DFB-Team: Musiala begeistert - aber ein Makel bleibt
Jamal Musiala: Der bessere "Golden Boy" - aber ein Makel bleibt
29.11.2022 | 15:36 Uhr
Jamal Musiala gehörte beim 1:1 der DFB-Auswahl gegen Spanien einmal mehr zu den besten Spielern auf dem Platz. Das direkte Duell mit Spaniens "Golden Boy" Gavi entschied Musiala klar für sich. Doch ein Makel bleibt.
Nach der Auftaktpleite gegen Japan hat sich die deutsche Nationalmannschaft gegen Spanien stark formverbessert präsentiert und darf nach dem Remis weiterhin auf einen Achtelfinal-Einzug hoffen.
Neben Niclas Füllkrug, der den Ausgleichstreffer für die Flick-Elf erzielte, zählte auch Musiala ohne Frage zu den besten Akteuren am Sonntagabend im Al-Bayt-Stadion in Doha. Der 19-Jährige bereitete nicht nur den Treffer von Füllkrug vor, sondern kreierte auch die meisten Chancen für Deutschland. Nahezu jede nennenswerte Torraumszene ging über Musiala.
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Mit Musiala kommt das Staunen ins Spiel
Was der gebürtige Stuttgarter mit seinen geschmeidigen Bewegungen und seiner magnetartigen Ballführung auf engstem Raum zu leisten im Stande ist, ist beeindruckend. Bei ihm sieht Fußball sehr leicht aus, tänzerisch elegant und fast schon mühelos, trotz seines hohen Laufpensums. Mit Musiala kommt das Staunen ins Spiel. Das alles hat man gegen Spanien erneut beobachten dürfen.
Musialas magische Momente zeigten wieder einmal, wie viel in dem Offensivspieler steckt. Das Aufeinandertreffen mit Gavi, dem Mann, der ihm dieses Jahr den "Golden-Boy-Award" für den besten Nachwuchsspieler wegschnappte, entschied Musiala deutlich für sich. Während Musiala mit seinen Dribblings verzückte, war vom Barca-Juwel im spanischen Spiel nicht viel zu sehen.
Musiala war sich auch für Defensivaktionen nicht zu schade, blockte er in der 36. Minute doch einen Schuss von Ferran Torres im eigenen Strafraum mit einer starken Grätsche ab.
Einziger Makel: Wie schon gegen Japan als Musiala mit einem Solo erst an vier, fünf Gegenspielern vorbeizog, den Ball dann aber über das Tor geschossen hatte, vergab er auch im zweiten Gruppenspiel eine XXL-Gelegenheit.
Musiala vergibt erneut Großchance
Musiala hatte nach einem feinen Steckpass des eingewechselten Leroy Sane nur noch Unai Simon vor sich, scheiterte aber mit einem unplatzierten Abschluss am spanischen Keeper (73.). Ein Querpass auf den mitgelaufenen Füllkrug wäre die bessere und richtige Option gewesen, das weiß Musiala selbst.
"Ich muss den Kopf hochhalten und den Ball passen oder ins Tor reinschießen. Ich glaube, es wird eine schwere Nacht für mich. Ich muss das machen", zeigte sich Musiala nach der Partie selbstkritisch.
Sky Experte und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der die Partie auf der Tribüne mitverfolgte, nahm Musiala in Schutz: "Ich mache ihm da überhaupt keinen Vorwurf. Er hat die Verantwortung übernommen. Das zeichnet ihn schon einmal aus, abzuschließen und das Tor machen zu wollen."
Über Musialas besondere Gabe sind sich die Fachleute einig. Manche vergleichen ihn schon mit Lionel Messi. Musialas Vereinstrainer Julian Nagelsmann schwärmt regelmäßig über dessen "Schlangenbeine" und "extrem schnelle Füße".
Musiala ist klar im Kopf
Vor allem aber, und das ist wohl noch wichtiger, wirkt Musiala klar genug im Kopf. Die Aussagen nach dem Spanien-Spiel verdeutlichten das. Es gibt nur wenige Spieler in Musialas Alter, die bereits so reflektiert sind. Er bleibt auf dem Boden, hebt nicht ab - auch das zeichnet den Youngster aus.
Musiala sagt offen, er wolle "einer der besten Spieler der Welt" werden. Das ist selbstbewusst und sehr ehrgeizig. Aber Musiala scheint auch zu wissen, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist.
Um sich diesem Ziel zu nähern, braucht es viel Konstanz auf höchstem Niveau - und eine bessere Effizienz vor dem Tor. Vielleicht klappt es ja am Donnerstag gegen Costa Rica im alles entscheidenden Gruppenspiel.
Klar ist: Die Hoffnungen bei der deutschen Mannschaft werden zu einem wesentlichen Teil auf dem hochbegabten Teenager liegen.
Es verwundert schließlich nicht, dass gerade über viele möglichen Personalien diskutiert wird. Musiala aber steht nicht in Frage. Wie selbstverständlich ist er bereits gesetzt in der Startelf. Und das als fünftjüngster deutscher WM-Spieler der Geschichte.
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