Premier League Auftakt: Norwich-Trainer Farke im Interview

"Fahren nicht als Favorit an die Anfield Road"

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Norwich City: Trainer Daniel Farke spricht exklusiv bei Sky über das Duell mit Jürgen Klopp zum Auftakt der Premier League (live auf Sky).

Im exklusiven Interview mit Sky Reporter Sascha Bacinski spricht Norwich-Trainer Daniel Farke über seinen Klub, das Abenteuer Premier League und das Duell gegen Jürgen Klopp.

Sky Sport: Was ist Norwich für ein Verein? Was für ein Gefühl?

Daniel Farke: Ich habe mich damals ganz bewusst für Norwich City entschieden, weil es ein großer Verein in England ist, ein Traditionsverein, auch mit einer großen Historie in der Premier League und auch in Europa. Der Verein zehrt natürlich immer noch von den Erfolgen auch in Europa, es gab damals historische Siege, Bayern München im Europapokal, und hat eine große Fangemeinde. In der Region ist wirklich im Umkreis von 150 km kein anderer Premier-League-Klub und deswegen fokussiert sich natürlich alles auf den Verein. Es ist ein großer Verein in England und es ist eine Ehre, für den Verein auch arbeiten zu dürfen.

Sky Sport: Wie haben sie gemerkt, dass sie nach Norwich passen?

Farke: Ja, einfach die vielen Gespräche. Mir war es einfach extrem wichtig, mit unseren Verantwortlichen zu sprechen, mit unserem Sportdirektor Stuart Webber, aber auch mit dem Board, das ist vergleichbar mit dem Vorstand in Deutschland, mit den Eigentümern, die keine typischen Eigentümer-Eigenschaften haben, sondern den Verein seit 30 Jahren mit ganz viel Herz und Leidenschaft führen und immer für den Verein da sind, sehr sehr bodenständig.

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In den Gesprächen wurde sehr schnell klar, dass wir auch übereinstimmende Ziele haben und auch eine klare Vorstellung davon haben, wie wir den Verein entwickeln wollen. Und das i-Tüpfelchen war dann, dass ich mir die Region, die Stadt angeschaut habe, mit den Menschen im Verein dann auch gesprochen habe. Und dann hat sich auch schnell ein Bild abgezeichnet. Dieses Bild war, dass ich auch unbedingt für Norwich City arbeiten wollte.

Sky Sport: Wie lange hat es gedauert, bis sie ihren Fußball in Norwich umsetzen konnten?

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Farke: Um im Fußball erfolgreich zu sein, müssen immer viele Dinge zusammen kommen. Wir haben eine sehr sehr komplizierte Lage vorgefunden im Verein, der sich so ein bisschen ans Verlieren gewöhnt hatte. Der finanzielle Druck war extrem groß, wir mussten einen Großteil unserer Spieler verkaufen, der Verein war im Umbruch, wir haben eine relativ überalterte Mannschaft gehabt. Und das dann als erster ausländischer Trainer der Vereinsgeschichte dann auch stemmen zu können und zu dürfen, war dann schon eine Mammutaufgabe.

Wir mussten an vielen Baustellen gleichzeitig arbeiten, bis dann am Ende auch die Früchte zu ernten sind. Wir haben eine sehr solide erste Serie gespielt, natürlich auch ganz ganz viel investiert in dieser Serie und viele Dinge schon eingeleitet. Und dann in den Augen vieler Betrachter auch das zweite Jahr extrem erfolgreich abgeschlossen mit dem Championship-Titel und dem Aufstieg in die Premier League. Für viele Beobachter und Experten auch extrem überraschend. Für uns auch etwas, was wir nicht erwarten konnten. Natürlich sind wir schon überzeugt gewesen von der Art und Weise, wie wir gearbeitet haben und dem Weg, den wir gehen wollten. Vielleicht sind wir drei vier Jahre vor unserer Zeitvorstellung, das muss man ganz ehrlich sagen. Wir müssen noch für die Fehler und die Sünden der Vergangenheit - auch finanziell - ein bisschen bezahlen und sind dort nicht auf dem Niveau, was Premier-League-Vereine normalerweise anzubieten haben. Aber wir sind überzeugt von unserem Weg und sind auch sehr glücklich mit dem Status Quo.

Sky Sport: Wie ist denn ihre Idee von Fußball?

Farke: Wenn wir es mit einem Wort beschreiben müssten, dann wäre es Dominanz. Wir wollen immer die Protagonisten sein auf dem Platz, wir wollen entscheidend dafür sein, ob wir Spiele gewinnen oder verlieren, wir wollen aktiv sein. Heutzutage wird das dann viel mit Ballbesitzfußball umschrieben. Wir sind immer eine Mannschaft, die, wenn sie wählen dürfte, auch 90 Minuten Ballbesitz wählen würde. Und wir werden immer unzufrieden sein, wenn der Gegner den Ball hat.

Wir wollen Fußball spielen, wir wollen das Spiel bestimmen, das ist unsere Art und Weise. Unsere Idee wird immer Ballbesitz sein und die Spiele zu dominieren, da werden wir auch in der Premier League nicht von abgehen.

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Norwich City: Trainer Farke erklärt seine Spielidee

Sky Sport: Wie viel schwieriger wird das in der Premier League?

Farke: Viel schwieriger, weil die Qualität der Gegner einfach nochmal größer ist. In der Championship wurde uns viel zugestanden, dass wir bereits Premier League Fußball gespielt haben, verglichen mit den Topteams. Dass wir dort dann eigentlich besser hinpassen als in die Championship. Ich bin da nicht so sicher, weil wir ein Alleinstellungsmerkmal einfach auch hatten und das eine große Stärke war in der Championship. Jetzt müssen wir mit viel stärkeren und individuell besser besetzten Mannschaften konkurrieren. Aber wir haben hart dafür gearbeitet, um auf dem Niveau dann auch agieren zu können, und wir nehmen auch Selbstvertrauen aus der letzten Saison mit.

