese produktiv, aber auch kritisch zu begleiten.

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In welcher Intensität das zu geschehen hat, steht nirgendwo geschrieben. Hoffmanns bisherige Vorstandskollegen Jonas Boldt und Frank Wettstein haben sich jedenfalls nicht nur einmal übergangen gefühlt - nicht ernst genug genommen. Aber ist das Grund genug für den Königssturz?

Verantwortung liegt auf den Schultern von Wettstein und Boldt

Bei der Einzel-Befragung der Vorstände durch den Aufsichtsrat während der Woche sollen Boldt und insbesondere Wettstein schwere Geschütze aufgefahren haben. Vorwürfe, die keinen Interpretationsspielraum gelassen haben sollen - Gerüchte ohne belastbare Grundlage. Zwei der sieben Kontrolleure haben die vermeintlichen Fehlleistungen auch bei der finalen Abstimmung als nicht ausreichend eklatant oder gar justiziabel empfunden. Also doch hauptsächlich verletzte Egos und Eifersüchteleien? Das wäre ein Armutszeugnis für ein 100-Millionen-Euro-Unternehmen mit 133-jähriger Tradition.

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2. Bundesliga: Sky Experte Heribert Bruchhagen über die Ernennung von Marcell Jansen zum Aufsichtsratsvorsitzenden (Videolänge: 39 Sekunden).

Die Hoffnungen einer nicht unerheblichen Fraktion im Klub auf ein reinigendes Gewitter, das eine zielorientierte Zweckgemeinschaft zumindest bis Saisonende zur Folge hat, haben sich somit nicht erfüllt. Die Verantwortung, den Klub durch die Corona-Krise zu navigieren und - die Beendigung der Saison vorausgesetzt - die Rückkehr in die 1. Liga perfekt zu machen, liegt jetzt auf den Schultern von Wettstein und Boldt - im Verbund mit Jansen.

Aus seiner inhaltlichen Sympathie zum Finanz-Boss und dem neuen Chef-Kontrolleur hat der zweitstärkste AG-Anteilseigner (nach dem e.V.) Klaus-Michael Kühne nie ein Geheimnis gemacht. Auch weil er im Zusammenspiel mit dem Duo bessere Chancen sieht, noch mehr Anteile zu erwerben und seinen Einfluss auf die Entscheidungen auszuweiten? Aus der Sicht vieler Fans kein vollends erstrebenswertes Szenario.

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Jansen ließ sich auf den offiziellen Kanälen des Klubs wie folgt zitieren: ''Wir können uns in dieser schwersten Krisenzeit des gesamten Profifußballs keine Energieverluste und belastete Vertrauensverhältnisse leisten. Der volle Fokus muss auf die HSV-Interessen gerichtet sein." Ob sich alle verbliebenen Entscheidungsträger dieser Maxime verpflichtet fühlen, wird die Zukunft zeigen.

Wenn es mal wieder um Fußball geht, muss die neugeordnete Riege Führungsstärke und ein gutes Händchen bei personellen und wirtschaftlichen Grundsatzentscheidungen beweisen. Viele HSV-Unterstützer fänden es überdies wohl nicht schlecht, wenn im Volkspark Ruhe und die Konzentration aufs Wesentliche Einzug halten würden. Ein Szenario, für das es derzeit aber kaum belastbare Indizien gibt.

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