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FC Schalke 04 News: Gehaltsobergrenze als Weg ins Mittelmaß?

Schalke am Boden! Freiwilliges Mittelmaß als einziger Ausweg?

Robert Gherda und Dirk große Schlarmann

30.06.2020 | 19:56 Uhr

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FC Schalke 04: Drei Gründe - darum darf Wagner auf Schalke bleiben

Nach einem geradezu abenteuerlichen Absturz in der Rückrunde ist man auf Schalke froh, dass die Saison endlich vorbei ist. Nach einer ausführlichen Analyse werden die S04-Bosse am Mittwoch Ergebnisse präsentieren - mit weitreichenden Konsequenzen für die Zukunft des Pottklubs.

Seit Wochen kündigen Sportvorstand Jochen Schneider und Trainer David Wagner an, dass sie die richtigen Lehren aus einer völlig verkorksten Rückrunde gezogen haben und kommende Saison mit Schalke wieder neu angreifen wollen.

Athletik-Trainer müssen gehen

Die Ergebnisse dieser internen Aufarbeitung sollten eigentlich am heutigen Montag im Rahmen einer Pressekonferenz verkündet werden, die aber kurzfristig auf Mittwoch (ab 11:00 Uhr live auf Sky Sport News HD und im Stream auf skysport.de) verschoben werden musste. Offizieller Grund: Schneider hat einen nicht verschiebbaren Termin bezüglich der Kaderplanung der kommenden Spielzeit.

Eine Rolle könnte aber auch die telefonische Aufsichtsratssitzung spielen, die nach Sky Informationen am morgigen Dienstag stattfindet und auf der einige Maßnahmen durchgewunken werden sollen.

Dies betrifft nach Sky Informationen den Athletikbereich, der für die zahlreichen Verletzungen in der abgelaufenen Saison verantwortlich gemacht wird. Klaus Luisser und Bob Schoos müssen gehen - dafür kommt Werner Leuthard, der sich als Schleifer von Felix Magath einen Namen gemacht hat. Schneider kennt den 58-Jährigen noch aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart und vertraut darauf, dass Leuthard die Mannschaft wieder auf ein anderes Fitnesslevel heben kann.

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Gehaltsobergrenze kommt

Die weitaus spektakuläre Maßnahme wird aber die Einführung einer Gehaltsobergrenze sein, die bei rund 2,5 Millionen Euro liegen dürfte. Schneider hat eine solche Deckelung bereits bei RB Leipzig erlebt, die dort bis zur Auflösung bei rund drei Millionen Euro gelegen haben soll. Ein solcher Beschluss hat natürlich einen großen Symbolwert in der Öffentlichkeit: Schalke zeigt mit diesem historischen Schritt, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernt, demütig ist und es in Zukunft besser machen will.

Andererseits bleibt Königsblau auch gar nichts anderes übrig, denn obwohl Schalke im vergangenen Jahr den zweithöchsten Umsatz der Vereinsgeschichte verbuchen konnte (275 Millionen - wird nur getoppt von den 350,4 Millionen im Jahr 2018), wuchs der Schuldenberg weiter an. Die aktuelle Schieflage ist so bedrohlich, dass die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen dem Bundesligisten nach Sky Informationen eine Bürgschaft in Höhe von 30 bis 40 Millionen Euro gewähren soll.

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Schalke beschließt Mittelmaß

Doch die Entscheidung bringt auch Probleme mit sich. Zum einen gilt die Regel natürlich nur für neue Spieler, aber aktuelle Topverdiener wie Sebastian Rudy, Mark Uth, Nabil Bentaleb stehen nach wie vor auf der Gehaltsliste, falls sie nach Leihen zurückkehren. Auch geplante Vertragsverlängerungen mit Leistungsträgern wie Suat Serdar, die aktuell deutlich über dieser Schallmauer liegen, dürften sich damit erledigt haben. Vereinfacht gesagt: Schalke beschließt Mittelmaß.

Schneider und Kaderplaner Michael Reschke werden auch versuchen, weiteres Kapital durch Spielerverkäufe zu generieren. Ein möglicher Kandidat ist Innenverteidiger Matija Nastasic. Ozan Kabak könnte einen Sommer später folgen, wenn ein Topklub eine üppige Ablöse für den jungen Innenverteidiger auf den Tisch legt.

Auf der Zugangsseite wird der Pottklub große Stars dagegen auf absehbare Zeit nicht mehr anlocken und wird vielmehr versuchen, junge Spieler zu holen oder gestandene Akteure auszuleihen. Eine Ausnahme könnte Freiburgs Schlussmann Alexander Schwolow sein, mit dem Schalke sich nach Sky Informationen beschäftigt. Problem: Die Ablöse kann und will S04 nicht bezahlen und hat daher offenbar auch die Option, einen erfahrenen Keeper leihweise zu verpflichten.

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Kein Trainerwechsel

Auch die Knappenschmiede wird noch einmal mehr in den Fokus rücken. Schalke konnte sich zuletzt vier äußerst vielversprechende Talente sichern, die in der kommenden Spielzeit den nötigen Feinschliff unter Norbert Elgert erhalten sollen, aber nach Wunsch bereits 2021/22 eine Option für den Profikader darstellen könnten.

