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Bundesliga: Fritz Keller über den SC Freiburg und Christian Streich

Keller: Streich passt nicht in die Norm normaler Trainer

Sky traf Fritz Keller zum exklusiven Interview.
Image: Sky traf Fritz Keller zum exklusiven Interview.  © Sky

Fritz Keller, der frühere Präsident des SC Freiburg und des DFB, spricht im exklusiven Sky Interview über den SC Freiburg, Trainer Christian Streich sowie über Tradition und Investoren.

...über Freiburg und die Umgebung:

Man muss das trennen: Freiburg und die Umgebung. Wir haben den Schwarzwald, wir haben den Kaiserstuhl, wir haben die Ortenau, wir haben das Markgräflerland und wir haben die Stadt Freiburg. Da sind doch zum Teil sehr unterschiedliche Charaktere. Aber es ist einfach wunderbar heimelig, manchmal ein bisschen spießig, so ein leichtes, schönes Ökospießigtum. Und im Schwarzwald haben wir mehr die Sturen, im Kaiserstuhl mehr die Heißblütigen. Der Südbadener an sich ist schwer von etwas zu überzeugen, aber wenn er es dann hat, dann will er es auch nicht mehr loslassen und dann will er auch nichts mehr ändern. Das hat Vor- und Nachteile.

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Fritz Keller exklusiv über die Verbundenheit der Mitarbeiter aus der Region. ''Keiner sieht das als Übergangslösung, sondern man ist mit dem Herzen dabei.''

...über die Fehlerkultur beim SC Freiburg

Man darf Fehler machen. Wenn man nichts macht, macht man keine Fehler. Aber wenn man nichts macht, hat man auch das größte Problem: Da passiert nichts weiter. Und nichts ist schlimmer, als einen alten Zustand zu bewahren und sich nicht zu verändern. Wenn du dich nicht veränderst, dann wirst du irgendwann mal weg sein vom Fenster. Und deshalb ist ein professionelles Reformbedürfnis für jeden Betrieb wichtig - sich an die Zeit anzupassen, an den Markt anzupassen. Und das gelingt dem SC Freiburg anscheinend.

...über den Vorteil schlanker Vereinsstrukturen (Beim SC gibt es mit Oliver Leki für Finanzen und Jochen Saier für den Sport nur zwei Vorstände, die Entscheidungen zu Verantworten haben):

Das ist Geschwindigkeit. Wenn Sie mal die erfolgreichsten Firmen der letzten Jahre analysieren, dann sind das nicht immer die großen Konzerne gewesen, die viel zu behäbig sind und viel zu lange brauchen, um Entscheidungen zu treffen. Die größten Firmen waren vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren zum Teil noch Garagenbetriebe, die hat keiner wahrgenommen. Und vielleicht haben wir so was ähnliches gehabt beim SC Freiburg. Aber wir haben so etwas ähnliches auch bei anderen Bundesligavereinen gehabt, die sich nicht geändert haben, schnellere Strukturen einzuführen, um schnellere Entscheidungen zu treffen. Im Feierabendbetrieb kann man bestimmte Entscheidungen nicht treffen. Der Fußballfan kennt meistens die Namen von gestern. Aber um erfolgreich zu arbeiten in der Zukunft, muss ich die Namen von morgen kennen.

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...über Investoren im Fußball:

Es gibt auch Vereine, die ein Businessmodell haben: 'Wenn wir nicht mehr genügend Kohle haben, dann gibt es irgendeinen, der uns immer wieder rettet und irgendjemand finanziert uns weiter'. Das ist ein ungesunder Weg. Ich muss schon schauen, dass das alles aus dem Fußball selbst finanziert wird, sonst macht man eventuell Bekanntschaft mit Partnern, die eigentlich mit dem Fußball und mit den Fans nicht so sehr viel am Hut haben und noch weniger im Herzen tragen. Und darum geht es doch beim wunderbarsten Sport der Welt, der so viele Menschen zusammenbringt. Ich bin schon der Meinung, dass das es manchmal guttut, wenn Leute Interesse haben, irgendetwas zu finanzieren. Aber wir sollten schon die ethischen Gründe hinterfragen: Wer wo investiert, aus welchem Grund und mit welchem Geld, wie das Geld erwirtschaftet ist. Also ich glaube, das tut dem Fußball nicht gut, wenn es Gelder sind, die zweifelhaft sind und wo man vielleicht die eine oder andere Geldwaschanlage reinbringt oder auch Gelder, die das nur als reines Hobby sehen. So ein kleines Monopoly Spiel.

...über das wichtigste Ziel für Fußballvereine aus seiner Sicht:

Das Wichtigste ist, dass die Kids, die heute ins Stadion gehen oder heute hier in der Jugendabteilung arbeiten, später als Großeltern mal mit ihren Kindern genauso noch zum Verein halten. Das ist eine Heimat. Die meisten Leute sind länger in einem Fußballverein, als sie verheiratet sind, in die Schule gehen oder arbeiten. Ein Fußballverein begleitet einen sein ganzes Leben, dem sollte man sich bewusst sein. Deshalb müssen die verantwortlich damit umgehen, dass solche Traditionen und solche Bindeglieder der Gesellschaft bewahrt bleiben.