Wir wissen schon, dass wir in den Augen vieler Betrachter irgendwie als Favorit auf Platz 20 aufgrund unserer finanziellen Möglichkeiten starten, das ist schon so. Wir werden auch kritisiert dafür werden, dass wir nicht mehr Transfersummen ausgegeben haben jetzt im Sommer. Aber dieser Weg war für uns alternativlos. Wir mussten so ein bisschen die finanziellen Probleme der Vergangenheit bewältigen und mussten viel in die Infrastruktur, viel in die Jugend stecken und mussten sehen, dass wir den Kader, der aufgestiegen ist, auch so zusammen halten mit einigen Vertragsverlängerungen. Wir werden nicht die weiße Flagge hissen, sondern werden versuchen mit unseren Mitteln zu kämpfen, und eine gute Serie zu spielen.

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Sky Sport: Zu ihrer Zeit beim BVB II: Wie war da der Austausch mit Thomas Tuchel? Wie hat dieser Austausch auch ihre Idee vom Fußball erweitert?

Farke: Du wirst auf allen Stationen immer von Erfahrungen geprägt. Von den Erfahrungen, die du als aktiver Spieler hast, aber dann natürlich auch von deinen Trainerstationen, von Spielern und von Trainerkollegen. Wenn du der Meinung bist, dass du alles über Fußball weißt und dich nicht mehr weiterentwickeln musst, das ist dann der Zeitpunkt, wo du zurücktreten solltest. Der Fußball ist so schnell und wenn du da nicht bereit bist, dich jeden Tag weiter zu entwickeln, dann wirst du irgendwann zum Dinosaurier und bist dann nicht mehr gut genug für Top-Niveau.

Ich hab eine tolle Zeit in Dortmund gehabt mit unserer sportlichen Führung - mit Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und mit unserm U23-Manager Ingo Preuß. Natürlich war der Austausch mit Thomas Tuchel auch sehr eng und unsere Vorstellungen vom Fußball liegen auch in vielen Bereichen sehr eng beieinander. Es war ein sehr befruchtender Austausch und sehr sehr in die Tiefe gehend. Natürlich hat das auch ein stückweit geprägt, aber das ist glaube ich ganz normal, dass man auf allen Stationen auch immer etwas mitnimmt.

Sky Sport: Viele Deutsche im Kader. Zufall?

Farke: Vielleicht kein Zufall, aber der Reisepass spielt bei uns wirklich keine Rolle. Wir sind ein klarer englischer Verein, der sich zu seinen Traditionen und zu seinen Werten bekennt. Wir haben eine klare Vorstellung, wie wir arbeiten wollen und auch wie wir Fußball spielen lassen wollen. Wir sind immer auf der Suche nach Spielern, die genau dazu passen, die sich total damit identifizieren. Und wenn man ehrlich ist: unsere erster Blick ist immer auf dem homegrown-Markt, also auf dem einheimischen Markt in England, weil es dann immer einfacher ist. Die Spieler kennen die Liga, haben keine Sprachprobleme, sind kulturell schon sehr eng dort.

Wenn man ehrlich ist, Top-Qualität in England zu finden, gerade Spieler, die uns weiterbringen, das ist finanziell fast nicht zu stemmen. Deswegen sind wir im Scouting viel im Ausland unterwegs, schauen uns viel in Spanien um, schauen uns in Holland um, schauen uns ins skandinavischen Ländern um, natürlich auch in Deutschland. Es hilft dann vielleicht auch als deutscher Trainer einen deutschen Spieler eher zu begeistern, als dann vielleicht einen portugiesischen oder südamerikanischen Spieler, obwohl wir dort auch einige Jungs im Kader haben, die auch sehr sehr wichtig sind. Aber der Reisepass ist bei uns wirklich zweitrangig. Wichtig ist, dass wir Spieler haben, die sich mit unserer Art und Weise identifizieren, die gut dazu passen und da sind wir von den Jungs auch alle überzeugt.

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Sky Sport: Erstes Spiel gegen Liverpool. Erstes Spiel gegen Klopp....

Farke: Ich würde da nicht zu viel reininterpretieren. Du musst ja sowieso jedes Team zweimal spielen - einmal auswärts und einmal zuhause. Der Spielplan ist so wie er ist. Wir werden jetzt nicht unbedingt als Top-Favorit an die Anfield Road fahren, das wissen wir schon. Und wenn man wählen dürfte, dann würde man sich so ein Spiel auswärts bei Liverpool dann vielleicht auch erst zwischen zwei CL-Spielen wünschen, wenn die Jungs nicht so total fokussiert sind.

Es wird der Eröffnungsspieltag der Premier League sein, die ganze Welt schaut drauf. Wir spielen bei einer Mannschaft, die seit zweieinhalb Jahren kein Heimspiel verloren hat - weder in der Liga noch in der Champions League. Wir wissen schon, dass das auch die schwierigste Aufgabe ist, die man am ersten Spieltag erwischen kann. Aber, wir können es ja nicht ändern und müssen Liverpool sowieso spielen. Wir freuen uns darauf und werden auch dort nicht die weiße Flagge hissen, werden nicht den Bus vor dem Tor parken. Wir werden versuchen, unseren Fußball zu spielen, und mit unseren Mitteln konkurrenzfähig zu sein. Wir werden sehen, was dabei rauskommt.

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