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Corona News: Söder über Pflege, Impfen, Kimmich & Zuschauer

Söder im Interview zu Kimmich, Impfpflicht und Zuschauerzahlen

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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder spricht im exklusiven Interview über Zuschauerzahlen, eine mögliche Impfpflicht und Joshua Kimmich. Das Interview führt Sky Reporter Christian Akber-Sade.

Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder spricht exklusiv am Sky Mikro über Zuschauerzahlen in Fußballstadien, den positiven Corona-Test von Joshua Kimmich, eine allgemeine Impfpflicht, den Umgang mit Pflegekräften und viele weitere Themen.

Markus Söder über ...

... 50.000 und nur 2G, nicht 2G+ beim Rheinderby: "Ich finde es eine mutige Entscheidung. Klar sind die Infektionszahlen in Nordrhein-Westfalen geringer als in anderen teilen Deutschlands. Aber man merkt es ja seit Tagen, es zieht überall an. Bayern gehört zu den wenigen Ländern, wo sich die Kurve etwas abflacht. Das heißt, dass unsere Maßnahmen zu wirken scheinen. Aber es gibt überhaupt keine Sicherheit. Und die neuen Erkenntnisse über mögliche neue Varianten aus Südafrika sagen einfach, es wird beim jetzigen Stand nicht bleiben. Wir müssen wieder einfach noch vorsichtiger werden. Es gilt bei Großveranstaltungen Impfdurchbrüche zu verhindern. Wieder mehr Maske, wieder mehr Abstand und vor allem weniger Zuschauer. Wir haben es begrenzt bei uns. Ich weiß, das ist für den Fußballfan, da leidet es. Auch wenn er dann Alternativen hat, indem er dann beispielsweise Sky guckt. Aber es ist trotzdem so, es hilft ja alles nichts, wir müssen Ansteckung verhindern."

... wann vielleicht wieder Geisterspiele in Bayern und vielleicht deutschlandweit stattfinden?: "Wir müssen uns die nächsten Tage unterhalten. Es müssen auf jeden Fall die Zuschauerzahlen deutlich reduziert werden. Es muss massiver Abstand sein. Klar, beim Fußball kann man immer argumentieren, im Stadion ist es so, dass es doch Abstand möglich ist. Nebeneinander sitzen, ist kein gutes Signal. Abstand halten ist möglich, aber zu und Abfahrt ist natürlich immer ein Problem. Nicht jeder Verein regelt es so gut wie zum Beispiel der FC Bayern. Der macht das sehr, sehr professionell. Nicht jeder hat genau die Anfahrtswege. Wobei die Liga da schon Konzepte hatte und hat.

Ich sage mal so, wir können bei diesen ganzen Fragen nichts ausschließen. Es ist ja immer so die Frage, warum hat man das nicht vor Monaten schon so geplant. Fakt ist, man versucht so vorausschauend wie möglich zu reagieren, aber auch so entschlossen wie nötig. Wir hatten die letzten Wochen zwei Dinge, die zusammengekommen sind: zu niedrige Impfquoten auf der einen Seite, verbunden mit erhöhter Sorglosigkeit der Menschen, das kann man ja sehen. In vielen Bereichen sind die Maßnahmen nicht umgesetzt oder eingehalten worden. Dazu stärkere Impfdurchbrüche. So dass auch 2G keine Sicherheit mehr ist und diese Kombination macht die Lage im Moment sehr schwierig und auch gefährlich."

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... über den positiven Coronatest von Joshua Kimmich: "Gute Besserung natürlich, weil ich wünsche allen, dass sie nicht infiziert werden und wenn doch, dass es Ihnen möglichst gut geht. Weil es ist ja unklar, wie Verläufe sind. Natürlich ist bei jüngeren die Wahrscheinlichkeit, dass es milde Verläufe sind, relativ hoch, aber auch das ist nicht ausgeschlossen. Ich hätte es einfach begrüßt, wenn er sich vorher sich hätte impfen lassen. Wir leben halt in einer Situation, in der wir auch Vorbilder brauchen. Ich finde, er ist ein großartiger Fußballspieler, ich halte ihn für ein ganz tolles Vorbild auf dem Platz, das muss ich wirklich sagen. Auch als Nationalspieler, das kann man so sagen, gehört er zu den ganz großen in Deutschland.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußert sich am Sky Mikro zur aktuellen Corona-Lage (Video-Länge: 3:56 Minuten)

