Heimatbesuch bei Bayern-Talent: So tickt Lennart Karl
Auf den brisanten Fanklub-Besuch in Burgsinn antwortet Karl auf seine eigene Art und Weise und glättet die Wogen auf dem Platz.
07.01.2026 | 15:30 Uhr
Intern ist und war Karls Aussage über den Traum von Real Madrid kein Thema, das haben die Bayern-Bosse verraten. Aber wie denkt der 17-jährige Shootingstar darüber? Ein Besuch in Karls unterfränkischer Heimat zeigt: Der gebürtige Frammersbacher ist einfach ein Junge mit großen Träumen.
Von Niklas Korzendorfer
Seine Antwort dürfte alle Kritiker verstummen lassen!
Erst trifft Lennart Karl sehenswert mit dem linken Spann ins rechte untere Eck, dann hebt er beide Handflächen und bewegt sie langsam abwärts. Die Botschaft war klar: "Einfach mal ruhig bleiben!" Die Geste im Stile des "Calma Calma"-Jubels von Cristiano Ronaldo nach seinem 2:0-Treffer beim souveränen Testspielerfolg der Bayern in Salzburg (5:0) ist ohne Wenn und Aber an seine Kritiker der vergangenen drei Tage gerichtet.
Der Hintergrund: Am Sonntag sorgte Lennart Karl beim Besuch des unterfränkischen Bayern-Fanklubs "Burgsinn 1980" - rund 25 Minuten von seiner Heimat Frammersbach entfernt - mit einer Aussage für Schlagzeilen. Angesprochen auf seinen Traumverein abseits des FC Bayern sagte der 17-jährige Shootingstar vor rund 150 Fanklub-Mitgliedern aus seiner Heimat unbekümmert: "Der FC Bayern ist ein sehr großer Verein. Es ist ein Traum, dort zu spielen. Aber irgendwann will ich auf jeden Fall mal zu Real Madrid."
Wegen Real-Aussage: Karl kassiert mächtigen Shitstorm
Für seine ungewöhnlich ehrliche Aussage erntete das Bayern-Juwel prompt einen mächtigen Fan-Shitstorm in den Sozialen Netzwerken, sodass Karl sogar die Kommentarfunktion auf all seinen Kanälen deaktivieren musste.
Freund: "Lennart trägt sein Herz auf der Zunge"
Sportvorstand Eberl reagierte "völlig entspannt", betonte, dass der junge Karl selbstkritisch auf die Bosse zugekommen sei. "Für uns ist die Sache vom Tisch", versicherte Eberl. "Ich glaube, ein 17-Jähriger darf auch mal einen Fehler machen, er darf vielleicht in seiner Euphorie was sagen, wovon er nachher denkt: Okay, hätte ich anders machen können. Der lernt! Er ist eben nicht mehr der Lenny, der 17-Jährige, den keiner kennt, sondern er ist Lennart Karl, von dem ganz Deutschland jetzt weiß, was er kann und was er ist."
Sportdirektor Freund ergänzte bei Servus TV: "Das ist Lenny. So spielt er auch Fußball. Er trägt sein Herz auf der Zunge. Der scheißt sich nichts, sagt man bei uns - auch auf dem Platz. Er redet wie ein 17-jähriger Bursche."
Brisant: Als 10-Jähriger absolvierte Karl einst ein Probetraining bei Real Madrid. Zu einem Wechsel kam es damals aber nicht.
Doch wie tickt dieser "17-jährige Bursche"?
Karl spricht, wie er spielt. Unbekümmert, mit Leichtigkeit und ohne angezogene Handbremse.
Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, mal für Schalke 04 zu spielen, antwortete Karl mit einem Augenzwinkern: "Ich hätte nichts dagegen, wenn es mal ein Tief in meiner Karriere gibt". Karl, der nach eigener Aussage viel Zeit mit Tom Bischof und Aleksander Pavlovic verbringt, ist selbstbewusst. Er träumt von Titeln. "Erst einmal die Bundesliga gewinnen", sagte er und ergänzt: "In der Champions League sind sehr viele Mannschaften dabei, aber wir sind eigentlich dieses Jahr eine Top-Mannschaft. Ich habe schon ein sehr gutes Gefühl, dass wir die Champions League gewinnen können."
In seiner unterfränkischen Heimat Frammersbach wird Wunderkind Karl für seine Offenheit gefeiert. Beim Fanklub-Besuch im benachbarten Burgsinn zierten Plakate mit der Aufschrift "Burgsinn esKARLiert" oder "Burgsinn grüßt Karl den Großen" die Hallenwände. In der Marktgemeinde mit knapp 4500 Einwohnern elektrisiert er die Fans. Sie sind stolz auf ihren Senkrechtstarter. Die Real-Aussage können sie einordnen. "Wir wissen, wie er es gemeint hat", sagt ein Fan am Rande des Besuchs.
"Wir waren letztes Jahr im Stadion. Da war er noch Balljunge, ist vor uns herumgelaufen und jetzt ist er Stammspieler. Das ist schon toll", erzählt Fanklub-Mitglied Uli Volpert aus Burgsinn.
"Selbst sein Vater war schon eine Granate"
Wenn es die Zeit zulässt, ist Karl in Unterfranken zu Gast. So ließ sich der Bayern-Star mit seiner Familie um Vater Steffen Aloe kurz vor dem Weihnachtsfest beim traditionellen Weihnachtsfeuer in der ortsansässigen Brauerei blicken - ganz ohne Starallüren.
"Ich muss sagen, ich habe schon gegen Lennarts Vater gespielt und er war schon eine absolute Granate. Dass sein Sohn so beim FC Bayern einschlägt, ist der Wahnsinn", sagt Markus Schmitt, der die Fußballschuhe für die SG Burgsinn schnürt.
Fans trauen Karl die WM-Nominierung zu
Als damals 14-Jähriger wechselte Karl im Sommer 2022 nach München. Drei Jahre später gelingt ihm in der bayerischen Landeshauptstadt der große Durchbruch. Es folgen Traumtore in der Bundesliga und in der Königsklasse. Bei seinem Startelf-Debüt im Oktober 2025 gegen Club Brügge kürte sich Karl zum jüngsten deutschen CL-Torschützen der Geschichte.
Die Stimmen für eine Nominierung in der A-Nationalmannschaft werden immer lauter - auch bei den Bayern-Fans in Burgsinn.
"Er hat auf seiner Position im Endeffekt mit Kai Havertz und mit Leroy Sane nur zwei Konkurrenten. Da muss man erst einmal schauen, inwieweit beide ihre Leistung abrufen können. Ich würde ihn mitnehmen", sagt Heiko Klübenspies, der Karl seit Jahren verfolgt und dessen Vater Steffen persönlich kennt.
Auch Karl zeigt sich auf der Bühne in Burgsinn zuversichtlich: "Natürlich", so sagt er, "würde ich sehr gerne mitfahren, aber ich muss erst meine Leistung bringen. Mit 18 Jahren zur WM zu fahren, ist etwas ganz Besonderes. Ich arbeite jeden Tag sehr hart und werde dann hoffentlich dafür belohnt".
Klar ist: Karl darf träumen, vielleicht fürs Erste von entscheidenden Monaten mit dem FC Bayern und einer Weltmeisterschaft im Sommer. Sein großes Idol ist im Übrigen Barcelona-Legende Lionel Messi. Das weiße Ballett kann doch noch warten ...
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