Ob David Wagner dann noch Trainer ist, ist unklar. Sicher ist aber, dass der Übungsleiter, der einen Rücktritt kategorisch ausschloss, trotz unglaublichen 16 (!) Bundesligapartien ohne Sieg zunächst weitermachen darf und auch kommende Saison Trainer auf Schalke bleiben wird.

Dies hat mehrere Gründe: Aufgrund der immensen Schuldenlast und des üppigen Gehalts des 48-Jährigen können sich die Knappen einen Rauswurf und die fällige Abfindung schlicht nicht leisten. Zudem sehen die Bosse aber auch keinen Trainer auf dem Markt, dem man zutraut, es besser zu machen.

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Doch neben den fehlenden Alternativen wollen Schneider & Co. den Spielern nicht schon wieder ein Alibi geben. Andre Breitenreiter und Markus Weinzierl mussten auf Schalke bereits nach einer Saison wieder die Koffer packen und auch Domenico Tedesco war trotz Vizemeisterschaft keine zwei Spielzeiten im Amt. Schalke sehnt sich nach einer langfristigen Lösung auf der Trainerbank, aber die Entscheidung, an Wagner festzuhalten, birgt auch enorme Risiken.

Wagner hat Fehler gemacht

Der Coach geht mit der gewaltigen Hypothek der aktuellen Negativspirale in die kommende Saison und hätte bei einem schwachen Saisonstart kaum Argumente auf seiner Seite. Auch, weil sich Wagner in dieser Runde einige Fehler leistete:

Noch vor Saisonbeginn machte er Alexander Nübel zum Kapitän, obwohl bereits damals gemunkelt wurde, dass sich der junge Schlussmann für einen Wechsel zum FC Bayern entschieden hatte. Als der Transfer dann im Winter öffentlich wurde, wechselte Wagner mehrfach zwischen Nübel und Markus Schubert hin und her und verbrannte den Stellvertreter damit.

Auch taktisch und personell waren einige Entscheidungen zumindest fragwürdig. Nach einer starken Hinrunde, in der Schalke mit tollem Fußball begeisterte und für jeden Gegner aufgrund des hohen Anlaufens und des überfallartigen Umschaltspiels unangenehm zu spielen war, klappte in der Rückrunde fast nichts mehr.

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Als sich die Verletzungen häuften, wählte Wagner oft ein sehr defensives und teils destruktives System wie beispielsweise in Düsseldorf und Frankfurt oder zu Hause gegen Bremen. Bei den beiden letzten Partien korrigierte er zwar seine Ausrichtung noch im Verlauf der Begegnung, aber die Spieler konnten den Rückstand nicht mehr drehen.

Gutes Gerüst vorhanden - und sonst?

Die Mannschaft selbst pflegt nach Sky Informationen ein ordentliches Arbeitsverhältnis zum Coach: Die Spieler sind mit dem Training zufrieden und es gibt auch keine nennenswerte Opposition gegen Wagner. Allerdings ist der Abstand zwischen Mannschaft und Trainer sehr groß, denn die komplette Kommunikation übernehmen die Co-Trainer. Sprich: Das Team will keinen Trainerwechsel, aber sollten die Ergebnisse in der nächsten Spielzeit nicht besser werden, ist es auch unwahrscheinlich, dass die Mannschaft für den Coach beim Vorstand vorsprechen würde.

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Wie das Team dann genau aussieht, ist unklar: Schalke hat zwar mit Kabak und Salif Sane ein starkes Pärchen in der Innenverteidigung, ist im Mittelfeld mit Omar Mascarell auf der Sechs und davor mit Weston McKennie, Suat Serdar und Amine Harit ebenfalls gut besetzt und hat mit Benito Raman auch einen flinken Flügelstürmer. Mit Can Bozdogan hat der nächste Youngster aus dem eigenen Stall gezeigt, dass er in der Bundesliga bestehen kann.

Tönnies-Problematik bleibt

Problem: Es fehlen Torwart, Außenverteidiger und natürlich ein Knipser im Sturmzentrum. Und das sind nicht einmal die größten Probleme auf Schalke, denn über allem kreist noch Clemens Tönnies, der dem Ansehen des Vereins in der Öffentlichkeit in den letzten zwölf Monaten erst mit der Rassismus-Affäre und mit der Corona-Problematik in seiner Fabrik in Rheda-Wiedenbrück massiv geschadet hat. Doch eine Abberufung des mächtigen Aufsichtsratschefs ist kurzfristig nicht realisierbar.

Klar ist aber auch, dass auch dieses Thema früher oder später wieder auf den Tisch kommt, denn auch Schneider und Wagner werden bei ihrer Analyse zu dem Schluss gelangt sein, dass es speziell in den letzten Wochen selbst für Schalker Verhältnisse zu unruhig war.

Inwieweit die Pressekonferenz ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, wird die Zukunft zeigen.

Mehr zum Autor Robert Gherda

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