FC Bayern: Die Traumwoche des Leon Goretzka
Die Traumwoche des bayrischen Chef-Statikers
13.10.2022 | 11:28 Uhr
Nach einem bislang schwierigen Jahr läuft Leon Goretzka im Herbst zur Hochform auf - nicht nur zur Freude von Julian Nagelsmann und des FC Bayern.
Leon Goretzka verfügt über ein hohes Maß an Ballgefühl. Das stellte der Mittelfeldspieler auch am Mittwoch beim souveränen 4:2-Sieg in der Champions League bei Viktoria Pilsen unter Beweis. Beim vierten Treffer der Münchner chippte er den Ball clever über den herausstürmenden Keeper Jindrich Stanek hinweg ins Tor. Es war nicht seine einzige Highlight-Szene. Der offensivfreudige Goretzka ragte wie beim für die Bayern so frustrierenden Klassiker in Dortmund (2:2) erneut heraus.
Der Nationalspieler war auch für das 3:0 verantwortlich und bereitete zudem das Führungstor von Sadio Mane mit einem genau temperierten Steckpass in den Lauf des Senegalesen vor. "Das ist heute eher ein Abend, bei dem man auf die positiven Dinge gucken kann", sagte Goretzka im Anschluss. Positiv ist für den FC Bayern zweifelsohne die Rückkehr des 27-Jährigen, hinter dem ein bislang schwieriges Jahr liegt.
Goretzka nimmt Sonderstellung beim FC Bayern ein
Aufgrund langwieriger Probleme im linken Knie hat er erst im April seinen ersten Einsatz absolviert, Mitte Juli musste er sich dann sogar einer Knieoperation unterziehen, bei der freie Gelenkkörper entfernt wurden. Die Folge: Er verpasste die komplette Vorbereitung und den Saisonstart. Zuletzt wurde er dann auch noch positiv auf das Coronavirus getestet. Nun, wieder im Vollbesitz seiner Kräfte, ist er zurück und zeigt, wie wichtig und wertvoll er für das Bayern-Spiel ist.
In den vergangenen drei Spielen gegen Pilsen und den BVB erzielte der 27-Jährige drei Tore und legte drei weitere auf. Sechs Scorerpunkte in einer Woche - das kann sich mehr als sehen lassen. Nagelsmann attestierte seinem Schützling in Pilsen "ein sehr gutes Spiel" und auch wenn Goretzka selbst nicht glaubt, "dass sich das so Spiel für Spiel durchzieht": im Vergleich zu seinen Zentrums-Konkurrenten Joshua Kimmich, Marcel Sabitzer oder Ryan Gravenberch nimmt er eine exponierte Stellung ein.
Er ist der einzige Spieler, der mit Tempo den Ball am Fuß nach vorne treiben kann. Als klassischer Box-to-box-Spieler ist er daher in der Lage, sowohl defensiv als auch offensiv Akzente zu setzen.
Goretzka füllt Leader-Rolle bei Bayern aus
Sky Experte Didi Hamann bezeichnete Goretzka in puncto Statik bereits in der Vergangenheit als den "wichtigsten Spieler". Nicht nur für den FC Bayern, sondern auch für das DFB-Team. Die Statik ist für den den Münchnern nach der Umstellung auf das variable 4-2-2-2-System wichtiger denn je und auch der deutschen Nationalmannschaft war die fehlende Balance in den vergangenen Partien ohne Goretzka deutlich zu erkennen.
Der Ex-Schalker ist aber nicht nur ein Unterschiedsspieler, sondern hat sich längst zu einem Leader entwickelt, dessen Wort Gewicht hat. Nach dem aus Bayern-Sicht ärgerlichen 2:2 in Dortmund schlug er selbstkritische Töne an, die auch trotz des nie gefährdeten Erfolgs in Pilsen nicht ausblieben.
Goretzka mahnt und formuliert klaren Auftrag
Auch wenn er das Auftreten insgesamt als "guten Schritt" deklarierte, mahnte er angesichts der zwei Gegentore nach der Pause die fehlende Seriosität an: "Das ärgert mich und die Jungs in der letzten Reihe sicher auch." Damit befindet er sich auf einer Linie mit Oliver Kahn: "Nach einer furiosen ersten Hälfte haben wir den Gegner aber wieder zurück ins Spiel kommen lassen. Das müssen wir unbedingt abstellen", forderte Bayerns CEO.
Beide wissen um die Gefährlichkeit einer Laissez-faire-Einstellung, die den Bayern in den vergangenen Monaten des Öfteren zum Verhängnis wurde. Deswegen ist der Auftrag für die Partien bis zur WM-Pause klar formuliert: "Jetzt wollen wir uns Spiel für Spiel in einen Rausch spielen", kündigte Goretzka an.
Eine Ansage, die angesichts seiner persönlichen Formkurve wie eine Drohung klingt.
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