Bundesliga: Die Krise von Werder Bremen spitzt sich weiter zu
''Schwer zu erklären'': Ratloses Werder vor Herkulesaufgabe
09.02.2020 | 08:41 Uhr
Werder Bremen schlittert immer tiefer in die Krise. Nach der 0:2-Niederlage gegen Union Berlin herrscht bei den Verantwortlichen Ratlosigkeit. Trainer Florian Kohfeldt spricht von einer "dramatischen Situation".
Werder Bremen spielt die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte. Nach der dritten Bundesliga-Niederlage in Folge ist die Abstiegsangst in Bremen größer als je zuvor. Denn durch den Punktgewinn von Fortuna Düsseldorf in Wolfsburg sind die Grün-Weißen Vorletzter, das rettende Ufer ist jetzt schon vier Zähler entfernt.
Negativrekord aus 2015 eingestellt
Dabei sollte eigentlich mit einem Sieg gegen Union das Abstiegsgespenst - zumindest vorübergehend - vertrieben werden. Das Gegenteil ist eingetreten. Mit der fünften Heimpleite in Folge haben die Werderaner ihren eigenen Negativrekord aus dem Herbst 2015 eingestellt und erzielten dabei nur ein einziges Tor.
Damit ist auch die erhoffte Signalwirkung aus dem Pokal-Triumph gegen Dortmund verpufft. "Das ist heute von der Leidenschaft, dem Engagement und der Leistung insgesamt genau das Gegenteil zum Pokal-Spiel gewesen", schildert ein konsternierter Frank Baumann nach der Partie am Sky Mikro und ergänzt: "Das ist schwer zu erklären und für mich auch nicht wirklich nachzuvollziehen."
Nach einer passablen ersten Halbzeit wurden die Grün-Weißen im zweiten Durchgang regelrecht ausgekontert. Unions Maruis Bülter nahm diese Einladung zweimal dankend an und besiegelte damit die Bremer Niederlage. Trainer Florian Kohfeldt legte bei seiner seiner Analyse den Finger in die Wunde: ''Wir sind rein fußballerisch gescheitert an unserer Konterabsicherung, die war in der zweiten Halbzeit unterirdisch."
Spätestens jetzt schrillen bei Werder alle Alarmglocken. Das sieht auch Sky Experte Didi Hamann so: "Sie waren heute - wie so oft in den letzten Wochen - dem Gegner kämpferisch und läuferisch unterlegen. Die Lage ist dramatisch."
Baumann stellt sich hinter Kohfeldt
Auch für die Spieler selbst ist die aktuelle Situation nicht zu erklären. "Jeder Spieler will, das ist klar, aber wir können das momentan nicht auf den Platz bringen", lamentiert Kapitän Niklas Moisander nach der Partie. Doch genau diese Spieler müssen nun die Wende schaffen.
"Viele Spieler sind wegen Florian (Anmerk. d. Red.: Kohfeldt) zu Werder gekommen. Sie haben sich hier unter Florian sehr gut entwickelt und haben ihm viel zu verdanken", appelliert Baumann und nimmt sie zeitgleich in die Pflicht: "Die Mannschaft ist jetzt gefordert, einiges zurückzuzahlen".
Trotz der prekären Lage wackelt der Stuhl von Kohfeldt nicht. Das untermauerte Baumann unmittelbar nach Schlusspfiff: 'Wir haben trotzdem die volle Überzeugung in Florian. Er ist ein sehr, sehr guter Trainer und wir würden mit keinem anderen Trainer an der Seitenlinie eine bessere Situation haben oder besseren Fußball spielen. Deswegen gehen wir den Weg mit ihm weiter."
Schwere Aufgaben stehen an
Doch wie soll es in den kommenden Wochen weitergehen? Ein Blick auf die nächsten Gegner wird dem einen oder anderen Werder-Fan mit Sicherheit Schweißperlen auf die Stirn zaubern. RB Leipzig, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt lauten die kommenden Aufgaben.
Ein Hammer-Programm, das es in sich hat. Doch vielleicht kommen gerade diese Gegner Werder nicht ungelegen. "Ich denke, dass es uns aktuell leichter fällt, nicht als Favorit ins Spiel zu gehen. Wir haben jetzt schwere Brocken vor der Brust, und das wird sicherlich nicht leichter, aber wir werden den Weg weitergehen", stellt Baumann klar.
Ob die Spieler den Karren aus dem Dreck ziehen werden, bleibt abzuwarten. Die kommenden Spiele scheinen jedenfalls zur Mammutaufgabe zu werden. Klar ist: Werder ist gegen Leipzig, BVB & Co. zum Siegen verdammt, um nicht den Anschluss an das rettende Ufer zu verlieren.