FC Schalke 04 News: Pleite gegen Regensburg vergrößert Sorgen bei Königsblau
"Scheißspiel" vergrößert S04-Sorgen! Woche der Wahrheit droht
23.08.2021 | 20:39 Uhr
S04 hat in der 2. Bundesliga einen Fehlstart hingelegt. Nach lediglich vier Punkten aus vier Spielen ist dies nicht nur zahlentechnisch zu konstatieren. Auch die Art und Weise des Schalker Spiels, dessen Schwächen bei der blamablen 1:4-Pleite in Regensburg gnadenlos aufgezeigt wurden, gibt Anlass zur Sorge.
Der ein oder andere Fußball-Fan wird sich am Samstagnachmittag gegen 15:25 Uhr beim Blick auf die Ergebnisse in der 2. Bundesliga verwundert die Augen gerieben haben. Der Grund: Schalke 04 verliert mit 1:4(!) beim SSV Jahn Regensburg.
Noch vor sechs Jahren kickten die Oberpfälzer in der viertklassigen Regionalliga Bayern, während S04 sich in der Europa League mit Sparta Prag, Shaktar Donezk und Co. duellierte. Doch die Gegenwart sieht besonders aus königsblauer Sicht deutlich düsterer aus. Während der Jahn nach vier Spielen und vier Siegen an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga thront, rutscht S04 mit lediglich vier Zählern auf dem Konto immer tiefer in die Abgründe des Unterhauses.
Schalke taumelt im Unterhaus und steht vor arbeitsreicher Woche
Dabei könnte es sich aber nicht nur um eine kurze Momentaufnahme handeln, die nach wenigen Spielen wieder bereinigt sein könnte. Ganz im Gegenteil: Die herbe Klatsche gegen Regensburg hat gezeigt, dass Schalke in vielen Bereichen gravierende Defizite aufweist, die auch nur einen ansatzweisen Erfolg in der 2. Bundesliga nahezu unmöglich machen.
Auf Schalke könnte sich deshalb eine Woche der Wahrheit anbahnen, an deren Ende das Duell gegen Fortuna Düsseldorf steht (Samstag, 20:30 Uhr LIVE auf Sky Sport Bundesliga 1). Doch bis es soweit ist, gibt es für S04 zahlreiche Aspekte aufzuarbeiten, die besonders in Regensburg sichtbar wurden.
Terodde spricht von "Scheißspiel"
"Das Ergebnis spricht für sich", setzte ein sichtlich bedienter Simon Terodde, dem immerhin der einzige Schalker Treffer gelang, zum Interview am Sky Mikrofon an. "Es war ein richtiges Scheißspiel. Wir müssen uns vorwerfen, wie wir in der ersten Hälfte gespielt haben. Drei Standardsituationen entscheiden am Ende das Spiel."
Damit spricht der Goalgetter den wohl auf Anhieb gravierendsten Makel im Knappen-Spiel an diesem Nachmittag an: Die Verteidigung bei Standardsituationen. Die Gegentreffer zwei bis vier entstanden allesamt aus einem ruhenden Ball.
Schalke mit großen Problemen bei Standardsituationen
Beim 0:2 stehen bei einem Regensburger Freistoß zwar zehn(!) Schalker im eigenen Strafraum, am Ende verhindert dennoch niemand, dass Andreas Albers aus elf Metern fast ungestört einschießen kann. Beim 0:3 verpasst Neuzugang Ko Itakura den richtigen Moment und verliert so die entscheidenden Schritte zum Gegenspieler, der am kurzen Pfosten einköpfen kann. Und beim letzten Gegentreffer schaltet die königsblaue Abwehr nach einem zunächst geklärten Freistoß völlig ab, so dass Sarpreet Singh nachsetzen und zum 4:1-Endstand einschießen kann.
Dreimal legte Schalke damit ein Abwehrverhalten an den Tag, das eigentlich gar nicht als solches bezeichnet werden dürfte. "Es sind Situationen, die dürfen einfach nicht passieren, die müssen wir besser verteidigen. Diese Dinge sind einfach auch spielentscheidend", blickte Trainer Dimitrios Grammozis auf die drei entsprechenden Gegentreffer. "Wir wissen, dass es zu wenig ist. Ich will das Spiel auch nicht schönreden. Uns bleibt nichts anderes übrig, als das aufzuarbeiten, die Fehler ganz klar anzusprechen und dann mit den Jungs weiter zu marschieren."
Individueller Fehler von Flick leitet Niederlage ein
Doch mit der Aufarbeitung dieser Situationen ist es bei Schalke 04 offensichtlich noch lange nicht getan. Denn auch die individuellen Fehler ziehen sich in dieser Saison bislang weitestgehend durch die Spieltage.
