Gladbach im freien Fall: Schweigen die Fans die Borussia wach?
Borussia Mönchengladbach legt mit sechs Pleiten in den ersten sechs Spielen den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin!
19.10.2026 | 21:52 Uhr
Die Fohlen befinden sich im freien Fall. Nach dem Schweigen der Fans muss nun die Antwort auf dem Platz folgen, meint Sky Sport Reporter Marlon Irlbacher.
Sechs Spiele, null Punkte, 20 Gegentore - Borussia Mönchengladbach erlebt den schlechtesten Saisonstart seiner Vereinsgeschichte! Doch noch erschreckender als die nackten Zahlen war der blutleere Auftritt gegen Hoffenheim. Keine Energie, kaum Leidenschaft und viel zu wenig Gegenwehr.
Selbst nach dem zwischenzeitlichen 1:1 durch Wael Mohya kam kein Aufbäumen. Dabei hätte genau das der Moment sein müssen, in dem die Borussia ihre Fans mitreißt und das Stadion anzündet. Stattdessen herrschte nach Abpfiff eine fast gespenstische Stille. Viele Fans wandten sich demonstrativ von der Mannschaft ab, statt sie lautstark zu beschimpfen. Ich fand das genau richtig. Manchmal sagt Schweigen mehr als tausend Pfiffe.
Verletzungen dürfen keine Ausrede sein!
Alexander Blessin hat die Zeichen der Zeit offenbar erkannt. Nach dem Spiel knöpfte sich der Trainer seine Mannschaft noch auf dem Rasen lautstark vor. Auch in meinem Sky Sport Interview fand er deutliche Worte und kritisierte die fehlende Energie und die verpasste Chance, die eigenen Fans mitzunehmen. Gut so! Denn bei aller berechtigten Kritik an der sportlichen Qualität: Einsatz und Leidenschaft sind nicht verhandelbar. Dass ausgerechnet der erst 17-jährige Mohya vorangeht, aggressiv presst und Verantwortung übernimmt, ist bezeichnend. Wo sind die erfahrenen Spieler? Natürlich wiegen die acht verletzten Profis schwer, gerade Führungsspieler wie Tim Kleindienst und Enzo Leopold fehlen enorm. Aber Verletzungen dürfen keine Ausrede für fehlenden Kampfgeist sein!
Noch ist die Borussia längst nicht abgestiegen - aber die Alarmglocken schrillen lauter denn je! Mainz und Bochum haben nach sechs Auftaktniederlagen ebenfalls noch den Klassenerhalt geschafft. Fortuna Düsseldorf stieg 1992 dagegen ab. Es ist also noch alles möglich. Dafür muss allerdings vor allem die katastrophale Defensive stabilisiert werden. 20 Gegentore in sechs Spielen sind ein Offenbarungseid - und ausgerechnet Defensivexperte Blessin hat dafür bislang keine Lösung gefunden. Gleichzeitig wächst der Druck auf die sportliche Führung um Rouven Schröder und den Vorstand, dessen Entscheidungen der vergangenen Jahre zunehmend kritisch hinterfragt werden. In Gladbach muss jetzt jeder Stein umgedreht werden! Auch Wintertransfers dürften notwendig werden, wobei nach Sky Sport Informationen finanziell wohl höchstens Leihgeschäfte realistisch sind.
Ein Abstieg wäre eine Katastrophe
Was Borussia jetzt vor allem braucht, ist Zusammenhalt statt gegenseitiger Schuldzuweisungen. Am Montag habe ich Kleindienst vor dem Borussia-Park erlebt, wie er sich Zeit für die Fans nahm, mit ihnen diskutierte und die Krise erklärte. Genau diese Haltung braucht der gesamte Verein! Jetzt wartet Stuttgart auswärts - eine denkbar schwere Aufgabe. Aber irgendwann muss diese Mannschaft anfangen, Punkte zu holen. Noch sind 28 Spieltage zu absolvieren, noch ist genügend Zeit, das Ruder herumzureißen. Ein Abstieg wäre für diesen Traditionsverein eine Katastrophe. Deshalb müssen jetzt alle Verantwortung übernehmen: Mannschaft, Trainer, sportliche Führung und Vorstand. Die Borussia braucht keine weiteren Ausreden, sondern Charakter, Leidenschaft und Geschlossenheit.
Die Fans haben mit ihrem Schweigen ein klares Zeichen gesetzt. Jetzt muss die Antwort auf dem Platz folgen!
Mehr zum Autor Marlon Irlbacher
Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.