Mehr, mehr, mehr: WM 2026 ein Turnier der Superlative

In dreieinhalb Jahren sind Kanada, Mexiko und vor allem die USA Gastgeber der nächsten WM-Endrunde. Es wird ein Turnier der Superlative werden - mit vielleicht 104 Spielen.

München (SID) Katar? Umstritten. Die Menschenrechte werden verletzt, Homosexualität steht unter Strafe, und mit der Pressefreiheit ist es nicht weit her. Aber 2026, da wird ja alles anders, besser. Kanada, Mexiko und die USA - westliche Welt, westliche Werte, dazu große, stetig wachsende Begeisterung für Fußball. War nicht bereits die Endrunde 1994 in den USA ein grandioser Erfolg mit Rekord-Zuschauerzahlen? Ja, schon, doch so einfach ist es nicht.

Wer die gleichen moralischen Maßstäbe anlegt wie an Katar, müsste auch die drei Gastgeber der WM 2026 infrage stellen - zumal auch in diesem Fall bei der Vergabe nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein soll. Sunil Gulati, damals Präsident des US-Verbandes, hat Gianni Infantino dem Vernehmen nach jede Menge Stimmen für dessen Wahl zum Chef der FIFA beschafft, um im Gegenzug den Zuschlag für die erste WM-Endrunde mit 48 Mannschaften zu erhalten.

Infantino jedenfalls erwartet, dass in dreieinhalb Jahren "der Fußball in Nordamerika boomen wird". Das tut er jetzt schon, vor allem in den USA, die von den ursprünglich mal geplanten 80 Spielen 60 ausrichten sollen. Das WM-OK hat der FIFA einen Gesamtumsatz von 14 Milliarden Dollar zugesagt - 7,5 Milliarden waren es für Katar. 2,5 Milliarden Dollar sollen 2026 allein aus dem Ticketverkauf kommen. Der Gewinn für die FIFA könnte stolze 11 Milliarden Dollar betragen.

Gespielt werden soll in 16 Stadien, elf stehen in den USA (drei in Mexiko, zwei in Kanada). Das Fassungsvermögen der Arenen verspricht gewaltige Zuschauerzahlen. Bei der WM 1994 lag der Schnitt bei knapp 69.000 pro Begegnung.

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Für die Ausrichtung des Endspiels haben sich Dallas (80.000 Plätze für Fußball), Los Angeles (70.240) und New York/New Jersey (82.500) beworben. Dallas und New York/New Jersey liegen mit Blick auf Europa in günstigeren Zeitzonen (-7/-6 Stunden).

Alle Stadien samt Infrastruktur stehen bereits, allerdings werden noch Umbaumaßnahmen nötig. Bespielt wird ein Teil der Arenen nur von Football-Mannschaften, das bedeutet: Es muss Platz geschaffen werden für das größere Fußballfeld. Hinzu kommt: In sieben der elf US-Stadien liegt Kunstrasen, dort muss Naturrasen verlegt werden. Für die Amerikaner war all dies freilich schon 1994 kein Problem. Bemerkenswert: Fünf der Stadien in Kanada und den USA haben ein Dach.

Bleibt der Modus. Auch Infantino hat nun festgestellt, dass 16 Gruppen mit jeweils drei Mannschaften nicht funktionieren würden. "Nach dieser WM und dem Erfolg der Gruppen mit vier Mannschaften müssen wir das nochmal diskutieren", sagte er in Katar.

Die Tendenz: Es gibt zunächst zwölf Gruppen zu vier Mannschaften, in die erste K.o.-Runde rücken dann von den 48 Teams 32 vor. Das hieße auch: Sechs Spiele pro Tag in der Vorrunde, die Gesamtzahl stiege von 64 auf 104 (!), die Finalisten würden acht statt sieben bestreiten.

Bei aller Vorfreude: Wer Katar kritisiert hat, könnte auch die USA bei gesellschaftlichen Themen angreifen. In 23 der 50 Bundesstaaten kann nach wie vor die Todesstrafe verhängt werden, 15-mal wurde sie in diesem Jahr vollstreckt. Zudem hat der Oberste Gerichtshof kürzlich das landesweite Recht auf Abtreibung gekippt. Damit die gleichgeschlechtliche Ehe nicht auch wieder verboten wird, hat US-Präsident Joe Biden gerade erst ein Gesetz zu ihrem Schutz durch den Kongress geboxt.

Besonders fan- und umweltfreundlich wird die WM auch nicht werden. Es gibt drei Zonen, "West", "Central" und "East", doch diese Einteilung verhindert nicht, dass viel und weit geflogen werden muss. Und: Wer nach Mexiko will, sollte gewarnt sein. Das Auswärtige Amt teilt mit: "Die kritische Sicherheitslage dauert unvermindert an. Gewaltdelikte sind an der Tagesordnung. Die Gewalt gegen Frauen ist sprunghaft angestiegen, darunter Morde, sexuelle Übergriffe und Entführungsversuche, auch in den Touristenregionen."

SID th mm rd