In Regensburg leitete Florian Flick die Niederlage mit einem haarsträubenden Ballverlust am eigenen Strafraum ein. "Den hauen wir uns selbst rein", so Grammozis. "Das hat Regensburg auch ein bisschen in die Karten gespielt. Dadurch konnten sie sich noch mehr auf die Defensive verlagern und die Räume dicht machen."
Schalker Offensive kein Garant für Spektakel
Und dort beginnt das nächste Problem der Gelsenkirchener. Die Ideenlosigkeit und Harmlosigkeit im Spiel nach vorne. Es mag nun einige geben, die die sechs Saisontreffer als Gegenargument für diesen Punkt hernehmen, doch insgesamt wirkt das Schalker Spiel schon sehr destruktiv. Mutigen, schnellen und kreativen Fußball suchen die S04-Anhänger bislang vergebens.
Laut Grammozis habe Schalke das Spiel gegen Regensburg kontrolliert - trotz der klaren Niederlage - und sich auch einige Chance erspielt. Doch wirkliche Hochkaräter waren nicht dabei. Insgesamt gab S04 auch nur vier magere Schüsse auf das gegnerische Tor ab. Eine erschreckende Zahl für einen Bundesliga-Absteiger, der gewisse Ansprüche besitzt und diese auch bei den Beobachtern schürt. "Der Punch im letzten Drittel hat uns gefehlt", fasste Grammozis am Sky Mikro diesen Bereich des Schalker Spiels zusammen.
Tritt S04 mit falschem Selbstverständnis an?
Ein weiterer Punkt, der bei Schalke 04 Fragen aufwirft und kritisch angebracht werden muss, ist die Systemfrage, in der Grammozis wieder umgeschwenkt ist. Während der Trainer in den ersten beiden Spielen der Saison und auch im DFB-Pokal eine Dreierkette aufgestellt hatte, änderte er am vergangenen Wochenende beim 1:1 gegen Erzgebirge Aue die Grundstruktur auf ein 4-1-3-2. Auch wenn gegen die Sachsen nur ein Punkt herausgesprungen ist, zählte die Leistung der Schalker zu den besseren in den vergangenen Wochen.
Doch warum stellte Grammozis für das Regensburg-Spiel wieder um? Der Grundgedanke dahinter dürfte auswärts beim Spitzenreiter sicherlich die Stärkung der Defensive mit einem zusätzlichen Mann im Zentrum gewesen sein. Doch diese Überlegung ging überhaupt nicht auf. Mit dem 21-jährigen Flick in der Mitte einer Dreierkette fand Schalke in der Defensive nie wirklich Zugriff auf die Regensburger Offensivkräfte und Stabilität im eigenen Spiel.
Drexler: "Dem müssen wir uns stellen"
Außerdem stellt sich dabei doch auch die Frage: Sollte ein großer Verein wie der FC Schalke 04, der trotz massiver Kaderänderungen sicherlich zum Favoritenkreis in der 2. Bundesliga gehört, nicht selbstbewusster auftreten? Nach dem Motto: "Wir richten uns nicht nach dem Gegner, sondern der Gegner muss sich auf uns einstellen".
Die Worte von Dominick Drexler lassen zumindest darauf schließen, dass diese Frage nicht unberechtigterweise im Raum steht. "Wir werden hier 34 Spieltage stehen und es wird immer heißen, dass wir der Favorit sind. Dem müssen wir uns stellen. Wir sollten aber gar nicht nach links und rechts schauen, sondern jeder Spieler, der heute auf dem Platz stand, sollte bei sich anfangen und schauen, was er verbessern kann. Ich werde jeden in die Pflicht nehmen, mich selber auch. Und dann hoffe ich, dass wir gegen Düsseldorf bereits an anderes Gesicht zeigen werden."
Schalke muss Entwicklung zeigen
Es wäre für S04 extrem wichtig, dass dies auch gelingt, denn nach dem Duell gegen die Fortuna (Samstag, 20:30 Uhr LIVE auf Sky Sport Bundesliga 1) steht die erste Länderspielpause der Saison an. Damit diese nicht von zwei Wochen getrübter Stimmung und weiteren Sorgen bestimmt wird, gilt es nun anzupacken und eine Entwicklung im Schalker Spiel anzukurbeln.
Gelingt dies nicht, könnte sich die anstehende arbeitsintensive Woche schnell zu einer Woche der Wahrheit vor allem für den Coach entwickeln, der von einem Großteil der Fans bereits jetzt schon ob der defensiven Spielweise kritisch beäugt wird...