Und Vorbilder müssen manchmal, wie sagt man das bei Spiderman? Aus großer Kraft erwächst auch große Verantwortung. Wenn Sie mir den Satz verzeihen. Jemand, der so exponiert ist und eine Vorbildrolle als Spieler hat, der muss auch ein Stück weit eine Vorbildfunktion übernehmen. Ich bin auch froh, dass der FC Bayern dort Klartext gesprochen hat, sich da sehr bemüht hat. Einige Spieler sind jetzt auch geimpft. Ich würde mir auch sehr wünschen, dass dann auch nach einer Genesung noch eine Impfung erfolgt."

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... über die Kritik von DFL-Boss Christian Seifert: Ist die Forderung nach 2G im Fußball zu populistisch?: "Der Fußball ist doch nicht allein. Der Fußball lebt doch von seiner Popularität. Keiner, der im Fußball tätig ist, kann ohne Fans leben. Die enormen Summen, die im Fußball umgesetzt werden, werden nur deswegen umgesetzt, weil es so viele Fans gibt, dieses anschauen wollen, die Interesse haben, die teilnehmen wollen. Deshalb steht der Fußball auch in einer anderen Verantwortung. Noch einmal: es ist eine ganz große Vorbildfunktion. Millionen von Menschen, von jungen Menschen richten sich weltweit nach Fußballspielern und nach dem, wie Fußball stattfindet. Deshalb ist ja auch Fairplay zum Beispiel wichtig.

Darum sind die Kampagnen gegen Rassismus, die gemacht werden, gegen Drogen zum Beispiel, sind eine ganz wichtige Botschaft, die der Fußball setzen kann, manchmal sogar als Vorbild und wertsetzende Instanz für viele schon im Vergleich zu Politik und anderen Teilen der Gesellschaft. Und deshalb muss man auch da maximale Sicherheit haben. Man will doch zum Spiel und sich da gut fühlen. Man will doch mit ruhigen und gutem Gewissen dabei sein und nicht immer Angst haben, stecke ich mich an oder nicht. Vor diesem Hintergrund muss der Fußball in seiner Vorbildfunktion auch maximale Maßnahmen treffen, um die Sicherheit der Zuschauerinnen und Zuschauer zu gewährleisten."

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... ist die Forderung also nicht zu populistisch?: "Nein, sie erkennen ja auch daran, wie umstritten das alles ist. Ich bin Fußballfan, Sie ja auch. Es gibt Millionen Fußballfans und es gibt aber auch welche, die sind es nicht und die fragen schon kritisch nach: Warum hat der Fußball manchmal eine Sonderstellung? Warum wird beim Fußball eher etwas erlaubt, als zum Beispiel bei der Kultur? Was ist beim Fußball so besonders? Jetzt würde ich sagen, natürlich die Leidenschaft, die Faszination, Aber Fakt ist, dass der Fußball in Deutschland eine ganz wichtige gesellschaftliche Rolle hat. Das hatte er immer übrigens.

Jeder macht Vergleiche mit dem Fußball, jeder erinnert sich an Momente in seinem Leben, wo er Fußballspiele erlebt hat, die einen besonders prägen. Bei mir war das zum Beispiel das Club-Finale im DFB-Pokal, wo wir gewonnen haben. Solche Dinge. Und deswegen, weil es so besonders ist, ist der Fußball so populär. Und sorry, manche Äußerungen von Fußballspielern beziehungsweise gerade von Managern, die sich dann vor ihre Teams stellen, sind dann natürlich auch ziemlich, sagen wir mal, populär."

... über die Umsetzbarkeit einer allgemeinen Impfpflicht: "Es gab ja schon Impfpflichten. Wir haben jetzt ja schon Impfpflichten, wie bei Masern in der Schule. Oder wir hatten auch schon Impfpflichten lange Zeit für Pocken beispielsweise. Das ist natürlich verfassungsmäßig gerechtfertigt. Schauen Sie mal, wie Corona die Welt durcheinander wirbelt. Wir werden sehen, was die neue Virusvariante aus Südafrika möglicherweise noch für schlimme Sachen für uns bereithält. Wir wissen bis jetzt nicht, wie ansteckend sie ist. Und manch einer meint, dass selbst Impfungen, die man hat, nicht helfen könnten. Wenn das alles so ist, dann müssen wir aufpassen, dass wir nicht wieder zurück auf Los kommen - mit all dem ganzen Ärger.

