DFB-Pokal: Bremen entzaubert BVB-Ballermänner im Achtelfinale
Kohfeldts Befreiung & Werders Auferstehung – aber jetzt kommt Union
06.02.2020 | 14:26 Uhr
Wie im Vorjahr wirft Werder Bremen den BVB im DFB-Pokal-Achtelfinale aus dem Wettbewerb. Dabei knüpften die Bremer an alte Tugenden an und schöpfen neue Hoffnung. Sky Sport wirft einen Blick auf die Bedeutung des Werder-Sieges für den Abstiegskampf in der Bundesliga.
Der Sieg gegen Borussia Dortmund erinnerte an magische Champions-League-Nächte im Weserstadion. Damals als noch Real Madrid, Inter Mailand und der FC Barcelona unter Flutlicht in Bremen gastierten. Atemberaubende Stimmung, schöne Tore und ein scheinbar übermächtiger Gegner. All das sind Parallelen zum DFB-Pokal-Spiel am Dienstagabend.
Es war für Werder eine Flucht aus dem tristen und erbarmungslosen Bundesliga-Abstiegskampf. "Es war etwas, das wir heute Abend noch einmal genießen dürfen und die Fans für das, was in letzter Zeit war, entschädigt", so Werder-Coach Florian Kohfeldt am Sky Mikro zur Pokal-Nacht.
Zurück im Alltag
Doch schon am Mittwoch war der Blick wieder auf die Bundesliga-Realität gerichtet. Auch wenn die Werderaner neue Hoffnung aus dem Pokalfight schöpfen wollen. Als "Aha-Erlebnis" bezeichnete Kohfeldt den Sieg seiner Bremer über den haushohen Favoriten aus Dortmund.
Der verdiente Einzug ins Viertelfinale zeigt dem Team, dass das Werder der vergangenen Saison doch noch da ist. Nicht alleine wegen des Erfolges, wie Kohfeldt am Sky Mikro feststellte: "Das ging heute gar nicht um den Sieg, sondern wie wir gespielt haben."
Endlich wieder Werder-Fußball
Nach den enttäuschenden Ergebnissen der letzten Wochen (0:3 gegen Hoffenheim, 1:2 in Augsburg) war es für Bremen wichtig, wieder an den Fußball anzuknüpfen, der gegen Ende der letzten Saison Hoffnung auf eine Europa-League-Teilnahme schürte.
"Das war nicht nur gemessen an den ungenügenden Leistungen der Vorwochen brillant, was Werder auf den Rasen gezaubert hat", unterstreicht Sky Reporter und Werder-Experte Sven Töllner die Leistungssteigerung des Tabellen-16.
Werder feierte somit eine Art Auferstehung - und mittendrin Florian Kohfeldt, dem nach dem Sieg gegen den BVB die Befreiung bei seinem Jubel merklich anzusehen war.
Selke gibt Werder neue Hoffnung
Für diese sorgte vor allem Neuzugang und Rückkehrer Davie Selke, der das verkörperte, was Bremen in den letzten Wochen fehlte: robuste Zweikampfführung. "Er ist in der Lage, Gegenspieler zu beschäftigen, Bälle festzumachen und schließt auch verlässlich ab", lobt Töllner die Verpflichtung des Torschützen zum 1:0.
Allerdings musste der Rückkehrer kurz nach der Halbzeit verletzt ausgewechselt werden und ist für das enorm wichtige Spiel gegen Abstiegs-Konkurrent Union Berlin zumindest fraglich.
Emotionaler Abstiegskampf
Am Samstag (ab 15:15 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport Bundesliga 3 HD) gastiert der Aufsteiger an der Weser, der aktuell sechs Punkte vor dem Kohfeldt-Team liegt. "Das ist Bundesliga-Abstiegskampf. Werder muss die Tugenden, die sie stark machen, ins Spiel führen", so Töllner zum bevorstehenden Krimi gegen die Eisernen.
Weiter betont er die große Bedeutung des Duells der Abstiegskandidaten: "Wichtig ist es, gegen Union nachzulegen. Wenn Werder nicht nachlegt, ist der Sieg gegen den BVB nichts wert."
Kapitän Niklas Moisander versucht diese Tugenden vorzuleben, auch wenn der sonst so ruhige Finne in diesem Kalenderjahr schon zum zweiten Mal negativ auffiel. Nach seiner Gelb-Roten-Karte beim Rückrundenauftakt in Düsseldorf (1:0), hätte der 34-Jährige gestern wiederholt vom Platz fliegen können.
Nach einer vermeintlichen Schwalbe von BVB-Youngster Giovanni Reyna, packte er diesen am Kragen und versuchte ihn abzustrafen. Moisander schoss dabei allerdings über das Ziel hinaus und hätte seiner Mannschaft einen Bärendienst erweisen können.
Bremen ist bereit
Kohfeldt offenbarte gegenüber Sky, dass er seinem Team, das zur Halbzeit mit 2:0 führte, in der Pause sagte: "Das ist das, was wir spielen wollen. Nehmt das mit." Seine Spieler nahmen es in die zweiten 45 Minuten mit und sie werden es auch versuchen, in die Partie am Samstagmittag mitzunehmen.
Dann, wenn kein Flutlicht leuchten wird, kein Gegner von Weltrang die Werderaner herausfordert, aber die Stimmung trotz des tristen Abstiegskampfes auf dem Höhepunkt sein wird.