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Fritz Keller hat mit Sky Reporter Dennis Bayer über die Gründe für den Erfolg des SC Freiburgs gesprochen und warum NLZs so wichtig für die Breisgauer sind.

...über Jochen Saier und Oliver Leki:

Die beiden sind ein Glücksfall für den SC Freiburg. Das sind zwei Menschen, die den Verein verinnerlicht haben und genau wissen, was für ein Schatz dieser Verein ist. Erfolgreiche Dinge brauchen immer Zeit, sie brauchen schnelle Entscheidungen und sie brauchen Kompetenz. Es gibt nichts Schöneres, als wenn man mit jemandem verbunden ist und eine nachhaltige Wegstrecke begleiten kann. Und das tun die beiden und viele andere Mitarbeiter auch. Sie tun das verantwortungsvoll. Nicht wie CEOs von Kapitalgesellschaften, die sehr oft immer nur in Quartalen oder bis zum nächsten Abschluss denken, sondern sie denken an morgen, aber vor allen Dingen an übermorgen. Es ist nicht wichtig, ob ich dieses Jahr Platz vier oder Platz fünf mache. Es ist wichtig, dass ich in zehn Jahren überhaupt noch im Mittelfeld der Bundesliga bin und somit eine Heimat für großartigen Sport habe.

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...über die Behäbigkeit mancher Traditionsvereine:

Vielleicht gibt es bei manchen zu viele Gremien. Tradition ist etwas wunderbares, aber Tradition ist nichts anderes als eine wunderbare Basis, auf die man aufbauen muss und aufbauen kann. Aber Tradition heißt noch lange nicht, dass alles so bleiben muss, wie es ist. Da muss man Mut zur Veränderung haben, aber auch in den Führungsebenen Mut haben, wenn es mal nicht so läuft. Gerade hinstellen und nicht jedes Mal den Trainer entlassen, nachdem er dreimal verloren hat, obwohl man weiß, dass er eigentlich eine gute Arbeit in der Vergangenheit gemacht hat. Das hilft nichts. Das ist nur etwas für schwache Führungsebenen, die natürlich aufgrund der Medienlandschaft dann ein bisschen Gegenwind kriegen. Das ist ja auch ein bisschen Hollywood. Aber dann muss man halt mal einstecken können und geradestehen. Und da fehlt es manchmal auch im Führungsbereich.

Bundesliga-Saison 2022/23

  • Start: 5. - 7. August 2022
  • Eröffnungsspiel: Eintracht Frankfurt - FC Bayern München
  • letzter Spieltag 2022: 11. - 13. November
  • FIFA Fußball-WM: 21. November - 18. Dezember 2022
  • erster Spieltag 2023: 20. - 22. Januar
  • 34. Spieltag: 27. Mai 2023
  • Titelverteidiger: FC Bayern München
  • Aufsteiger: FC Schalke 04, SV Werder Bremen

...über Christian Streich:

Ich kannte ja den Christian schon aus dem Jugendbereich, als er U19 Trainer war. Ich habe damals schon gesehen, das ist ein Kerl, der lebt für den Fußball. Der liebt den Fußball und er mag jeden einzelnen Spieler. Und er macht sich auch über die Gedanken, die einfach ein bisschen Pech haben und bei Leistungssport eben rausfallen. Und das ist das Entscheidende - dieses Menschliche. Und deshalb wusste ich, dass er zwar nicht in die Norm normaler Trainer, die immer dieselben Plattitüden von sich geben, passt. Aber ich wusste genau, dass du mit dem langfristig arbeiten kannst, weil er sein ganzes Herz für diese Fußballspieler gibt und das Tag und Nacht. Es geht ihm nicht um den Sonnenschein und den Jahrmarkt der Eitelkeiten. Es geht ihm um den Fußball und die Entwicklung junger Spieler. Und das ist immer die Zukunft.

...über das Understatement beim SC Freiburg:

Mit Understatement ist nie Schluss. Nie im Leben! Weil auch als etwas älterer Mensch weiß man, dass man immer noch weiter lernt, jeden Tag. Und dass immer etwas Neues kommen kann, mit dem du gestern nicht gerechnet hast. Deshalb ist Bescheidenheit, Zurückhaltung und Understatement das Wichtigste, was einen im Leben begleiten soll.

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''Mit Understatement ist nie Schluss. Man lernt jeden Tag weiter. Bescheidenheit, Zurückhaltung und Understatement das wichtigste, was einem im Leben begleiten soll,'' erklärt Fritz Keller im Sky Interview.

...über die Freude über Platz zwei:

Es hängt immer mit den Umständen zusammen. Wenn du fast abgestiegen bist, freust du dich, wenn du drin bleibst, aber natürlich ist es eine andere Freude. Und wenn du eben den sechsten Platz machst oder den guten Mittelfeldplatz, dann weißt du, dass es wieder ein Jahr wurde, in dem du etwas zurücklegen kannst und etwas aufbauen kannst, um die Etablierung in der Bundesliga länger zu halten.

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