Bei Corona gibt es keine Planbarkeit, keine Sicherheit, die jeder einfordert. Sondern wir müssen das tun, was notwendig ist, um am Ende das Lebens zu schützen, selbst derer, die sich gar nicht schützen lassen wollen. Da gibt es ja auch einige. Vor diesem Hintergrund glaube ich, dass die Impfpflicht die einzige Chance ist, aus dieser Endlosschleife herauszukommen. Die Einzige. Und ich würde dafür plädieren, so rasch wie möglich. Klar, müssen auch Dinge geplant werden. Es muss geplant werden, wie man das umsetzt, wie man das vor Ort organisiert. Wie die Impfstoffverteilung dann ist. All diese Dinge sind ganz klar. Aber es muss jetzt angegangen werden. Und jetzt nur für Pflegekräfte das zu machen, oder nur für eine Berufsgruppe, dass springt echt zu kurz. Ich plädiere sehr dafür, ich war auch letzte Woche tatsächlich der Erste, der gesagt hat, rasch eine allgemeine Impfpflicht. Und die absolute Mehrheit der Bevölkerung will das auch."

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... darüber, ob die Impfpflicht verfassungsrechtlich umsetzbar ist: "Ich glaube schon. Es gibt immer in der Juristerei, ich habe das selber studiert, und dann wissen Sie selbst, wenn sie Jurist sind, dass es da immer Mindermeinungen gibt. Das ist ganz klar. Aber nachdem, was in der Breite an Verfassungsexperten da ist und an Vorbildern und an dem überragenden Schutzgut. Wenn eine Masern-Impfpflicht denkbar ist, gerade für Schülerinnen und Schüler, dann muss es auch denkbar sein für uns alle. Da geht es ja wirklich um ganz andere Fragen des Lebensschutzes. Da hätte ich jetzt keine Sorge. Mich wundert, dass man so zögert in Berlin.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder spricht im Sky Interview über eine allgemeine Impfpflicht (Video-Länge: 3:47 Minuten).

Mich wundert es sowieso ein bisschen, es wird so hin und her geschoben, der soll mal machen und der soll was machen. Ich hab das jetzt dreimal schon erlebt, jetzt kommt das vierte Mal, es hilft ja nichts. Wir müssen uns wieder darauf einstellen und wir werden das auch wieder überwinden, diese Situation. Wir werden das schon überwinden, aber nicht in dem wir uns wegducken und glauben, wir haben damit nichts zu tun oder jemand anderes soll das machen. Das ist wie immer im Leben, man muss sich seinen Problemen und Aufgaben stellen."

... zum zögerlichen Handeln der Politik: "Der bayerische Ethikrat hat es eigentlich ihnen vorgeworfen und auch den Freunden und Freundinnen, dass sie sich da zu wenig sorgen. Das ist ja genau unser Problem. Sie haben ja völlig Recht. Man stellt sich immer die Frage, kann man nicht alles ganz sicher und planbar machen? Fakt ist, ich habe im Sommer von 2G gesprochen. Da haben manche gesagt, oh Gott, der ist ja fast so schlimm wie der Lauterbach. Das wollte auch keiner hören. Und sind wir mal ganz ehrlich, im Sommer hat sich kein Mensch dafür interessiert. Die Wahrheit ist auch, zum Glück wird jetzt geboostert.

Vor drei Wochen waren die Impfzentren, wenn sie da waren, völlig leer, auch in Arztpraxen hat keiner nachgefragt. Jetzt wollen alle auf einmal, was gewisse logistische Probleme macht. Die Wahrheit ist, wir alle in der Gesellschaft müssen uns etwas an die eigene Nase fassen. Nehmen wir es ernst oder nicht? Ich würde niemandem einen Vorwurf machen, auch keinen anderen politischen Kräften, sondern noch einmal: Auch Wissenschaftler haben gesagt, es gibt eine vierte Welle, ganz klar, aber die Dynamik und der Anstieg zum Beispiel und die Impfdurchbrüche, ich kann mich nicht erinnern, dass man im Sommer alle flächendeckend gewarnt hat, dass jetzt jeder sofort fünf Monate danach muss. Selbst die ständige Impfkommission, die für die Rechtsabsicherung der Ärzte eine zentrale Rolle spielt, diese hat beispielsweise vor einigen Wochen noch gesagt: Keine Empfehlung für unter 70 fürs Boostern.

