Die klimatischen Bedingungen der WM sind für das DFB-Team keine Entschuldigung
Für die DFB-Auswahl beginnt ihr amerikanischer Traum. Dabei kämpft das Team auch mit den äußeren Umständen.
03.06.2026 | 13:06 Uhr
Bei der Passkontrolle nach der Einreise mussten sich Julian Nagelsmann und seine Nationalspieler noch ein wenig in Geduld üben - nach der Ankunft von Nachzügler Kai Havertz und der ersten Nacht im Nobelhotel in Chicago aber legten sie richtig los.
Der Bundestrainer bat seine Mannschaft am Mittwoch um 11.00 Uhr Ortszeit auf das Gelände von MLS-Klub Chicago Fire zu einem Geheimtraining, die Akklimatisierung soll schließlich so schnell wie möglich erfolgen.
"Jeder weiß, was bevorsteht. Jeder ist sehr motiviert. Man hat das Gefühl, dass sich jeder extrem reinhaut", fasste es Kapitän Joshua Kimmich zusammen. Havertz traf nach dem verlorenen Champions-League-Finale unter großem Hallo im Waldorf Astoria ein, für die WM-Generalprobe am Samstag gegen die USA (20.30 Uhr live auf RTL) hat Nagelsmann dem Offensivspieler bereits einen Startelfeinsatz zugesichert.
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Schwülwarme Temperaturen und Gewitter
Angesichts des Anstoßes um 13.30 Uhr Ortszeit könnte der letzte Test nicht nur sportlich einen Vorgeschmack auf das XXL-Turnier geben: Bei schwülwarmen Temperaturen sind auch Gewitter möglich. Davon bekam die DFB-Auswahl bei einem kleinen Spaziergang zum Lake Michigan und der ersten Einheit im strahlenden Sonnenschein in der "Windy City" noch nichts mit, doch schon am Donnerstag sollen die Temperaturen in der drittgrößten US-Metropole auf 30 Grad klettern.
Klima keine Entschuldigung
Die klimatischen Bedingungen könnten auch bei der am 11. Juni beginnenden WM in den USA, Mexiko und Kanada ein entscheidender Faktor werden. Als Entschuldigung will Nagelsmann das aber nicht gelten lassen. "Das Wichtigste ist, dass das Klima für alle Teams gleich ist", sagte der 38-Jährige. Natürlich gebe es Mannschaften, "die es vielleicht mehr gewöhnt sind als wir. Aber ich finde, dass sehr viel davon abhängt, wie du das als Trainer und als Trainerteam vorlebst."
In den klimatisierten Zimmern ihres Fünf-Sterne-Hotels kommen Manuel Neuer und Co. erwartungsgemäß nicht ins Schwitzen. Doch neben den Profis des FC Bayern und von Borussia Dortmund, die im vergangenen Jahr bei der Klub-WM teils leidvolle Erfahrungen mit dem Klima in den USA gemacht haben, weiß auch Rudi Völler, was auf die DFB-Stars zukommen kann.
"Selbst wenn einer ein bisschen mehr gewöhnt ist, sind 40 Grad trotzdem warm", sagte der DFB-Sportdirektor, der 1994 beim letzten WM-Vorrundenspiel gegen Südkorea in Dallas (3:2) mit einer außergewöhnlichen Bitte an Coach Berti Vogts herangetreten war. "Berti wollte mich eigentlich aufstellen. Ich sagte zu ihm: Berti, ich bin 34 Jahre alt, das wäre mir zu heiß. In der nächsten Runde ja, gerne, aber nicht heute", berichtete Völler und ergänzte zur Beruhigung: "Dallas hat mittlerweile ein Dach, da ist es zehn Grad kühler. Man kann da mittlerweile Fußball spielen."
Medizinisches Team vor Ort
Der Weg der DFB-Auswahl zum fünften Stern führt erst mal ohnehin nicht über Dallas. Nagelsmann und die medizinische Abteilung sind dennoch gefordert. "Wir haben ein hervorragendes medizinisches Team, das extrem viele Maßnahmen getroffen hat, um die Körpertemperatur runterzukühlen während des Spiels", sagte der Bundestrainer, der zudem die Trinkpausen in den beiden Halbzeiten begrüßt. Im Training würden sich die Spieler dann auch mal "ein eiskaltes Handtuch in den Nacken" legen. So könne man "die Trainingsqualität und die Frische der Spieler aufrechthalten".
Nach Ausreden suchen diese aber nicht. Es sei zwar "nicht leicht", räumte Nico Schlotterbeck ein: "Aber jeder spielt mit den gleichen Bedingungen, deswegen hoffe ich, dass wir das am besten hinkriegen."
Und so schlimm wie 1994 muss es ja nicht werden. Jürgen Kohler bekam damals sogar den berühmten Stinkefinger von Stefan Effenberg gegenüber den Fans gar nicht mit. "Es war so heiß, ich hatte gar keine Energie, auf irgendetwas anderes außer den Ball zu schauen", sagte der Weltmeister von 1990.
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