Jetzt merkt man, dass es jeden treffen kann. Und sehen Sie, es ist eine Reihe von immer veränderten Lagen. Ich versuche auch persönlich immer nach Lage und vorausschauend so wie es irgendwie geht zu reagieren. Aber wichtig ist die Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit. Sorry, wenn ich das noch sage: Man kann nicht einfach blind zusperren. Es geht um Rechte von Geimpften, es geht um Verfassungsmäßigkeit. Es geht um Schülerinnen und Schüler. Schulen zu, Schulen auf. Wir haben ja auch viel gelernt aus den Wellen. Wir versuchen es so gut und vorausschauend wie möglich zu tun. Wenn dann wie letzte Woche zum Beispiel, so ein Schreiben kommt, Ups, es ist zu wenig Biontech da, dann muss man die fragen, die ist bestellt oder nicht bestellt haben in Berlin. Aber trotzdem müssen wir das immer wieder managen. Es hat ja keinen Sinns zu jammern, sondern man muss seinen Job tun."

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... über Kommunikationsfehler von Politik und Medien: "Im Juli haben viele schon gefordert, die epidemische Lage muss beendet werden. Das hat mich damals ein bisschen überrascht, dass es die Grünen gefordert haben. Bei FDP und anderen hatte ich es erwartet gehabt. Da ist kein Vorwurf, es ist nur eine Beschreibung der Lage. Man hat ja noch vor wenigen Wochen gesagt, es drohe niemals eine Überlastung des Gesundheitssystems, auch von der neuen Ampel. Da sind auch Fehleinschätzungen da. Nur, das, was es immer so schwer macht und was der Unterschied ist zum Beginn der Welle eins, die Welle eins brach über Nacht über uns herein und es gab ein tolles Mitwirken.

Jeder in der Gesellschaft, die Medien, die politischen Kräfte, man zog an einem Strang. Das ist schon seit der Welle zwei kaum mehr möglich. Jeder weiß es besser. Viele haben auch sicher gute Ideen, nur ein paar wenige müssen entscheiden. Das ist manchmal gar nicht so leicht, dass alles zusammenzubringen. Die Mehrzahl derer, die ich kenne, ist froh, nicht entscheiden zu müssen, auch politisch Verantwortliche. Und ich gehöre zu dem Club, der entscheiden muss. Da ist nicht jede Entscheidung 100-prozentig perfekt. Da gibt es immer mal wieder einen Systembruch drin. Da gibt es immer mal wieder auch Fälle, an die man nicht gedacht hat. Weil auch jeder immer ein Schlupfloch sucht.

Bei jeder Vorschrift wird zunächst massiv untersucht, juristisch und praktisch, kann man das irgendwie umgehen oder finden wir einen Weg. Das macht es allen Verantwortlichen, auch denen, die im Gesundheitsamt arbeiten, die in Ministerien arbeiten, ganz besonders draußen in den Krankenhäusern und in der Pflege, gar nicht so leicht. Die tun mir nicht leid, aber ich bin ihnen unendlich dankbar, was da in der Pflege gearbeitet wird und wir haben ja eine Situation auch erlebt, dass wir im Vergleich zum letzten Jahr nicht weniger Betten haben. Wir haben auch nicht weniger Beatmungsgeräte, sondern eher zu viele, die stehen im Keller und sind da, sondern wir haben zu wenig Pflegekräfte und ein Teil hat sich auch zurückgezogen, weil sie eines nicht verstehen: Warum sich manche nicht impfen lassen. Das ist die Kernfrage überhaupt.

Wir haben alle gedacht, die Leute lassen sich impfen. Ich habe gedacht, das ist meine Fehleinschätzung, wenn in einer solchen schlimmen Situation wie Corona ein Impfstoff kommt, der wirkt, dann lässt sich doch jeder impfen. Klar, gibt es Fragen und die muss man auch thematisieren und so. Aber die liegen doch auf der Hand. Die Hauptargumente dagegen sind alle wiederlegt. Ihr Kollege hatte im Interview mit Kimmich darauf hingewiesen. Das war ein brillantes Interview, ganz sachlich, ganz souverän die Frage gestellt, warum glauben Sie daran, es gibt doch gar keine Langzeitwirkungen. Und diese ganzen Fragen, die haben uns in diesem Kampf etwas zurückgeworfen. Hätten wir so weiter gemacht wie im Juni und Juli, wären im Oktober alle über Zwölf geimpft worden. Dann wäre die Dimension der Probleme jetzt auf einem ganz anderen Level."

... über die Problematik zum politischen Umgang mit der Pflegebranche: "Natürlich, die Bezahlung ist nicht so hoch und da hätte man mehr machen können. Ich habe gestern Hotspots besucht, wir waren in Oberbayern und in Niederbayern und wenn man da den Medizindirektor hört, dann sagen die einem schon, ein Teil des Problems, natürlich nicht das ganze, da haben Sie Recht, liegt darin, dass der ein oder andere sagt: Mensch, ich hätte gar nicht die Situation, wenn circa 90 Prozent der Intensiv-Patienten Ungeimpfte sind. Dann zeigt es, was die Situation des Problems ist. Darauf müssen wir uns einstellen.

Wie gesagt, es hilft das Jammern nicht. Man muss entscheiden. Das ist das was mich ärgert, dass man so ein bisschen von oben herab aus Berlin jetzt sagt, das hätte Angela Merkel nicht gemacht, jetzt macht ihr halt mal so und ihr müsst das jetzt lösen, wir haben damit nichts zu tun, wir haben ein Gesetz gemacht, dass von vorne bis hinten nicht richtig stimmig ist. Das wird auch nicht dabei bleiben, ich bin ganz sicher, die Ampel, die neu startet, hat natürlich auch die 100 Tage Schonfrist. Aber bei Corona hat sie keine zehn Minuten Schonfrist. Deswegen braucht man einen Gesundheitsminister, den gibt es ja nicht einmal. Anscheinend will das keiner werden, was ich auch ein bisschen komisch finde. Es ist mit dem Kanzler die wichtigste Position. Es gibt viel zu tun, das muss man lösen und angehen. Ich bin hoch fokussiert, wie man so schön beim Fußball sagt und zu 100 Prozent konzentriert. Wir müssen liefern und das jeden Tag."

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... über das Fehlen eines Gesundheitsministers bislang: "Mein Gefühl ist, dass man sich von der Sache etwas distanzieren will, das ist erkennbar. Dazu wurden bei der Vorstellung des Koalitionsvertrages nur ein paar Allgemeinsätze gesagt. Und uns hat auch das Verfahren gewundert. In diesen eineinhalb Jahren Pandemie, die wir schon hatten, war es von Angela Merkel sehr wichtig, die Länder vor Gesetzgebungsmaßnahmen einzubinden. Warum die Länder? Weil sie es umsetzen müssen. Impfzentren machen zum Beispiel die Kommunen. Da hat man ein Gesetz gemacht, hat nicht miteinander geredet und dann das Ergebnis präsentiert. Ich finde es von der Pandemie-Bekämpfung her, die Ampel bleibt ja trotzdem die Mehrheit in Berlin, wäre es einfach besser vom Stil her, miteinander zu reden.

Wir bitten jetzt um eine MPK, nein wir müssen jetzt noch mal zehn Tage warten. Ich wüsste jetzt nicht, warum zehn Tage die Lage besser machen, sie machen die Lage wahrscheinlich schlechter. Wir brauchen zum Beispiel auch einheitliche Regeln für die Fußballspiele. Es kann nicht sein, dass bei uns weniger Zuschauer und anderswo mehr sind. Zwar stimmt es, dass die Infektionslage zur Zeit in Kiel besser ist, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie schlechter wird. Und ich finde, es verwirrt die Menschen viel mehr, wenn sie so einen Flickenteppich erleben, anstatt einen einheitlichen Willen. Ein Land, eine Pandemie-Bekämpfung, an einem Strang ziehen."

... darüber, ob Machterhalt betriebsblind macht: "Bei Corona sicher nicht. Bei Corona ist man praktisch im SMS-Kontakt mit den Landräten und antwortet Ihnen, ich hätte fast gesagt im Sekunden-Rhythmus, und macht Videokonferenzen mit Pflegekräften, mit Krankenhausdirektoren. Man ist wie bei keinem Thema je zuvor. Das ist mein Gefühl, ich kann es nur für mich selbst sagen. In anderen Bereichen ist es so, dass man als Ministerpräsident die Fachminister und Fachbehörden hat, die sich damit mehr beschäftigen. Ich versuche immer nah dran zu sein. Beim Thema Corona sind wir schon auch Experten.

Wir laden Virologen, Epidemiologie, Krankenhaus-Experten bei uns ins Kabinett ein und lassen uns beraten. Aber die entscheiden eben auch nach der jeweiligen Situation und das macht dieses Corona so heimtückisch. Es ist echt eine fiese Sache. Ich kann nur eins sagen, es ist die schlimmste Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Es ist jetzt keine Situation nur in Sachsen, Thüringen oder Bayern. Ich würde nie sagen, die Brandenburger sind schuld. So ein Unsinn. Es ist eine Heimsuchung, so ein bisschen ist es. Es ist ein globales Phänomen. Unsere Nachbarn Österreich und Tschechien haben Rekordwerte. Holland macht jetzt wieder alles zu ab 17 Uhr.

Die sind ja auch nicht doof. Jeder versucht aus seiner Sicht das Beste zu leisten. Wir werden bis zum Ende zu 100 Prozent dagegen kämpfen. Das ist die Aufgabe, die wir haben. Wir kommen da irgendwann durch. Jetzt müssen wir wieder vorsichtiger sein als wir es im Sommer hatten. Im Sommer durfte man mal ein wenig durchschnaufen, aber jetzt heißt es eben wieder aufpassen."

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... darüber, wie müde und angestrengt er persönlich ist: "Man muss schon stabil sein, um diese Herausforderung zu bestehen. Man braucht eine gute Physis, aber auch eine gute Psyche. Zwei Dinge beschweren mich: Die Argumente, mit denen man argumentiert. Ich habe kein Problem, wenn man wissenschaftlich argumentiert. Es gibt auch gute wissenschaftliche Argumente, die sagen, dies oder jenes Thema würde ich anders sehen. Das ist gut, wenn darüber diskutiert wird. Aber diese Art von Querdenkertum, die wir erlebt haben, die schmerzt unglaublich.

Oder wenn manche Leute sagen, es reicht ein bisschen was einzunehmen, das ist die Alternative. Das schmerzt so. Das erschwert die Diskussion. Das ist das, wo man sich manchmal ein bisschen zurückgesetzt fühlt. Sie kennen den Film und täglich grüßt das Murmeltier, das Corona-Murmeltier und das kommt immer wieder. Das ärgert mich deswegen sehr, wenn ich höre, dass Pflegekräfte genau so beschimpft werden. Ich habe ein breites Kreuz, ich halte mehr aus, als die meisten meinen. Ich stehe das durch und muss andere motivieren, das werde ich auch. Aber wenn Pflegekräfte angegangen werden, beleidigt werden, auch von manchen Patienten, denen sie helfen wollen, die ungeimpft sind, dann tut das schon weh. Das ist vielleicht so wie im Fußball, wenn Sie eine katastrophale Auslosung bekommen, die Hälfte der Spieler fällt aus. Was bringt es zu jammern, sie müssen in dieser Situation bestehen und das werden wir tun, auch ich."

... über den Spielstand in der Partie Wir gegen Corona: "Das Kernproblem ist, dass wir nicht ein Spiel haben. Wir hatten schon drei Spiele, die haben wir gewonnen. Nicht einfach, es sind viele Menschen gestorben. Aber dreimal haben wir das Spiel gewonnen. Jetzt geht es in die vierte Runde. Keiner weiß wirklich, wie viele Spiele es noch sind. Wenn ich es wüsste, wäre ich glücklich. Und es kann auch keiner versprechen, wie es weitergeht. Wir haben dreimal die Welle gebrochen, aber nur weil wir uns auch zurückgehalten haben. Ja, das war alles schlimm und schwierig, aber da heißt es eben, im Fußball sagt man, über den Kampf zum Spiel finden und in dem Fall über Vorsicht, Rücksicht und Umsicht zum Erfolg."

Das Interview führte Christian Akber-Sade

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